2016 - Island Einmal rund um die Insel

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Tag 08– 31.05.16 Dienstag

 

Das Frühstücksbüffet in der „österreichischen“ recht großzügigen Kneipe war ganz hervorragend, so kann man prima in den neuen Tag starten.

Es ist 9:20 Uhr, es ist nebelig, es sprühregnet, der Himmel ist verhangen und wir fahren noch einmal zurück in Richtung Höfn, um zu tanken. Auch das muß man hier genau planen, denn wenn man merkt, man braucht eine Tankstelle, dann ist sie nicht gleich um die nächste Ecke.

Es lebt sich besser mit leichtem Gepäck, aber mit vollem Tank noch viel besser. Ach ja - unser Auto'chen hat sich richtig gefreut und wir waren dann doch etwas beruhigter. Anschließend fahren wir gleich nochmal zu unserem eisigen Freund Jökulsarlon am Südrand des Vatnajökull, um zu sehen, ob sich die Situation über nacht vielleicht doch gebessert hat. Der Jökulsarlon liegt zwischen dem Skaftafell-Nationalpark und Höfn, ist 248m tief und damit der tiefste See Islands. Wir bewegen uns jetzt im Süden nach Westen....

Die Wiesen sind saftig grün, ab und zu ein paar kleine Bäumchen, der Himmel grau in grau, aber die Sonne bemüht sich wirklich, ab und zu gibt es schon blaue Löcher in der Wolkendecke.

Der Gletscherzunge selbst liegt schon in der Sonne, der Jökulsarlon jedoch noch im Schatten.

 

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Auf der Meeresseite ist heute genau wie gestern kein Staat mit dem Eis zu machen. Ein paar kleine Bröckelchen, die es gerade noch geschafft haben, aus dem See herauszukommen und ins Meer zu gelangen, bevor der LKW seine Zuschüttaktion fertig hatte, präsentieren sich uns ganz stolz und morgen wird es sie wahrscheinlich nicht mehr geben.

 

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Die richtig großen Brocken im Gletschersee selbst, also nicht im Meer, können dort bis zu zwei Jahren "überleben".

Im Nachhinein gesehen, war das ja einfach gigantisch was wir im vergangenen Jahr im September an Eisbergen und Eisklümpchen hier erlebt haben von der Größe und vom Farbenspiel kann die Natur in diesem Jahr nicht mithalten. Vielleicht liegt es ja an der Jahreszeit? Darüber wissen wir zu wenig.

Am Fjällsarlon Gletschersee wollten wir mal kurz nach dem Rechten schauen, aber hier ist auch nix los. Bootstouren auf dem See werden angeboten und gleichzeitig wieder gestrichen, vielleicht wegen Eismangel? Die Auffahrt neben dem See ist abgesperrt, man kann dort nicht mehr, so wie wir im vergangenen Jahr hochfahren.

Die Wettersituation scheint im Moment in Island total aus dem Ruder gelaufen zu sein, denn durch das späte Frühjahr und den heftigen Sonnenschein der vergangenen Tage sind viele Straßen gesperrt weil sie durch die Schneeschmelze überflutet sind.

Wir fahren immer weiter und können uns nicht beschweren, es ist fast trocken. Die Landschaft ist flach, grünlich, gelblich, schwarze Berge, sehr kontrastreich und wunderschön anzusehen. Im vergangenen Jahr hat es auf dieser Fahrt ganz fürchterlich gestürmt und geregnet sodaß wir von der Landschaft gar nicht so viel wahrgenommen haben.

 

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Heute dagegen ist es „nur bedeckt“ über dem Meer ist der Himmel blau und die Sonne schickt den einen oder anderen Beam mal auf einen Berg oder auf die Wiesen, das sieht richtig mystisch aus, zumal in den Bergen immer noch Nebelschwaden hängen.

Die dreistündige Tour von Ingofshöfdi aus, zu den Puffins (Papageientauchern), haben wir gerade eben ersatzlos gestrichen. Es ist bereits knapp 13:00 Uhr und wenn wir dann noch warten müssen, bis genügend Leute zusammen sind, dann wird es für heute wieder viel zu spät. Wir vertrauen auf den Vogelfelsen in Vik. Inzwischen sind wir 3:20h unterwegs und haben 144km zurückgelegt.

Svartifoss ein Wasserfall, steht noch auf unserem Programm und der ist jetzt dran. Der Abfahrt zur 998 und weiter auf der 9897 einer gut asphaltierten Straße folgen wir bis zu dem Parkplatz am Campingplatz, hier stellen das Auto ab. Leider ist die 9897 ab hier gesperrt, sonst hätten wir uns den, hier beginnenden, sehr stark ansteigenden Fußweg zum Svartifoss zur Hälfte sparen können. Der Weg ist richtig steil, man geht zwar einen gut begehbaren schmalen Trampelpfad entlang, der zwischendurch mit allen möglichen Varianten von Treppen ausgestattet ist, aber das ist ganz schön anstrengend. Nach einer Weile hören wir schon das Rauschen und Brausen von fallendem Wasser... das kann er ja noch nicht sein, so weit sind wir ja nun auch noch nicht gelaufen, es ist ein anderer Wasserfall und er heißt Magnusarfoss, macht nichts, im Gegenteil er liegt wunderschön.

 

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Wir kraxeln weiter nach oben, und noch ein paar Schritte nach rechts durch die Büsche, und stehen an der oberen Kante an der sich Magnusar todesmutig nach unten stürzt. Eigentlich nur ein Rinnsal, macht aber einen riesen Spektakel.

