2016 - Island Einmal rund um die Insel

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Tag 06– 29.05.16 Sonntag

 

Nach einem angenehmen Frühstück, wieder im Wintergarten am Myvatn, bezahlen wir, packen unsere sieben Sachen und starten gegen 10:15 Uhr nach Egilstadir im Osten von Island.

Kurz hinter Reykjahlid fahren wir auf die Ringstrasse und rechts und links der Straße haben wir wieder Lavafelder mit so großen Pfützen, wie kleine Seen dort wo der Schnee schon geschmolzen ist und Berge. Beidseitig der Straße größere Hügel die anfangen grün bewachsen zu werden aber teilweise noch mit Schneeflecken bedeckt. Der Himmel ist graublau, es ist trocken und die Sonne scheint.

10:35 Uhr wir kommen gerade an dem Abzweig zum Dettifoss vorbei und dachten wir könnten nochmal in die Straße reinfahren, um die wunderschönen Eisflächen zu fotografieren, aber die Ranger sind gerade dabei die Straße voll abzusperren. Etwas später kommen wir noch an der Abzweigung zum Askja Vulkan vorbei, die wir vielleicht noch wahrgenommen hätten, da heute nur 173 Kilometer vor uns liegen, aber hier war auch gesperrt.

Nicht lange und wir kommen zu einer kleinen Brücke und danach verändert sich die Landschaft wieder merklich, eine weite grünwerdende Ebene tut sich auf und verläuft bis zu der weiter hinten stehenden Bergkette.

Nach der Paßhöhe des Berges Hofsjöll, haben wir einen schönen kleinen Rastplatz entdeckt, von dort aus kann man ganz wunderbar über das ganze Becken fotografieren, sich die Füße vertreten und natürlich bei herrlichstem Wetter ein wenig frische Luft schnappen. Der Himmel ist blau, es ist trocken und frisch aber nicht kalt.

Jetzt haben wir die Hürde in der Quere genommen aber die Berge die uns rechts und links „begleiten“ sind noch gut bis zur Straße schnee- und eisbedeckt und nehmen gar kein Ende. Wir staunen über diese Landschaft, das ist wirklich atemberaubend. Die weite Ebene wird enger und die Berge rücken näher an die Straße heran. Die auf der rechten Seite liegenden Hügel erinnern an große Kohlenhügel mit Schneeflecken. Mal kantig mal rundlich mit vielen kleinen Seen, die wahrscheinlich aus den geschmolzenen Schneeflächen entstanden sind. Manchmal sind es auch kleine Bäche die sich durch die Schnee/Eisdecke schlängeln und an den Abbruchkanten sieht man, wie dick die Schicht noch immer ist, vielleicht einen Meter? Man kann das schlecht schätzen....

Die Straße Nr. 1, die Ringstrasse ist in perfektem Zustand, vom Schnee oder Eis geräumt, asphaltiert ohne Löcher oder ausgebesserten Stellen in der Fahrbahndecke, toll – so lässt es sich prima durch die Schneelandschaft fahren. Die dunklen schneefreien Stellen der Berge nehmen wieder ab und wir freuen uns über das wechselnde Panorama.

Eigentlich sind wir ziemlich alleine hier unterwegs, Busse kommen uns entgegen und so manch Einheimischer nehmen wir mal an, überholt uns und ist dann bald außer Sicht. Bewundernd fahren wir an ein paar Fahrradfahrern vorbei die mit Sack und Pack in die gleiche Richtung wie wir unterwegs sind.

Auf 582 m Höhe rückt der Schnee wieder näher an die Straße heran. Wir sind inzwischen 1:30 h unterwegs und haben noch ca. 90 km bis Egilstadir.

 

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Wir kraxeln und kraxeln Meter für Meter immer höher und hier gibt es auch keine schneefreien Stellen mehr. Der Winter hat diesen Teil des Landes noch fest im Griff. Das Weiß der Berge, das Blau des Himmels, unterwegs auf einer guten Straße, was will man mehr? Na klar, sind wir gespannt, was uns hinter der nächsten Biegung - kann man ja nicht sagen - sondern hinter der nächsten Bergkette erwartet.

Durch einen großen Rechtsbogen gen Südosten lassen wir jetzt doch die vollständig verschneiten Berge links hinter uns liegen und fragen uns, ob das überhaupt irgendwann mal wegtaut.

Mit 566m Höhe sind wir nun fast auf der Höhe der rundlichen Bergkuppen rechts und links der Straße. Nachdem es dann wieder etwas nach unten geht, tut sich nach rechts eine weite weiße Ebene auf und links sind die Berge niedriger. Nach weiteren Kilometern liegt rechts neben uns so etwas wie ein Canyon, anhalten können wir leider nirgends und eine Parkbucht ist auch nirgends in Sicht – schade – das ist gigantisch.

Mit knapp 6% Gefälle rauschen wir etwa 50 km vor Egilstadir in ein grünes Tal. Rechts von der Straße fließt ein Fluß (Jökulsa a Bru), und kaum ist Wasser vorhanden, siedelt sich der Mensch an, schon sind ein paar Schafe zu sehen und es gibt Brückchen über den Fluß und hier und da stehen auch ein paar Häuser.

Links der Straße fällt ein Wasserfall in die Tiefe und wir finden noch Platz in einer Parkbucht. Mit allen Kameras bewaffnet, steigen wir aus und was erwartet mich um die Ecke?? Eine weitere Herausforderung, nämlich ein Schneefeld, was habe ich mir gedacht? Sollte denn auf dem Weg zum Wasserfall kein Schnee liegen, wenn der sonst hier überall liegt? Was soll's es ist herrlich warm, der Himmel ist blau, die Sonne lacht und ich bleibe hier unten, Rolf wandert mit Stativ und Kameragepäck gen Wasserfall und ich sonne mich ein wenig nachdem ich auch ein paar Fotos von weitem gemacht habe.

 

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Nicht weit von hier, fahren wir durch grünliche Weiden auf denen ein paar Schafe grasen, es könnte mit viel Phantasie eine Almenlandschaft aus dem Allgäu sein, der Fluß in seinem Canyonbett fließt weiter neben uns rechts der Straße. Linksseitig stehen ganz viele Sträucher, oder vielleicht sollen auch es mal Bäume werden. Es sieht aus, als hätte sie der Wind gebogen, so wie die Windflüchter an der Ostsee nur in klein, niedrig und gedrungen.

Wir sind jetzt auf Höhe der Straßen 927/925 und vor uns erhebt sich wieder eine total zugeschneite Bergkette. 13:45 Uhr wir haben Egilstadir erreicht sind unterhalb quer vorbeigefahren und danach wieder nördlich Richtung unserem Hotel. Vor unserer Unterkunft sind wir auf die 92/93 abgebogen um zum Seydisfjördur zu fahren. In Seydisfjördur legen die großen Kreuzfahrtschiffe an und die Fähren, wenn jemand mit einem Privatwagen nach Island kommt. Die Menschen, die so anreisen ist an diesem Meeresarm der erste Berührungpunkt mit Island.

Auf dem Weg dorthin wollen wir noch den Gugufoss besuchen. Die Straße hat jetzt eine Steigung von gut 8%. Ein schöner Parkplatz läd zu einem kurzen Foto-Stopp ein und hier haben wir die geschlossene Schneedecke erreicht. Die Straße ist komplett frei und trocken.

 

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Als wir jedoch and der nächsten Schneeberg-Kette entlangfahren, fängt unser Auto auf einmal an zu piepen. Ja, es sind nur noch 4°C und das war die Eiswarnung. Ujiii ganz schön viel kühler geworden, unten waren es gerade noch 16°C und wundervoll warm. Wenn man sich die Landschaft ansieht, dann weiß man eigentlich, was hier so auf 600 m Höhe für Temperaturen herrschen müssen. Neben uns sollte jetzt hier ein See liegen, aber man kann nur erkennen, dass er zugescheit ist.

Ein paar Kilometer weiter erreichen wir einen Wasserfall, von dem wir mal annehmen, es ist unser angepeilter Gugufoss. Hier machen wir eine ausgedehnte Fotopause, Parkplätze gibt es genug.

 

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Seydisfjördur - bald sind wir da. Allein darauf zuzufahren ist schon atemberaubend. Ein dunkelblauer See nein, es ist ja ein Fjord liegt zu unseren Füßen, davor das kleine Städchen. Eine bunte handvoll Häuschen in denen unter anderem Cafes und Geschäftchen untergebracht sind, machen diesen Ort fröhlich und charmant und geben ihm ein gewißes Flair. Sicherlich haben nicht alle Menschen das Glück bei strahlenden Himmel und Sonnenschein hier her zu kommen.

