2016 - Island Einmal rund um die Insel

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Tag 04– 27.05.16 Freitag

 

Bevor wir Akureyri heute morgen Richtung der drei berühmten Fosse (Foss = Wasserfall) verlassen, fahren wir noch gerade an die Uferpromenade des Eyjafjördur (ob hier je jemand flaniert, bei diesem Wind?) und fotografieren diese Skulptur vor der eindrucksvollen Kulisse der Schneeberge.

 

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Danach tanken wir noch und nehmen einen Coffee to go mit auf unsere Weiterreise. Es ist trocken aber sehr stürmisch und von Sonne ist noch nichts zu sehen.

Wir fahren auf der 1 Richtung Godafoss, der etwa in der Mitte auf dem Weg zwischen Akureyri und Myvatn liegt und vielleicht fahren wir dann auch heute noch zum Hafragilsfoss oder sogar noch zum Dettifoss oder Selfoss, schauen wir mal, wie wir voran kommen und wie sich das Wetter entwickelt.

Unsere Fahrt durch die noch mit Schneeresten bedeckten Hochebenen, durch die Bergketten gestaltet sich sehr eindrucksvoll und ich kann gar nicht aufhören durch die Frontscheibe zu fotografieren. Die Wiesen sind nur teilweise grün und scheinen eher graublau. Schneeberge rechts, Schneeberge links und geradeaus auch, der Ausblick ist sehr sehr schön.

 

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Bald erreichen wir den Godafoss, der Himmel ist noch bedeckt aber es ist trotzdem ziemlich hell, die Schneeberge reflektieren die Helligkeit und die Gischt des Wassers erscheint dadurch richtig weiß. Hier haben wir bestimmt eine Stunde zugebracht, bevor wir uns weiter auf den Weg machen. Der Godafoss ist "nur" 12m hoch, aber die Wassermassen, die sich donnernd über die riesig breite Fallkante am Rand des Lavastroms Frambruni in die Tiefe stürzen, sind sehr beeindruckend.

 

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Es ist kurz nach halb 12 und wir haben beschlossen, von der 1 auf der 82 weiter nördlich zu fahren und noch einen Abstecher nach Husavik zu machen. Rechts und links der Straße sieht man junge Nadelbäume, die aber so aussehen als ob sie den Winter nicht so ganz überlebt haben. Sie bestehen aus hellgrünem Gerippe, aber vielleicht ist es auch eine ganz andere Sorte von Bäumen. Vielleicht sind es sogar Lärchen? Macht sich jedoch farblich toll auf diesem schwarzen Boden und den Schneeflecken, teilweise sind ja auch schon richtig grüne Wiesenteile zu sehen.

Je näher wir Husavik kommen um so öder wird die Landschaft, braun und grau und rundherum nichts, die Berge die weiterhin parallel zu uns liegen sind jetzt weiter weg. Aber es ist trocken und wird immer heller, man darf auf Sonne hoffen.

Husavik hat einen wunderschönen Hafen auf den man geradewegs drauf zu fährt und es gefällt uns ausnehmend gut, es ist außerdem der nörlichste Punkt Europas, den wir beide je besucht haben. Wir schlendern am Hafen hin und her und fotografieren wieder mal bis die Speicherkarten glühen.

 

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Es riecht überall nach Fisch und hier und da stehen einige leere aber saubere Kisten sowie große Säcke voller Fangnetze umher.

 

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Nach einer Weile sind wir dann doch ein wenig durchgefroren und nehmen Kurs auf eines der kleinen goldigen Cafes und/oder Restaurants. Wir haben eine gute Wahl getroffen und sind mit unserem Hamburger und dem Kaffee sehr zufrieden.

 

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Gerade noch Glück gehabt, denn die Walwatching-Boote sind zurück und die Teilnehmer sind noch mehr durchgefroren als wir und es wird voll und voller. Die Entscheidung nicht an so einer Tour teilzunehmen ist uns nicht schwer gefallen. Das nicht garantierte Erlebnis im Freien zu erleben war uns dann doch ein wenig zu teuer und zu windig war es außerdem. Es wäre sicher keine gemütliche Fahrt geworden.

Auf der 87 die nicht durchgehend asphaltiert ist, fahren wir ein paar Kilometer (30) über sowas ähnliches wie Gravel, aber es geht ganz prima.

 

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Die Landschaft ist karg, steinig mit Schneeflecken, flach, naja die Straße hügelt sich immer geradeaus so durch die Lande.

 

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Es geht immer weiter in Richtung Myvatn, den wir gegen 15:00 Uhr erreichen. Von dort geht’s weiter auf die 1 und noch bevor wir in die Unterkunft einchecken über die 864 zu diesem Hafragilsfoss oder Dettifoss. Auf der 1 fahren wir zunächst durch Hverir/Namafjall, hier dampft die Erde, dies ist eines der Hochtemperaturgebiete Islands, die Berge sind gelb und sandig und es stinkt unsagbar nach Schwefel oder wie nach alten Eiern. Aber wir halten uns nicht auf, denn morgen haben wir einen zweiten Tag hier am Myvatn geplant.

Das Landschaftsbild ändert sich wieder in schwarz und spitzkantige Lavaflächen, und große aufgebrochene Hügel faszinieren durch ihre unterschiedlichen Formen und Bewuchs. Schneeflächen nehmen zu und haben große Pfützen, eher kleine Seen, die ganz blau aussehen, das kann jedoch nicht die Spiegelung vom Himmel sein, denn der ist nicht blau im Moment. Eigentlich sieht es so aus als wäre unter dem Schnee noch Eis, das dann diese Farbe hergibt. Es sieht wunderschön aus.

Wir fahren einer Reisebeschreibung folgend auf der 1 zunächst mal an der ausgeschilderten Abfahrt 862 zum Dettifoss vorbei bis zur 864. Wie wir dann festellen mussten, ist diese wegen winterlichem Straßenzustand gesperrt und wir fahren wieder zurück zur 862.

Es macht uns nichts aus, die Straße ist recht neu und wunderbar asphaltiert, diese Landschaft in Eis und Schnee mit teilweise geschmolzenen Eispots, die in allen Blau- und Türkistönen schillern machen uns einfach sprachlos, die Vorfreude steigt, aber ich habe die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

 

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Kurz nach 16:00 Uhr fahren wir auf den großen Parkplatz und dann ist erst einmal der eigentlich ausgeschilderte Weg abgesperrt, ein Pfeil zeigt nach rechts zu einer vollkommen eingeschneiten Picknickarea. Und eigentlich sieht man nur eine riesige verschneite, ziemlich angetaute, matschige Fläche, wo der Weg läuft kann man nicht mehr so ganz richtig erkennen, aber der Mensch ist ja ein Herdentier und wir gehen den anderen hinterher.

Der Dettifoss ist der größte Wasserfall im Nordosten Islands und der leistungsstärkste Wasserfall Europas, bedingt durch die Kombination von Fallhöhe und Volumenfluss. Das zu erleben haben wir uns lange vorgestellt und es soll das Highlight unserer Reise werden.

Da es durch das Tauwetter bedingt riesige Wasserlöcher und Schneematschlöcher gibt, dienen die Tische und Bänke als Behelfsweg, über die man drüber gehen muss. Nach hunderten von Menschen die darüber gegangen sind, sind auch diese voll Schneematsch. Dem Weg weiter folgend liegen große Holzbohlen als Befestigung, dort muss man drüber, bis man wieder auf den Schnee(matsch) treten kann..... hier werde ich vor hohe Herausforderungen gestellt.... (das habe ich mit meinem neuen Knie noch nicht geübt)

Ein paar Schritte weiter geht es bergab über verschneites Geröll und ein Schild sagt uns, dass es noch 1000m bis zum Dettifoss sind. Es ist anzunehmen, dass der Weg so weitergeht.

Ich - einen Kilometer in diesem Gelände? Niemals, das schaffe ich nicht, bis jetzt bin ich ja mehr gerutscht als gelaufen....und mein Stativ, mit dem ich mich abstützen wollte ist im Schnee neben mir versunken. Ich möchte nicht weiter und Rolf kehrt mit mir um. Ja, sehr entäuscht - aber ich bin dankbar und heilfroh als ich wieder im Auto sitze.

Wir fahren zurück zum See in die Unterkunft und erleben die nächste Entäuschung, oh weija – das hätten wir uns der Beschreibung aus dem Internet nach auch etwas anders vorgestellt. Die Cabins sind zwar fast direkt am Ufer des Myvatn ganz wundervoll aber doch sehr spartanisch eingerichtet und nicht gerade sauber.

 

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Spartanisch macht ja nix, aber schmutzig? Die Steckdosen im Bad, wenn man das so nennen kann, würden keinem deutschen Sicherheitsstandard genügen.... in diesem Badezimmer werden wir mit Sicherheit nicht duschen.

 

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Da muss das Waschbecken reichen....und im Schlafzimmerchen stehen Stockbetten, naja, immerhin für 4 bis 5 Leute. Die Stühle rund um den Esstisch sind schmutzig....und im Kühlschrank sind noch die Krümel der Vorgänger....

Der Tag ist jedoch noch lang und wir machen noch einen kleinen Ausflug zu den Pseudokratern (Skutustadagigar) direkt am Myvatn, aber auch hier sind die Wege zum großen Teil gesperrt. Sie sind mit Wasser und Inseln aus Schnee überschwemmt. Pseudokrater sind Krater, die durch eine Dampfexplosion über einem Lavastrom entstanden sind.

Übrigens, wir sind lange zurück und es ist jetzt 1:07 Uhr, der Himmel ist immer noch apricotfarben mit leichten grauen Adern, Wahnsinn es ist wirklich Mitternachtssonne und ich sitze in der komischen ungemütlichen Hütte noch ohne elektrisches Licht am PC.

 

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Draußen sind laut Wetterapp 5°C die sich wie 2°C anfühlen und wenn ich noch ein bißchen durchhalte, dann kann ich den Sonnenaufgang der für 2:44 Uhr angesagt ist, auch noch live erleben.

Nein, irgendwann gebe ich auf und gehe auch ins Bett, morgen früh um 7:00 Uhr klingelt der Reisewecker, denn wir haben doch noch einiges vor.

Heute sind wir insgesamt 318 Kilometer gefahren und waren 11,5 Stunden unterwegs, die höchste Erhebung waren 419 Meter und der max. Speed 109,3 kmh.