 

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Nach einer kleinen Verschnauf- und Fotografierpause, landen wir ein paar Meter weiter oben dann doch wieder auf der asphaltierten Straße, die ab dem Parkplatz am Campingplatz gesperrt war. Hier beginnt der eigentliche Weg zum Svartifoss. Der Svartifoss stürzt über eine Felskante, die von Basaltsäulen eingerahmt wird. Eine Infotafel und ein paar Holzpfeile informieren uns, dass es von hier immer noch 0,8 km bis dorthin sind.

 

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Hier wird aber kräftig gewerkelt, um den Weg zu befestigen so das wir beschließen, dass der Magnusarfoss für uns doch wohl der einfacher zu erreichende Foss war, der uns gut gefallen hat und kehren so langsam um. Der Svartifoss kommt auf jeden Fall auf unsere "to-do" Liste.

 

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Nach unten gehen wir dann aber bequem auf der asphaltierten Straße und stellen am Parkplatz fest, dass dieser Fleck gut besucht ist.

Unsere Fahrt geht weiter Richtung Vik immer auf der 1, der Ringstraße entlang. Wir fahren an Nupstadur vorbei, an Dwerghamrar und am Foss a Sidu, hier gibt es überall keinen Schnee mehr, auch keine Schneeflecken. Je näher wir nach Kirkjubaeklaustur kommen, umso grüner und saftiger sieht die Landschaft aus. An der 203, machen wir eine kurze Fotosession am Stornjafoss, diesmal am Nachmittag und nicht, wie im vergangenen Jahr vormittags, im Schatten. Heute haben wir mehr Licht ...... aber zufrieden sind wir nie, deshalb blenden wir das Licht heute mal ein bißchen aus.

 

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Um die Ecke in Kirkjubaeklaustur kehren wir im Systrakaffi ein und stärken uns ein wenig. Wie schön, in diesem Jahr können wir trockenen Fußes über den Parkplatz hineingehen.

Anschließend fahren wir durch die beige/braun/begrünten Lavafelder mit all ihren „trolligen Gesichtern“ und um 17:30 Uhr - sind wir seit unserer Ankunft 2000 km gefahren.

Am Fjardargjulfur wollen wir nicht einfach vorbeifahren und nehmen die 206 bis zum Parkplatz, diese Straße ist nach dem Gatter noch schlechter geworden und voller richtig tiefer Schlaglöcher und Pfützen. Unser kleiner Hyu ächzt vor Schmerzen.

Heute wandern wir nicht den Weg nach oben, sondern schauen uns den Canyon ebenerdig an. Die Sonne blinzelt noch ein bißchen, aber versteckt sich dann doch wieder hinter den Wolken. Die Farben sind nicht so intensiv wie im September, aber wir sind trotzdem wieder sehr beeindruckt von dieser etwa 2 km langen Schlucht mit ihren bis zu 100m hohen Wänden durch die der/die Fjardar fließt.

 

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Ein paar Kilometer weiter kommen wir dann an der Laufskalavarda vorbei und wir nehmen uns dieses Mal die Zeit ein wenig durch die vielen kleinen und größeren Kunstwerke von Steinwarten zu spazieren und sie uns etwas genauer anzusehen. Man kommt sich vor, wie auf einem anderen Stern, eine Warte ist interessanter als die Andere. Nach altem Brauch haben früher Reisende, die das erste Mal hier vorbeikamen und weiter in die große Sanderebene Myrdalssandur wollten, diese Warten hier errichtet. Mit ein wenig Phantasie erkennt man hier wieder jede Menge kleiner Figuren. Ja wir sind wirklich ein bißchen Troll!

 

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In der Gegend vor Hjörleifshöfdi fahren wir durch Lupinenfelder soweit das Auge reicht, wenn die alle mal aufgeblüht sind muss das ein riesengroßes blaues Blütenmehr sein. Es ist ein wenig schade, dass wir dafür einfach ein wenig zu früh im Jahr hier sind und es nicht erleben können. Die Wiesen sind hier sattgrün und die Schafe wagen sich ganz schön weit nach oben, vielleicht schmeckt das Gras ja dort noch besser?

 

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Jetzt wollen wir aber unser Endziel für heute erreichen und fahren ohne weiteren Aufenthalt nach Vik in unser vorgebuchtes Gästehaus. Vorher kaufen wir noch ein paar Getränke ein.

Im Gästehaus Carina hängt ein freundlicher Zettel an der Tür: Bin gleich zurück, bitte treten Sie ein. Also gehen wir einfach mal hinein und ziehen, wie es sich gehört, im Windfang unsere Schuhe aus. Ein großes Schuhregal bietet noch genügend Platz zur Ablage. Sogar ein Schuhlöffel liegt griffbereit da.

Bald kommt auch unsere Gastgeberin, sie war noch einkaufen und ist bepackt mit Eßwaren, als gäbe es morgen nichts mehr. Sie zeigt uns unser Zimmer im ersten Stock, die Toi und Dusche ist gegenüber auf dem Gang, aber das wußten wir – mehrere Zimmer teilen sich zwei Toiletten und ein Bad. Unser Zimmer ist modern und nett eingerichtet, wir haben sogar ein drittes Bett, genügend Ablageflächen, Schrankraum, Bügel und einen Kaffeekocher mit Tassen. Sie macht uns noch die Heizung an, denn draußen geht im Moment die Welt unter……

Da wir ja heute nachmittag in Kirkjubaeklaustur Pizza Margerita und einen Hamburger hatten, gibt’s heute abend nur noch kalte Küche aus unseren Vorräten.

Für die heutigen 323 km waren wir 10,5 Stunden unterwegs.