2015 - ISLAND

 

Tag 3 – 27.09.15, Sonntag
Dyrholaey - Arch und Basaltfelsen
Leuchtturm
Felsnadeln - Reynistranga

 

Um es vorweg zu nehmen, die Elfen und Trolle waren uns heute wirklich gut gesonnen. Wir hatten einen wunderschönen Tag. Leichte Bewölkung mit längeren sonnigen Abschnitten und nur ein, zwei kleine locker im Auto abzuwartende Regenschauer.

Es war das reinste Aha-Erlebnis, so sieht es also in Island aus. Wunderschön und voller Gegensätze. Das sanfte bis kräftige Grün, mit dem die knubbelige Lava teilweise schon überzogen ist, sieht aus als würden tausende von grünen Schafen miteinander kuscheln, obwohl es auf den weiten Wiesen genügend echter Schafe gibt, die ein supertolles langes Fell haben, das sie stolz mit einem Mittelscheitel auf dem Rücken umhertragen.

 

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Das Lavafeld „Eldhraun" im Westen von Kirkjubaejarklaustur hier im Süden Islands beeindruckt uns durch seine dicken Moospolster, es ist während des verheerenden Laki-Ausbruchs 1783/84 entstanden.

Der dunkelschwarze (gibts das Wort überhaupt?) Lavastrand ein wunderschöner Kontrast zu den Wellen die sich hochaufgeworfen am Strand mit weißen Schaumkronen brechen und das Land wieder einnehmen. Am blauen Himmel Puffy Clouds, und riesige von der Sonne oder etwa vom Untergrund? aufgeheizte Basaltfelsen-Säulen, die zum anlehnen und verweilen eingeladen haben.

 

 

Wir haben uns den Wecker gestern extra auf viertel vor sieben gestellt, damit wir erst mal das Wetter prüfen und dann sehen was wir machen. Der Wecker klingelte pünktlich und siehe da, der Himmel war fast klar, es regnete kaum und 10 Minuten später ging die Sonne auf und damit waren wir hellwach!

Es gab eigenes Frühstück mit gestern eingekauften Brötchen und Skyr, zum mitnehmen hatten wir Knäckbrot mit veganem Paprikaaufstrich mit Cashewkernen und den Kaffee gab's löslich. Einen Wasserkocher gibt es in jedem Zimmer.

Flugs noch anziehen nach dem Zähneputzen natürlich und dann ab die Post zunächst nach Vik zum Tanken und dann zu verschiedenen POI's die wir herausgesucht hatten.

Eigentlich hatten wir vor, nach Vik durchzufahren um zu tanken und die bis dahin angesammelten Sehenswürdigkeiten auf dem Rückweg „nach Hause" nach Kirkjubaeklaustur abzuklappern, aber wir wurden von Mutter Natur ausgebremst und Hjörleifshöfdi, ein 221 m hoher Inselberg, bestehend aus Palagonit, weckte bereits unser Interesse.

 

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Wie wir später recherchierten, gibt es auch einen Rundwanderweg auf dem man die Ruinen eines Bauernhofs in ca. 90m Höhe bewundern kann. Da wir aber noch andere Ziele ansteuern wollten, beschränkten wir uns auf die Vorder- und Seitenansicht des Felsens, wo im Sommer sehr viele unterschiedliche Vögel residieren. Die Lundi waren jedoch nicht mehr da. Uns hat es sehr gut gefallen, schon hier haben wir sehr viele Fotos gemacht. Dann ging es weiter nach Vik, auch hier unterwegs wunderschöne Ausblicke bei ständig wechselnden Wettereinflüssen.

 

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In Vik haben wir schnell getankt, ohne besondere Vorkommnisse (kein zipcode nötig), dann haben wir den wohl weltberühmten Islandpullover-Shop direkt neben der Tankstelle besucht, und anschließend sind wir unterhalb von dem Kirchlein zu einem Vogelfelsen gelaufen. Hier, in der heute sonnigen, traumhaft fremd aussehenden Landschaft, stehen mehrere kleine Häuschen mit leuchtend roten und grünen Dächern, es sieht fast aus wie auf einer Modeleisenbahnplatte.

 

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An wunderschönen Schwemmlandebenen vorbei, kommen wir zu unserem nächsten Ziel: Dyrholaey (Türlochinsel), eine vulkanische Halbinsel. Das steil abfallende Kap ist vor 80.000 Jahren bei einem Vulkanausbruch unter Wasser entstanden. Man kann nach oben auf das Plateau laufen und dem Wellenspiel zuschauen, gewaltig und bedrohlich aber wunderschön.

 

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Riesige Basaltfelsen wurden vom Wasser umspült und wieder und wieder „angegriffen" sodass sich sogar schon ein „Türloch" gebildet hat, durch das Boote fahren können, daher auch der Name Dyrholaey.

 

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Die Sonne versteckte sich mal kurz und die Wolken ließen ein paar Tropfen fallen, um uns zu zeigen, dass es nicht selbstverständlich ist, heute so schönes Wetter zu haben. Wir haben uns kurz im Auto aufgehalten und dann kam die Sonne wieder hervor, um mit ihren warmen Strahlen die teilweise schroffe aber auch weiche samtartige Landschaft zu verzaubern.

 

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Um zu dem der Leuchtturm von 1927 zu gelangen, muss man die Straße vom Felsen wieder zurückfahren und dann die rechts liegende lange Schotterpiste hinauf. Dort thront er der Leuchtturm, majestätisch an der vordersten Kante des Tafelberges und wacht über die Bucht.

 

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Reynisdrangar, die schwarzen Felsnadeln wollten wir auch noch aus der Nähe sehen, also Straße wieder zurück auf die Hauptader dann quer rüber und wieder runter, eigentlich haben wir dann ein Viereck, was vom Wasser gesäumt wird, abgefahren.

Hier an einem riesengroßen, weitläufigen schwarzen Strand brechen sich die Wellen ganz wundervoll im gleißenden Sonnenlicht und brettern auf die schwarze sandige Lava. Mitten im Wasser in Strandnähe stehen die sogenannten Felsnadeln, sie halten dem Wellenspiel noch Stand, wer weiß wieviel Körnchen sie schon geben mussten? „Skessudrangur", „Landdrangur" und „Langsamur".Eine Legende berichtet, dass Trolle ein Schiff ans Land bringen wollten und dabei versteinert worden seien.

Ein großer Basaltfelsen, mit diesen bei Abkühlung der Lava entstehenden fünf oder oder auch sechs kantigen Basaltsäulen, begrenzt den Strand nach hinten und ein Höhle darin gibt es auch.

Ebbe und Flut wechseln sich hier ab und wenn man nicht aufpasst, dann kriegt man nasse Füße.

 

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Rolf war sehr ins fotografieren vertieft und schaute noch nach anderen, rief ihnen noch zu, das Wasser kommt – aber schon pitsch patsch war er selbst bis zum Knie nass. Ich lehnte in der sich senkenden Sonne an der natürlichen warmen hellgrauen Basaltwand und konnte mir das Lachen nicht ganz verkneifen, obwohl ich ordentlicher Weise auch noch: „Schnell schnell, die Welle kommt" gerufen habe! Zu spät Schuhe nass, Socken nass, Hose nass aber im Moment leider nicht zu ändern.

 

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Jetzt wollten wir zurück nach Kirkjubaeklaustur ins Hotel fahren und noch ein paar am Wegesrand liegende POI's anschauen. Pakgil Canyon lag noch auf unserem Weg, irgendwie konnten wir dann doch nicht genug kriegen, obwohl wir schon so voller Eindrücke waren.

Schon die Einfahrt in die Straße gleich nach Vik am Kattla-Hotel nach links (?214) ist spektakulär. Das Wetter verschlechterte sich wieder einmal von jetzt auf gleich und eine Nebelregenwand hing genau dort, wo wir hinwollten.

 

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Die Sicht ging genau da weg, als man dachte die hohen eigentlich ehemals schroffen Felswände wären mit grünem Samt bezogen - Tiefschwarz mit sattgrüner Decke. Die Straße wurde zur Hubbelpiste und starker Sprühregen setzte ein, als wir etwa ein Drittel der Strecke gefahren waren. Unser Auto'chen hätte diese Herausforderung wahrscheinlich sowieso nicht geschafft und fotografieren wäre auch nicht möglich gewesen, also drehten wir um und bewunderten auf dem Rückweg zur Ringstrasse wieder die einzigartige sanftschroffe Landschaft. Und wieder sah es aus als ob man grünen Samt in allen Schattierungen über die Kanten des Lavagesteins gelegt hätte.

Wir haben wir nochmal an dem Hjörleifshöfdi angehalten und ein paar Fotos bei anderem Licht gemacht. Man hörte ganz viel Dohlen oder Krähen.

Unser Tag war noch nicht zu Ende, denn wir haben dann direkt an der Einfahrt zur 208 ein ganz großes Feld mit vielen vielen unterschiedlichen spitzen, kantigen Lavasteinen entdeckt, dass muss wohl Eldhraun sein, dachten wir zumindest. Bei unserer Recherche stellte sich dann heraus, dass dieser Lavahügel „Laufskálavarða" heißt und es früher Brauch war, dass jeder Reisende, der hier zum ersten Mal vorbeikam, eine Warte errichtete, bevor er sich auf den Weg über die große Sandebene Mýrdalssandur machte. Wunderschön schwarz im Kontrast zu dem unterschiedlich grünen Moosbelag der Zwischenräume.

 

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Das Schild mit der Beschreibung hatten wir vor lauter Staunen nicht gesehen und erst, als wir wieder im Auto saßen und wegfuhren, entdeckt.

Weiter hinten in der 208 befindet sich noch die Grafjarkirja, die aus dem 17. Jahrhundert stammt und somit die älteste christliche Kirche und außerdem eine der kleinsten Holzkirchen Islands ist. Leider ist unser Suzuki C6 nicht zur Weiterfahrt auf dieser Straße geeignet und wir geben nach ein paar hundert Metern auf. Das kommt natürlich auch noch auf die To-Do-Liste.....

Wenn man hier so eine Weile fährt, der Nebel sich senkt, Sprühregen von allen Seiten einsetzt, man nach rechts und links schaut, dann ist es kein Wunder wenn man irgendwann rosafarbene Elfen über die Straße fliegen sieht und ganz viele spitzbübische Trolls in den überall herumliegenden Lavasteinen entdeckt, mit oder ohne Wuschel auf dem Kopf. Es ist ganz merkwürdig, manchmal glaubt man fast sie würden sich bewegen, grinsen oder grimmig schauen..... oder gar: da ist doch eben einer gelaufen!
und jetzt sind wir erst 2 volle Tage hier.....

Nach 10,05 Stunden und 214,4 km genießen wir eine heiße Dusche und unsere Instantnudelsuppe vom Asiaten, dann widmen uns unserer PC-Arbeit und Bilderdurchsicht. Aber draußen rauscht weiterhin der Regen und Wind...

 

Spruch des Tages:
Zeit hat man nicht, die nimmt man sich einfach, für das was einem wichtig ist.