2017 - Die Azoren

 

Tag 2 – Donnerstag 16.03.17
Lagoa do Fogo, Furnas, Caldeiras, Terra Nostra

 

Heute machen wir einen Tagesausflug in den Nordosten, aber vorher geht's zum Frühstück. Dafür geht man kurz durch den Außenbereich und dabei merken wir, dass es doch viel stärker regnet, als wir das vom Zimmer aus wahrgenommen haben. Hatte der Wetterbericht das so vorgesehen?

Das Buffet ist sehr reichhaltig und bietet viele regionale Dinge, auch solche die wir gar nicht kennen. Es gibt unter anderem Guavenpaste oder Potato-Jam die aus Süßkartoffeln gemacht wird. Verschiedene regionale Käsesorten in mundgerechten Stücken sind sehr verlockend, unterschiedliche Brotsorten, Kuchen, Muffins etc. sowie ganz viel frische Früchte insbesondere Ananas lassen wir uns munden, aber die kennen wir natürlich. Eigentlich hatten wir  sie uns süßer vorgestellt, denn sie wird hier angebaut und reif geerntet.

Gegen 11:00 Uhr kommen wir los und starten zu unserer ersten Station: Lagoa do Fogo, der Feuersee - er soll der schönste aller Kraterseen der Azoren sein. In einem naturbelassenen Krater auf ca. 600m Höhe liegt er seit 1563 und ist damit noch sehr jung. Der Reiseführer schreibt: hier hängen oft Wolken und Nebel..... davon konnten wir uns heute selbst überzeugen, da bleibt einem natürlich die wahre Schönheit verborgen. Der Wind bläst und pustet so kalt und so heftig wie in Island und mit diesen Gedankensplittern und dicken Tropfen von oben warten wir auf Löcher im Nebel um einen Blick auf den See zu erhaschen.

Die Straße führt uns durch verschiedene Landschaften, die wir weiter nur durch Regen und Nebel wahrnehmen können. Leider, das tut jedoch der Farbenpracht von ganz unterschiedlichen Grüntönen der Wiesen und Felder sowie der Bäume und Sträucher keinen Abbruch. Die pinkfarbenen Azaleen genießen dieses Regenwasser und geben reizvolle Farbakzente.

Wir passieren namenlose Dörfchen und auch etwas größere, wie Porto Formosa und Sao Bras an der nördlichen Küste. Von hier aus fahren wir durch die Teeplantagen, übrigens hier wird der einzige Tee in Europa angebaut. Bei Cha Gorreana kann man die Hallen mit den entsprechenden Maschinen zur Verarbeitung des Tees ansehen, einen Film darüber anschauen und auch ein Tässchen Tee trinken. Diese Pause genießen wir bevor wir uns wieder ins Auto setzen und uns südöstlich Richtung Furnas halten. Auf dem Weg dorthin statten wir mal kurz am Wegesrand dem Pico do Ferro einen Besuch ab, aber hier öffnen sich alle Schleusen und erlauben uns nicht, länger als zwei Minuten aus dem Auto auszusteigen.

Furnas ist nicht mehr weit und die Landschaft abwechslungsreich. Je weiter man wieder nach unten kommt, umso besser wird das Wetter.... naja es regnet nicht mehr aber trübe ist es trotzdem. Sich in Furnas zurecht zu finden ist trotz Navi nicht so einfach, denn es gibt sehr viele Einbahnstraßen. Zuerst fahren wir zu den Caldeiras, hier gibt es insgesamt 22 Quellen aus denen es dampft und sprudelt, spuckt und kocht. Alle Quellen haben einen Namen und der Schlamm soll gegen bestimmte Krankheiten eine Abhilfe bieten. Hier konnten wir sogar ein paar Minuten länger den Schwefeldampf genießen, denn der Regen hatte aufgehört.... und die Azaleen wachsen wirklich überall. Leider konnten wir die Töpfe oder auch Säcke der Händler, die in den heißen Löchern Mais oder auch Mittagsgerichte für ein Restaurant durch natürliche Energie garen lassen, nicht entdecken.

Der Regen setzt jedoch wieder ein und wir essen erstmal unser Obst und fahren dann zu dem Park Terra Nostra. Das gestaltete sich etwas schwierig, denn der Eingang ist relativ ungünstig zu erreichen, aber nach einer halben Stunde in und durch Furnas herum haben wir es geschafft. Mit acht Euro p.P. waren wir dabei und haben gleich am Eingang einen Riesenbaum bewundern können, der nicht auf ein Foto draufging. Wahnsinn, sowas vermutet man ja hier gar nicht.

Wir bekommen zwar einen detaillierten Plan des „unsere Erde Parks", richten uns aber weitgehend danach, was uns so rechts und links des Hauptweges lockt auf kleineren Pfaden in die Tiefen einzudringen.

Unter anderem gibt es hier die größte Sammlung von Kamelien in der Welt. Über 600 Sorten, riesengroßer Pflanzen kann man hier bewundern und ich wäre schon froh, wenn zu Hause mein Blumenkind dieses Jahr endlich mal blühen würde. Es ist eine Pracht an Knospen die kurz vor dem aufspringen sind, offene Blüten aber auch bereits am Boden liegende und teilweise leider auch schon verblühte Blüten schmücken dennoch den Rasen.

Europas größte Sammlung von Sagopalmfarnen ist hier ebenfalls zu bewundern. Spezialisten aus Portugal und England rekonstruierten den Garten 1872. Höhlen und Alleen aus Buchsbaum wurden errichtet und Bäume aus Australien, Neuseeland, China und Südafrika importiert. Bereits in den 1930er Jahren hatte der Park eine Ausdehnung von 12,5 ha und gliederte sich in Wald und Gärten.

In einem Wasserbecken mit Thermalwasser von 38°C ist das Baden erlaubt. Die natürliche braune Farbe scheint aber gut an der Haut zu haften und eine anschließende Dusche ist empfohlen. Es gibt Umkleiden und Toilettenräume ganz wie in einem Freibad.

Alles in allem wird der Park als einer der schönsten der Welt bezeichnet.

Sonne und Wolken wechseln in kurzen Abständen und es ist recht frisch. Wir gehen etliche Wege entlang, aber nachdem das Wetter uns leider doch einen Strich durch die Rechnung macht, um weitere Streifzüge im Park zu unternehmen, treten wir nach gut zwei Stunden mit reicher Beute auf den Speicherkarten den Rückzug an. Über Vila Franca , Agua de Pau und Lagoa sind wir bald wieder im Hotel. Rechts und links der Straße erfreuen wir uns an wunderschönen Aussichten, die uns immer wieder ein ahh und ohh entlocken. Leider immer wieder mal dort, wo keine Haltemöglichkeit vorhanden ist.

Ist schon komisch, das Wetter kann von einem Moment auf den anderen sein liebliches oder auch ruppiges Gesicht zeigen. Es kommt ein leichter Wind auf, bringt so ein paar Nieselspritzer, die sich dann mit der nächsten Windboe wie aus Eimern über einem ergießen. Wer schon mal den indischen Monsun erlebt hat, weiß was wir erlebt haben und wer schon auf Island war, weiß wie stark der Wind pustet. Hier gibt es alles, sobald die Sonne draußen ist, dampfen die Straßen und der Nebel verzieht sich, aber wehe sie versteckt sich hinter den Wolken, dann ist es empfindlich kühl und wenn man dann noch durchnässt is wie wir, dann friert man, aber unser Autochen hat ja eine Heizung!

Im Hotel in Ponta Delgada hängen wir erst einmal unsere nassen Sachen auf. Hätten wir nur unser komplettes Island-Outfit mitgenommen...... egal dies ist als Abenteuerurlaub geplant und da gehören Wetterkapriolen auch dazu. Irgendwie sieht das ja auch sehr mystisch aus wenn die Nebeschwaden ziehen und die unterschiedlichsten Farbtöne von Licht auf Seen, