2016 - Island Einmal rund um die Insel

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Tag 07– 30.05.16 Montag

 

Mittlerweile haben wir schon Übung, aus den Koffern zu leben und jeden morgen das kurzfristig ausgepackte Gut wieder so einzupacken, dass man abends nur greifen muß. Wenn man ein Schema hat und auch befolgt, dann ist es denkbar einfach. Die Sucherei fängt abends nur an, wenn man morgens geschludert hat.

Zum Frühstück im Hotel Eyvindara in Egilstadir gab es ein reichhaltiges Frühstücksbüffet, so wie es inzwischen fast überall üblich ist. Es war für jeden Geschmack etwas dabei und wir haben sogar etwas neues kennengelernt. Chili-Marmalade hhhhmmm köstlich pikant.

09:45 Uhr wir starten von Egilstadir nach Smyrlabjörg (Skalafell), tanken noch das Auto voll und ab geht's auf die Piste. Es ist mild, kaum ein Lüftchen, etwas bewölkt aber die Sonne schaut durch die Wolken und das Auto sagt es wäre 13°C und die Tankstelle meint es wären gar schon 16°C.

Wir treffen ziemlich gleich auf die Ringstrasse nach Süden, d.h. wir fahren an den Ostfjorden abwärts, die Googlekarte mutet uns heute 227 km zu und noch denken wir, das ist gar nicht so schrecklich viel.

Zunächst führt die Straße durch neu aufgeforsteten „Wald“ (es will mal einer werden) die Bäumchen sind jung und hellgrün, ich vermute es sind Lärchen und sie bringen gerade ihre neuen Nadeln hervor. Islandponys mal links und mal rechts, Berge die nicht mehr so ganz mit Schnee bedeckt sind sondern dunkel, vielleicht mal hier und da noch ein Schneehäubchen aber ansonsten „naturfarben“. Ganz weit hinten sehen wir noch einige von den vollständig mit Schnee bedeckten Bergen.

Gestern haben wir ja noch den supertollen Zustand der 1 gelobt, aber nach jetzt fast einer Stunde fahrt gen Süden durch den Osten wird aus der Ringstrasse eine Schotterpiste. Naja wir denken, da wir hier wieder ein wenig höher sind und der Schnee wieder mal fleckenweise fast bis an die Straße reicht, wird es sich nicht lohnen die Straße zu asphaltieren, da der Frost sie sicherlich zerstört und man damit dann mehr Arbeit als Nutzen hat. Also hoppeln wir mal ein wenig durch die Lande.....

 

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die Steine spotzen nur so unter den Reifen weg und schleudern ans Blech und an eine höhere Geschwindigkeit wie 50 kmh ist nicht zu denken.

Das Gefälle ist mit 12% auf den nächsten 2 Kilometern angegeben. An einer Weggabelung entscheiden wir, auf der 1 weiterzufahren, da die 939 eine dreistellige Straße ist und mit einem Gefälle von 17% auf einem gut sichtbaren Schild ausgewiesen ist.

Wir schauen kurz auf der Karte und sehen, dass uns die 1 erst einmal Richtung Breidalsvik führt, dann am dortigen Airport vorbei und weiter an der Küste entlang dahin wo wir hinwollen. Na prima..... und weiter geht die Hoppelfahrt.

Was uns zum Zeitpunkt dieser Entscheidung nicht klar war und ich nehme das jetzt mal vorweg: ich hatte überhaupt nicht wahrgenommen, dass die Küstenlinie hier von Fjorden eingeschnitten wird und die Ringstraße uns mehrere Male am Ufer der Fjorde entlang führt. Das bedeutet von der Küste wieder ins Landesinnere, um den Meeresarm drumherum und erst dann wieder zur Küste des Nordatlantik zurück. Das sollte uns später noch ein wenig zu denken geben, bis uns eingefallen ist, wieso wir immer noch nicht an unserem Ziel angekommen sind. Aus geplanten guten drei Stunden mit 226km waren dann 372km und eine lange lange Fahrzeit geworden. Bei unserer Planung war jedoch der kürzeste Weg mit dieser Dreier Straße, der 939 zugrundegelegt uns aber beiden erst viel später aufgefallen....