Wir schlendern um den kleinen See am Fjord und nennen diesen Ort das Matlacha des Nordens. Gerade liegt ein großes Kreuzfahrtschiff im Hafen und spuckt einen „Birder“ oder auch Hurtigrutenreisenden nach dem anderen aus, alle haben diese blauen Jacken an, die wir jetzt schon oft gesehen haben. Meine Jacke hat ein etwas anderes Blau und manche Menschen schauen etwas fragend: gehört die jetzt zu uns? - - oder doch nicht??

 

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Nach einer Weile haben wir unseren kleinen Rundgang um den See am Fjord beendet und wollen nun in unser Hotel, dafür fahren wir zurück nach Egilstadir. Egilstadir liegt am Lagarfljot, auch Lögurinn genannt. Das ist ein langgestreckter See bzw. Fluss und in dem soll der Legende nach der Lagarfljotwurm, ein Seeungeheuer hausen.

Wir haben gegen 17:00 Uhr in unserem vorgebuchten Hotel Eynvidara eingecheckt, es liegt oberhalb von Egilstadir und die Zufahrt hat uns an die Toscana erinnert, hier sind zwar zwischendurch sogar Nadelbäume aber ansonsten ist es ein staubiger, karger Weg und man weiß zuerst mal gar nicht wo man irgendwann landet, weil man durch die Pampa kurvt. So, da liegt es - klein und eingebettet in einem Wald wie er bei Hänsel und Gretel im Märchen vorkommt. Der Empfang ist freundlich, wir bekommen Pläne und Zimmerschlüssel und Internet – alles wunderbar. Endlich wieder ein Zimmer mit ganz richtigen Betten und ganz sauberem Bad mit schöner Dusche.

Nachdem wir den Plan studiert haben, fällt uns auf, dass es hier unten in Egilstadir einen "Subway" gibt und den suchen wir jetzt mal auf und stillen unseren Hunger. Mit dem Veggie und Tuna Sandwich in 12 inch Größe sind wir jeder total zufrieden und hüpfen gerade noch wegen Brot und Wasser in den angrenzenden Supermarkt. Verhungern können wir so auf keinen Fall.

Zurück im Auto beschließen wir, noch ein paar andere Fjorde aufzusuchen und fahren auf der 92 Richtung Reydarfjördur auch einem der Ostfjorde, vielleicht dann noch weiter nach Eskifjördur, einem weiteren Fjord und dann sollte es für heute genug sein. Es sind 15°C, der Himmel ist blau, es ist 18:00 Uhr und es war den ganzen Tag wunderschönes Wetter.

Die Fahrt zum Reydarfjördur gestaltet sich ähnlich, wie der Abstecher zum Seydisfjördur, wir fahren zwischen Bergketten entlang, die jetzt jedoch schon teilweise im Schatten liegen und die Aussicht daher nicht mehr ganz so spektakulär ist. Die Straße hügelt sich nach oben und fällt dann kurz vor Ankuft recht steil nach unten.

Das Fjord liegt satt und dunkelblau vor uns, eingerahmt von hohen Schneebergen. Riesengroße Lupinenfelder liegen vor uns, von der Straße weg, die Berghänge hoch und zum Fjord runter. Leider sind sie noch nicht aufgeblüht, aber man sieht deutlich, dass es Lupinen sind. An geschützen Stellen am Wegesrand sind schon ein paar aufgeblühtl.

Da es inzwischen doch schon halb Acht geworden ist und das Thermometer nur noch 5°C zeigt, verzichten wir auf die Weiterfahrt zum Eskifjördur und treten den Rückweg nach Egilstadir an.

Zurück im Hotel duschen wir erst einmal ausgibig und widmen uns dann unseren Fotos und der Berichtschreiberei. Es ist noch hell als wir gegen 1:00 Uhr schlafen gehen und bald wieder ganz hell..... Toll!!!

 

Heute waren wir 11,5 Stunden unterwegs und sind 305 Kilometer gefahren, der höchste angefahrene Punkt waren 623 m und der niedrigste Punkt war 0 m. Unsere Höchstgeschwindigkeit war 106 kmh und die Durchschnittsgeschwindigkeit 26,6 kmh.