2016 - Island Einmal rund um die Insel

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Tag 11– 03.06.16 Freitag

 

Nach dem Genuß des wieder mal sehr vielseitig bestückten Frühstückbüffets packen wir die restlichen Sachen zusammen und checken aus. Schade unsere Reise geht dem Ende entgegen, aber vorher erwartet uns noch der Kerid Krater und die Allmännerschlucht, sowie Reijkjavik mit seinen schönen bunten Häusern.

Viertel nach 10 und wir sind „on the road“ der Himmel ist blau und es sind 18 Grad, nicht zu fassen, hier wird es jetzt wirklich Sommer. Herrlich!

Wir fahren auf der 35 bis zum Kerid-Krater, von dem man einst dachte es wäre ein Explosionskrater, der bei einem kurzen heftigen Ausbruch entstanden ist. Heute wird die Meinung vertreten, dass er ursprünglich ein riesiger Schlackekrater war und mindestens die halbe Lavamenge von Tjarnaholahraun von Kerid stammt.

 

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Die jetzige Form entstand wahrscheinlich gegen Ende des Ausbruchs, als ein Lavareservoir unter dem Krater abfließen konnte und dies die Lavadecke zum Einbruch brachte. Für den Trampelpfad, der recht bequem um den Krater führt, zahlen wir jeder 400 ISK und genießen die Farben des Grundwassersees und des rötlichen Gesteins des Kraters. Die Luft ist mild, die Sonne lacht und wir nehmen die wunderschöne Landschaft ein paar Stunden vor unserem Abflug nochmal ganz intensiv in uns auf.

Der Nationalpark Pingvellir präsentiert sich uns heute in seinem Frühlingskleid, gar nicht so bunt, wie wir es aus dem Oktober 2015 kennen. Alles ist hellgrün, Blüten können wir keine entdecken, aber die Fahrt durch diese Gegend mit Lava, Felsen und Wiesen ist trotzdem sehr beeindruckend. Die Büsche, die uns im Oktober so verzaubert haben, sind noch nicht belaubt, alles rundherum ist erst am erwachen.

Wir fahren weiter bis zur 36, vorbei am Öxarafoss, dann kurz noch weiter bis zur Almännerschlucht. Hier, am größten Binnensee Islands (Pingvallavatn), etwa 40 km nordöstlich von Reykjavik liegt die alte Parlamentsstätte Pingvellir/Thingvellir die bis 1843 genutzt wurde. Geschichtsliebhaber finden im Internet noch unzählige Informationen, die ich hier nicht aufnehmen möchte.

 

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Die Allmännerschlucht bildet im weiteren Sinne die Grenze zwischen Europa und Amerika. Die Grenze zwischen der Eurasischen und der Amerikanischen Krustenplatte verläuft hier durch dieses Tal. Die Bewegung der Krustenplatten hat unzählige Risse hervorgerufen, durch die im Laufe der Jahrtausende ein Grabenbruch entstanden ist. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 1-2 cm pro Jahr bewegen sich die Platten auch heute noch auseinander.

 

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Die unermesslichen Kräfte der Natur kann man nur erahnen und wenn man hier ein wenig mehr Muße hätte, sich auf diese großartige Natur einzulassen, würde man gerne viel länger hier verweilen. Ich mutmaße mal, dass an so einem schönen Tag wie heute möglicherweise mehr Touristen hierher kommen, als Island Einwohner hat.

 

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14:00 Uhr, 22°C, die Sonne lacht und wir setzen unser Fahrt auf der 36 fort, bis wir die Ringstraße (1) kurz vor Mosfellsbaer erreichen und genau hier um 14:30 Uhr eintreffend, haben wir unsere Inselrunde beendet, denn hier hat sie am 25.5.16 Richtung Snaefellsness begonnen.

Nicht lang, und wir sind in Höfdar/Reykjavik auf der 49 und nach ein paar kleinen Schlenkern auf der Rückseite der Hallgrimmskirkja, hier parken wir und gehen zu Fuß weiter. Wir freuen uns über den wundervollen Sonnenschein, denn wir kennen Reykjavik aus 2015 nur in strömendem Regen mit klitzekleinen Regenpausen und Sturm. Jetzt ist es so herrlich, bei immer noch 20°C.