 

Jetzt aber weiter nach der vertrackten Weggabelung, zu unserer Fahrt auf der Ringstraße. Ich weiß gar nicht wieso mir dauernd Vergleiche mit USA einfallen, aber die Straße ist ähnlich dem Shafertrail, natürlich nicht rot sondern grau und auch nicht so lang und nicht so breit, aber wenn man ins Tal schaut, dann fällt mir das dazu ein. Mineral Bottom wäre auch noch ein Vergleich, aber so eng ist sie nun auch wieder nicht. Es ist sehr kurvig und abschüßig, man darf nur 60 kmh fahren, aber ich glaube selbst die möchte ich hier lieber nicht fahren. Rolf meint jedoch die fahren wir gerade, na gut ich sitz ja mit drin, dann eben doch. Das Ende der Schlucht ist noch nicht abzusehen und wir sind gespannt wie es weitergeht, vor allen Dingen ob die Straße irgendwann man wieder asphaltiert ist.

Zwanzig vor 11, wir haben die Ebene erreicht, weitläufiges Weideland, gelblich jedoch als ob sich der Schnee gerade verabschiedet hat, ein wenig langweilig – aber diesen Gedanken hätten wir nicht haben sollen.

 

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Da steht doch rechts am Straßenrand ein gelber Kombi und ein junges Pärchen mit hängenden Köpfen. Sie haben einen total zerfetzten linken Hinterreifen, den Wagenheber bereits angebracht, aber den Schraubenschlüssel untätig in der Hand....

 

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Wir halten an, und fragen ob sie Hilfe brauchen, gerne nicken sie und fragen, ob wir uns mit solchen Wagenhebern auskennen, und ob wir wissen, dass sie ihn richtig angebracht haben. Ohh meine ganze Jugendzeit steht vor mir, mit meinem ersten Auto'chen hatte ich auch mal sogar nachts einen Platten, dabei wollte ich tanzen gehen und als ich dann mit schmutzig verschmierten Armen nach Hause kam, hat mich mein Vater am kommenden Wochenende alle vier Reifen wechseln lassen. Das vergesse ich nie!!!

Hatten wir eigentlich Abenteuerurlaub gebucht? Der junge Mann hat die Abdeckung der Schrauben nicht abbekommen. Rolf hat dann unseren Kofferraum ausgeräumt, um ans unser Werkzeug heranzukommen, mal sehen was man hiervon noch gebrauchen kann.

Doch ja, einen Ersatzreifen hatten die Beiden, aber der war unter ihrem Wagen festgeschraubt. Sie waren für Rolfs Hilfe sehr dankbar, und erzählten, es wären schon ganz viele Autos vorbeigefahren..... ja – ich weiß die sind ja immer noch vorbeigefahren als wir unseren Kofferrauminhalt auch auf der Strasse stehen hatten.

Nach erfolgreichem Reifenwechsel haben wir dann noch ein paar Fotos gemacht und die email addys ausgetauscht, wir Frauen haben uns ein wenig unterhalten, während die Männer den Reifen gewechselt haben. Die beiden sind aus Kanada. Wir hoffen sie sind wohlbehalten an ihrem nächsten Ziel angekommen.

Es ist kurz nach 11 Uhr und wir haben noch gut 160 km vor uns, dachten wir zumindest zu diesem Zeitpunkt noch. Wir nähern uns so langsam Breydalsvik und hier steht eine goldige kleine Kirche mitten in der Pampa, außer der Kirche aber keine anderen Häuser, es ist ja gar kein Dorf vorhanden und von wo kommen dann eigentlich die Leute, die in diese Kirche gehen?

Wir fahren an den Ostfjorden gen Süden, mal mehr oder auch mal weniger direkt am Wasser entlang und genießen die wunderschöne ebene Landschaft Richtung Meer, weite breite Flußebenen oder Marschlandschaft liegt in wunderschönem Licht neben uns während rechts von uns graue kantige Felsen mit einen begrünten Fuß nach oben ragen.

