2015 - ISLAND

 

Tag 7 – 01.10.15, Donnerstag
von Gullfoss nach Reykjavik und weiter nach Keflavik (Abflug)
- Gullfoss
- Strokkur
- Bruarfoss (nein nur gesucht)
- Reykjavik
- Keflavik

 

Da das Wetter uns heute auch keine großen Hoffnungen machte, sind wir erst einmal ganz gemütlich zum Frühstück gegangen. Es hat die ganze Nacht gestürmt und geregnet und so ist es immer noch. Irgendwie dachten wir, es würde sich ein wenig bessern zumindest vielleicht kein Regen wobei man das hier nicht als Regen sonder eher als Schutt wie aus Eimern bezeichnen kann.

 

58295 5D JRM

 

Wir checkten dann also aus und fuhren ein paar Kilometer weiter zum Goldenen Wasserfall / Gullfoss. War es nun das Rauschen des Regens oder des Wasserfalls?

Rolf packte die Kamera in eine Plastikfolie und machte sich auf den Weg über die Holzsteige gen Gullfoss. Ich wollte im Auto bleiben und ließ ihn gehen, bis ich es mir doch anders überlegt hatte. Jetzt sitze ich hier im Auto, es ist 10.00 Uhr vormittags, unser Flug geht um Mitternacht und wenn ich jetzt schon wieder total durchnässt werde....? Um mich herum ist alles nebelig und es schüttet weiter, die Holzstege kann man von hier aus gar nicht erkennen. Aber wer weiß, wann und ob ich wieder hier her komme? Dann könnte ich nur sagen ich war auf dem Parkplatz, wie doof – nein – also stiefelte ich los mit zwei Regenjacken übereinander. Rolf hat mich gar nicht erkannt als ich vor ihm stand, er war gerade auf dem Rückzug.

Ich ging also bis zur Aussichtsplattform und musste tiefe Pfützen auf dem Weg dorthin durchschreiten, egal – jetzt will ich auch sehen, was sich hinter diesem tosenden Geräusch verbirgt. Es regnete, es war nebelig und die gewaltige graue Masse Wasser mit hellgrauer Gischt stürzte wild über die Kaskaden in die Tiefe. Das glaubt man nicht, wie groß und breit das ist. Und wieder ist man ganz still, ob dieser Naturgewalt.

Meine Kamera gab dann ihren Geist auf und wollte nicht mehr filmen. Mein Handy ließ jedoch noch ein paar Aufnahmen zu., die ich dann nach Hause schicken konnte. Rolf hatte jedoch mit seiner Kamera, die dann mal kurz aus der Plasticfolie an die Luft durfte, Aufnahmen gemacht.

 

58421 7D JRM

 

Danach sind wir dann zum Strokkur/Geysir gefahren, ja - Kontrastprogramm hier schießt eine heiße Wassersäule in die Luft und die anderen Löcher dampfen und blubbern so vor sich hin. Die Farben könnte man sich bei anderem Wetter irgendwie besser vorstellen, aber es war uns leider nicht vergönnt, obwohl ich die Elfen und Trolle gebeten habe, wenigstens das Wasser von oben abzustellen, damit wir den Strokkur bei Trockenheit sehen können. Sonne, nein so unverschämt sind wir nicht, die haben wir uns gar nicht gewünscht. Und es hat tatsächlich was genutzt..... der Regen von oben hörte so langsam auf und wir konnten den Strokkur wenigstens bei "nur" Nebel in uns aufnehmen. Toll wie sich vor dem Ausbruch die Blase bildet und dann unter dem Druck nachgibt, aufplatzt und eine riesige Wassersäule in die Luft schießt. Das ist richtig laut. Ein paar Durchgänge haben wir zugesehen, aber jetzt hatte auch mein Handy genug, der Speicher war voll.

 

58485 7D JRM

 

58488 7D JRM

 

Mit unseren immer noch triefenden Regenjacken haben wir uns in dem Geysir-Restaurant einen Kaffee gegönnt und sind dann weiter Richtung Bruarfoss gefahren, den wir jedoch nicht "erwandern" konnten, weil der Weg total vermatscht war und Rolf bald bis zum Knie darin stecken geblieben ist. Ich rufe nochmal ins Gedächtnis, wir fliegen heute Nacht nach Hause......

Der 35 und dann der 37 folgend wie es Andreas' beschrieben hat (vielen Dank!), ein Abzweig durch die Ferienhaussiedlung, den Parki und das Brückchen haben wir nach gefühlten 100 km Gravelroad mit Löchern und Schlamm gefunden, danach war zu Fuß fast nichts mehr zu machen. Lediglich dieser fotogene Bach stellte sich uns in den Weg.

 

58297 5D JRM

 

Aber gehört haben wir den Bruar wenigstens und unsere etwas angetrockneten Klamotten wurden wieder durchnässt, denn es regnete erneut. Schade, aber es gibt ja eine To-Do-Liste fürs nächste mal.

Auf der 37 haben wir dann unsere Fahrt fortgesetzt, in Laugarvatn haben wir erwartungsvoll auf die 365 gewechselt, eine dreier Straße, die haben meistens überhaupt keinen Asphalt, aber sie war gut zu fahren und führte uns durch abwechslungsreich begrünte Lavalandschaften. Herrliches Moos und schroffe Felsen, rote Blüten und gelbes Laub von so etwas ähnlichem wie Alpenrosen oder Heidelbeeren.

 

58299 5D JRM

 

58301 5D JRM

 

Wir hielten hier und da an, der Regen hatte aufgehört - die Elfen waren anscheinend beruhigt, dass wir keinen „Foss" mehr anfahren wollten und belohnten uns mit Trockenheit von oben. Durch den schwarzen Himmel machte sich hier und da das Sonnenlicht auf den Weg zu uns und verzauberte die Landschaft ganz unwirklich. Was für Farben..... gold, braun, hellbraun, rot, gelb, orange, grün und schwarz....

 

58307 5D JRM

 

58314 5D JRM

 

58324 5D JRM

 

Die 365 hieß dann 36 Pingvallalegur als wir uns dem Thingvellir/Pingvellir Nationalpark, der etwa 40km östlich von der Hauptstadt Reykjavik liegt, näherten. Hier trifft man auf die Geschichte Islands, der Park wurde 1928 gegründet und gehört zum Unesco Weltkulturerbe.

Wikipedia sagt dazu:
Der Þingplatz war nach der Besiedlung Ìslands die Keimzelle des mittelalterlichen Staates. 930 wurde hier der erste Alþing, eine parlamentsartige Versammlung, einberufen, die einmal jährlich tagte. Bis zu 4000 Menschen versammelten sich, um Streitereien zu schlichten und Gesetze zu beschließen. Sitz und Stimme hatten die 48 Goden (Häuptlinge). Die Zusammenkunft bestand bis ins Jahr 1798. Dann lösten die Dänen das Alþing auf. Hier wurde am 17. Juni 1944 die Republik Island ausgerufen und ist heute wieder Schauplatz zahlreicher staatlicher Feierlichkeiten.

Da wir aber nur ein Stückchen durchgefahren sind, haben wir die geschichtsträchtigen Orte, wie z. B. den Versammlungsort dieses mal gar nicht aufgesucht. Als wir uns dem Oxarafoss (Wasserfall) näherten, sprach ich meine Idee, doch noch schnell hier vorbeizuschauen laut aus und das war das Stichwort für die Elfen, die Schleusen von oben wieder zu öffnen. Wir sollten wohl weiter durch diese wundervolle Landschaft fahren und den isländischen „indian summer" so richtig genießen. Zum Dank, dass ich dann gleich beschwichtigte und sagte: ja, ja ist ja gut, wir fahren zu keinem Foss mehr, wir sehen uns nur noch Reykjavik an bevor wir abfliegen, aber jetzt wollen wir hier ganz in diese wundervoll gefärbte Landschaft, die auf dem Grabenbruch also auf der Grenze zweier Erdplatten liegt, genießen. Und dann wurden wir mit einem Regenbogen nach dem anderen verwöhnt, gespenstisch anmutend, am dunkelgrauen Himmel, doppelt von einem Ende zum anderen und ein paar Sonnenstrahlen strahlten auf die ganz wundervollen Herbstfarben.

 

58347 5D JRM

 

58350 5D JRM

 

58363 5D JRM

 

58370 5D JRM

 

Wir genossen diese Fahrt, vorbei an dem großen See, an Schluchten und Felsen und durch kleine Orte, das war ein krönender Abschluss unserer kurzen Schnupperreise. Kurz vor Mosfellsbaer, einem von einigen kleinen Orten trafen wir wieder auf die 1, die Ringstrasse, und befanden uns eigentlich damit schon im Vorort-Dschungel von Reykjavik.

Über die 49 kamen wir dann nach Reykjavik rein und fuhren doch fast an dem Kermafoss vorbei, meine Idee hier noch einen kleinen Abstecher zu machen wurde promptens mit starkem Wasserschutt von oben beantwortet. Naja, da muss man halt einlenken und wir fuhren weiter zur Hallgrimskirkja diese steht auf einem Hügel, dadurch erscheint ihr 74,5m hoher Turm noch größer. Sie ist das zweitgrößte Gebäude Islands und das höchste Gebäude von der Hauptstadt. Vor der Kirche steht eine Statue von Leif Eriksson. Leider war die Tür zu der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche der Isländischen Staatskirche verschlossen. Auch das kommt auf unsere To-Do-Liste.

Inzwischen tröpfelte es nur noch ein wenig und wir machten uns weiter zu Fuß auf den Weg zur Harpa. Die Harpa ist das 2011 neu eröffnete Opern- und Konzerthaus. Das Gebäude liegt am östlichen Teil des Stadthafens und damit wurde gleichzeitig das Stadtzentrum nach Norden erweitert. Durch die massive Bauweise wird die Stadt gegen die kalten Nordwinde geschützt und so entstand ein neuer belebter, geschützter Platz an der Südseite des Gebäudes.

Die Glasfassade ist sehr beeindruckend und bei genauerem Hinsehen erkennt man die Geometrie von Kristallen. Die Struktur ist an der Südseite dreidimensional ausgeführt und frei steuerbare LED ermöglichen Lichtspiele in unterschiedlichen Variationen.

Das einfallende Sonnenlicht bringt sich ständig ändernde Lichteindrücke in das Foyer, was wir wegen starkem Wind und geöffneten Himmelsschleusen nicht mehr aufgesucht haben, wir haben unsere Aufnahmen aus größerer Entfernung gemacht.

Perlan die Perle ist der Heißwasserspeicher der Stadt, diesen haben wir ebenfalls nur von Weitem in Augenschein genommen, als wir durch die Fußgängerzone mit den vielen kleinen Cafe's und Kneippen geeilt sind. Perlan versorgt die Stadt mit Warmwasser und die im Winter werden auch Gehwege und Straßen damit beheizt.

In einem Dunkin Donut haben wir uns aufgewärmt und einen Kaffee getrunken, dann ging's zurück zur Kirche, wo unsere Auto in der hereinbrechenden Dämmerung im strömenden Regen auf uns wartete. Jetzt mussten noch ein paar Sachen in die Koffer, z.B. die nassen Regenjacken, die Mützen, Gewicht hatten wir ja noch genug frei, das Stativ und auch noch Schuhe, die ich ganz vergessen hatte und die auch noch im Auto herumlagen.

Wir hatten nicht mehr den Nerv uns umzuziehen und haben darauf vertraut, dass bis zu unserer Ankunft am Flughafen in Keflavik bei aufgedrehter Heizung unsere Regenhosen wieder trocken sind. Gesagt getan..... und es war gut nur mit den Fleecejacken zu reisen.

Über die 40, dann 41 sind wir zunächst bei kräftigem Berufsverkehr noch in der Stadt und dann bei totaler Dunkelheit über Lavaland zum Flughafen nach Keflavik gefahren, haben vollkommen problemlos noch getankt und das Auto gegen 22:00 Uhr abgegeben und dann darauf gewartet, dass der Schalter öffnet, damit wir einchecken können. Gegen 22:30 Uhr waren wir dann auch die Koffer los und begaben uns dann schon durch die Sicherheitskontrolle in der Annahme, dass wir am Gate ein paar freie Stühle zum Warten vorfinden. Es waren nur wenige Sitzplätze vorhanden. Unser Flug um 0:55 Uhr ging planmäßig nach Berlin und von dort, nach ein paar Stunden, weiter nach Frankfurt. Wohlbehalten und voller neuer, überirdischer Eindrücke sind wir gelandet, kein Regen, kein Sturm, was ist das denn hier? Sonnenstrahlen, ähhhh – ist ja langweilig.

Unsere mit dem Auto gefahrenen Kilometer beliefen sich auf 176,1 -  plus dem Flug waren wir dann 11 Stunden und 50 Minuten unterwegs.

 

Spruch des Tages:
There is a place. Like no place on Earth. A land full of wonder, mystery, and danger!
(Lewis Carroll: "Alice im Wunderland")