Die Hallgrímskirkja ist eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche, das zweithöchste Gebäude Islands sowie das größte Kirchengebäude des Landes.

 

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Zuerst möchten wir die Kirche von innen sehen, im letzten Jahr war die Tür geschlossen, aber dieses Mal haben wir Glück. Es ist eine konventionelle, fünfschiffige Basilika mit zahlreichen gotischen Merkmalen, einem Kreuzrippengewölbe und Spitzbogenfenstern. Das breite Hauptschiff läßt die äußeren Seitenschiffe weitgehend zurücktreten. Durch überwiegenden Verzicht auf Buntglasfenster wird ein sehr heller Innenraum erzielt und hinter dem Hauptaltar kann man durch zusätzliche Fenster, Himmel und Wolken sehen. Sehr ungewöhnlich und wunderschön.

 

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Die große Konzertorgel, erbaut von Johannes Klais Orgelbau in Bonn, wurde 1992 im Dezember eingeweiht und wer noch mehr darüber wissen möchte wird im Internet fündig.

Durch die Fußgängerzone zu spazieren macht richtig Laune wenn man mit aller Ruhe und Sonnenschein, ohne zu frieren oder die Kamera vor Nässe schützen zu müssen, die Geschäfte, Cafes und Kneipen in sich aufnehmen kann.

 

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Kurz vor der Harpa (Kultur- und Kongresszentrum), die/das wir uns diesesmal auch von innen ansehen wollen, stolpere ich ziemlich heftig auf losen Platten so vor mich hin, aber kann mich gerade noch fangen. Nur nicht übermütig werden, aber ich war so begeistert von der gläsernen Fassade, dass ich nicht auf meinen Weg geachtet habe.

 

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Wir fotografieren und staunen und schauen und dann stellt Rolf fest, dass er seinen einen Wanderschuh gefetzt hat, weil er nämlich kurz nach mir auch gestolpet ist. Mit diesem Schuh kann man gar nicht mehr laufen, die Sohle hängt an einem oder zwei Fädchen.... Großzügig hatte er heute morgen seine alten Turnschuhe weggeworfen.....Die Harpa von innen, das muss jedoch noch sein, wow – das ist wirklich einmalig.

 

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Der Name Harpa bedeutet einerseits Harfe und ist andererseits auch der Name des ersten Sommermonats. In diesem Namen schwingt für die Isländer ein positives, hoffnungsvolles Gefühl mit, denn der erste Sommermonat verspricht endlich den Abschied von einem langen, harten Winter, und wird immer mit großer Sehnsucht erwartet, denn ab jetzt kann es nur noch besser werden.

Die einzelnen Konzertsäle die wir jedoch nicht betreten haben, haben Namen aus der Natur. Eldborg, der große Saal ist in tiefroter Farbe angelegt und soll so an einen Lavakern erinnern. Der kleinere Saal heißt Nordurljos (Nordlicht) und besitzt eine Lichtanlage, mit der sich unterschiedliche Farbeffekte erzielen lassen. Der Konferenzsaal Silfurberg (Silberfelsen) ist von den Kalzit-Kristallen inspiriert, die in Island gefunden werden können.

Es gibt zwei Restaurants und mehrere Geschäfte wo man Lifestyleartikel, Bücher und Musik, Geschenke, Schnittblumen und Wohnaccessoires kaufen kann

Eigentlich wollen wir noch zu der Skulptur des Wikingerschiffs, aber mit diesem Schuh ist das nicht mehr zu machen. Den Weg zum Auto nehmen wir über ein paar andere Sträßchen wahr und lassen Perlan (Wasserspeicher) erst mal aus. Dank Internet finden wir dann auch bald das Einkaufszentrum Kringlan und dort bekommt Rolf ein paar neue Schuhe. Wirklich kurz vor Toresschluß, denn als wir uns zum Essen beim indischen Schnellimbiss gemütlich niederlassen, machen die Geschäfte rundherum zu, dabei ist es jetzt erst 19:00 Uhr.

 

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Das Essen schmeckt vorzüglich, das haben wir gut gemacht und mit den neuen Schuhen fahren wir jetzt doch noch zu Perlan. „Die Perle“ ist ein Warmwasserspeicher in Reykjavík. Von hier aus wird die Stadt mit Warmwasser versorgt und auch im Winter die beheizten Gehwege und Straßen.