 

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Djupivogur heißt der nächste Ort, wenn wir um das vor uns liegende Fjord drumherumgefahren sind. Djupivogur liegt zwischen den Fjorden Berufjördur und Hamarsfjördur. Im Moment könnten wir eigentlich schon übers Wasser schauen und vielleicht einen Blick erhaschen, aber es ziehen Nebelschleier über dem Wasser auf und versperren uns die Sicht. Es ist eine traumhafte Stimmung, die Sonne scheint noch recht freundlich und die Nebelschleier hängen über dem Wasser und fallen rechts von den Bergen nach unten.

 

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Auf sattgrünen Wiesen weiden viele viele Schafe und ab und zu stehen hübsche weiße Häuser mit roten Dachern auf der Bergseite, manchmal auch gelbe Häuschen mit schwarzen Dächern. Einige Wiesen, die wahrscheinlich gerade von Schnee und Eis befreit sind, sind noch beige/braun. Die Felsen auf der Wasserseite sind schroff, steil abfallend und haben eine Decke von Gras oder Moos.

Je mehr man wieder am Fjord entlang ins Landesinnere fährt, wenn man das mal so nennen will, umso enger rücken die Berge wieder an einen heran und so hügeln und schottern wir uns von einem Fjord zum anderen. Kurz von Djupivogur dürfen wir wieder Asphaltstrasse genießen und auch wasserwärts wieder die feinen Nebel, die wie ein Hauch über dem Wasser schweben.

Auf der Straße gibt es ab und zu solche „Einbreid Bru“ das sind kleine Brückchen über Wasserarme, die nur so breit sind wie ein Auto, also zwei Autos können nicht aneinander vorbeifahren. Da man sich aber gegenseitig sehen kann, gibt es kaum Konflikte, denn entweder bleibt man selbst stehen oder das Auto auf der anderen Seite bleibt stehen bis man selbst die Brücke überquert hat. Dann gibt es hier in der Gegend sogenannte „Blind Head“ das sind Straßenkuppen, die steil nach oben und genauso steil wieder nach unten gehen, nur wenn man oben ist, dann steht das Auto ja schräg und man kann nicht sehen, ob einem da jemand entgegen kommt oder wie genau es dann weitergeht.

Im weiteren Sinn bewegen wir uns im Moment auf Stokness zu und fahren auf einer Höhe von 40m über dem Meeresspiegel, die Aussicht ist gigantisch, trotz der Nebel die fast bis auf die Straße fallen. Man kommt sich vor, als würde man durch ein riesengroßes Flußdelta fahren. Die Straße ist gut asphaltiert, die Sonne scheint nicht mehr direkt wir sehen sie nur noch hinter uns und fahren bei 8°C in die Nebel hinein.

Leider gibt es keine Möglichkeit mal hier oder dort anzuhalten, um ein wenig zu fotografieren oder zu filmen, am liebsten würde man ja diese ganze Fahrt ohne Unterbrechung aufnehmen wollen, weil es so schön ist. Ab und zu mal ein Wasserfall, Wiesen -  mal richtig grün, dann wieder braun, beige, golden, dazu die schwarze Straße, ach ja die Schwäne habe ich ganz vergessen zu erwähnen die gibt es hier auch sehr häufig.

 

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Die Landschaft wechselt ab und zu die Szenerie und man kommt wieder an schwarzen, kantigen, spitzen Lavafelsen unterschiedlicher Größe vorbei. Rolf entdeckt nach einer Weile wasserseitig einen kleinen Weg über ein goldbbeige weite Fläche zu einem schönen schwarzen Strand wo sich weiße Schaumkronen aufwerfen. Hier machen wir ein wenig Rast.

Irgendwie dachten wir eigentlich schon weiter zu sein. Es ist inzwischen 14:30 Uhr und nach einchecken im Hotel Smyrlabjörg wollen wir ja noch zu unserem eisigen Freund Jökel aber bis dahin haben wir noch ein paar Kilometer zu bewältigen. Irgendwie hat das Rolf keine Ruhe gelassen und wir haben nochmal die Karte studiert. Unsere geplante Route aus dem Internet, die wir benutzt haben, hat uns wahrscheinlich den kürzesten Weg vorgeschlagen und wir haben aber vor Stunden die 939 mit den 17% Gefälle nicht genommen, sondern sind auf der 1 geblieben. Damit mußten wir um die Fjorde drumherumfahren und die 939 hätte uns durchs Land gleich an die 1 nach Djupivogur gebracht. Au weija, das hat Kilometer gefressen und Zeit gekostet. Aber wir hätten natürlich auch diese ganze wundervolle Natur versäumt.

Die Landschaft bleibt abwechslungsreich, Berge in beigebraun, Berge in schwarz, Wiesen in grün oder auch noch braun, kleine Bäumchen, die vielleicht mal Birken oder Espen werden wollen.

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und wir sind gespannt, ob uns eine Abzweigung zum Skutafoss noch irgendwie begegnet - wenn nicht, dann kommt das auf die to-do-Liste.

Direkt nach dem Tunnel durchs Vesturhorn kann man nach links abbiegen und kommt nach Stokksness, zu der südöstlichsten Landspitze Islands, dort können wir gegen Bezahlung eine ehemalige Filmkulisse eines Wikingerdorfes besichtigen.

 

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Der Eintritt dient der Instandhaltung, was jedoch in keinster Weise zu passieren scheint. Irgendwie sieht das alles sehr verfallen aus.

Anschließend fahren wir den Weg zum Leuchtturm, bis zu dem „Horchposten“ und genießen die wunderschöne schwarze Sandebene, die gerade anfängt im Abendnebel zu dampfen.

 

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Dann treten wir den Rückweg an, ohne zum Leuchtturm an dem schwarzen Strand gefahren zu sein, da wir ja durch unsere Gurkerei auf der 1 ein wenig in Zeitnot sind. Es ist sicher ähnlich wie Dyrholey. Um das Vesturhorn liegt ein Nebel/Wolkenkranz und daneben ist tatsächlich noch blauer Himmel zu sehen, wunderschön.

17:20 Uhr, jetzt treffen wir auf den Punkt, an dem unsere Route aus dem vergangenen Jahr endet, –  wir kommen in bekannte Gefielde. Gleich kommt dieses Gehöft (Skalafell 1 und 2) wo wir gewohnt haben. In diesem Jahr wohnen wir ein paar Kilometer näher am Jökkulsarlon dran und müssten gleich am Hotel Smyrlabjörg eintreffen.

Das Zimmer ist sehr schön, ziemlich groß, hell und sauber mit einer schönen Dusche in einem kleinen zweckmäßigen Bad. Das Hotel scheint gut gebucht zu sein, ein Restaurant ist auch angeschlossen, aber wir verpflegen uns heute selbst. Die Einrichtung im Zimmer ist modern und passt so gar nicht zu der Einrichtung des Restaurants. Diese Möbel könnten in einer österreichischen Kneipe stehen, oder in einem bayrischen Restaurant, bisher haben wir solche Möbel hier noch nirgends gesehen.

Der Jökkulsarlon war dann doch weiter weg, als wir dachten – es waren noch einmal um die 40 km hin und 40 km wieder ins Hotel zurück und so langsam wird es knapp mit dem Benzin.

Nix los am Jökkel....,

 

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kaum Eisberge im See, von kleinen Stückchen ganz zu schweigen. Der Auslass zum Meer unter der Brücke wird gerade geschlossen und ein LKW nach dem anderen fährt und kippt Kies oder Schotter dorthin. Daher ist auch auf der Seeseite nichts zu sehen, außer ein paar Ministückchen, die gerade haben noch ausreissen können. Möwen, Enten und ein Seehundekopf das war unsere Ausbeute, aber man darf ja nicht meckern, das Wetter ist immer noch gut, die Sonne scheint noch auf den Gletscher und es ist trocken und mild. Um 19:30 Uhr machen wir uns enttäuscht auf den Rückweg ins Hotel.

Wir essen noch unsere Brote, Rolf sortiert Bilder, bis ihm die Augen zufallen und als ich dann doch an der Tastatur vom Lappy einschlafe, mache ich auch mein Licht aus und schreibe den Bericht morgen fertig.

Insgesamt waren wir 10 Stunden und 44 Minuten für 372 km unterwegs, die höchste erreichte Höhe waren 485 m, der maximale Speed 108 kmh und der Durchschnitt lag bei 35 kmh.