 

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Sechs Aluminiumtanks wurden mit einer Glaskuppel überdacht. Lampen erzeugen die Illusion eines Sternenhimmels und Spiegel reflektieren den Himmel. Im Gebäude wurde ein künstlicher Geysir errichtet, der alle paar Minuten ausbricht.

Auf dem Dach der Tanks gibt es eine Aussichtsplattform, von der man einen wundervollen Blick über Reykjavík und weit in das Land hinein hat.

 

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Im obersten Stockwerk befindet sich ein Drehrestaurant, dort kann man beim Essen den Rundblick genießen.

 

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Nun geht unsere Reise wirklich dem Ende zu, denn es ist jetzt gleich 20:30 Uhr und wir machen uns auf zum Flughafen. Unser Flug geht zwar erst um 1:00 Uhr nachts, aber bis wir das Auto abgegeben haben und die Koffer aufgegeben, dann noch durch die Sicherheitskontrolle sind, braucht es doch ein wenig, wenn man mich dabei hat.

Ich werde immer, egal wo von nach wo, von oben bis unten kontrolliert. Ich trage keinen Gürtel, keinen Schmuck, habe keine Flüssigkeiten dabei, gar keine auch nicht weniger wie 50 ml, keine Nagelfeile, kein Messer, keine Schere und ich muß generell meine Schuhe ausziehen, egal welche ich trage. Vielleicht verstrubbele ich auch mit meinen weißen Haaren den Zufallsgenerator......

Aber jetzt fahren wir erst einmal auf der 40 raus aus Reykjavik und dann auf der 41 am Nordatlantik entlang gen Keflavik Airport. Die Sonne steht immer noch weit oben,  wir geben das Auto ab und gehen zum Checkin, der dieses Mal sehr viel früher öffnet, als außerhalb der Saison im Oktober 2015. Schnell sind wir unsere Koffer los und gehen durch die Sicherheitskontrolle zu unserem Gate. Die Sonne entschwindet langsam so bis 23:20 Uhr aus unserem Blickfeld und gaukelt uns einen Sonnenuntergang vor. Danach ist es immer noch hell, so wie wir es aus den vergangenen Nächten kennen.

Wir haben einen schönen Platz mit Sicht nach draußen und auf die ankommenden Personen. Genau hier sind wir auch vorbeigekommen, an den Wartenden als wir vor 10 Tagen um 0:10 Uhr in der Nacht hier angekommen sind.

Die Gesichter der Menschen, die diese Helligkeit bei Nacht noch nie gesehen haben, sprechen Bände.... es ist ein ungläubiges Erstaunen, ein Zweifel an den eigenen Sinnen, dann Freude und der Griff zum Handy um ein Erinnerungsfoto zu machen. Strahlend mit einem ganz stillen Lächeln gehen sie weiter, obwohl jetzt Nebelschwaden aufgezogen sind, die dem Ganzen noch einen ganz besonderen Flair verleihen.

Unser Bording beginnt jedoch erst zur geplanten Abflugzeit und dann stehen wir noch eine ganze Weile auf dem Rollfeld. Wir haben ja keine Eile, wir sind nur müde da wir heute morgen schon um 7:00 Uhr aufgestanden sind. Um 01:50 Uhr sind wir in der Luft, über den Wolken, es ist hell und unter uns schauen die schwarzen Bergspitzen aus dem weißen Wolkenmeer. Bis ich jedoch die Kamera aus der Handtasche rausgekramt hatte, gibt’s schon wieder klare Sicht nach unten, auf das letzte Stückchen, was wir von Island sehen können, bevor wir übers Meer nach Hause fliegen.

Von Gullfoss bis zum Flughafen waren wir 11 Stunden und 212 km unterwegs. Nachdem wir dann in Berlin planmäßig umgestiegen sind und in 50 Minuten zu unserem Zielflughafen geflogen wurden, waren wir gegen 11:00 Uhr vormittags zu Hause. Der Garten war in unserer Abwesenheit förmlich explodiert und eine Blüten- und Unkrautpracht strahlte uns an.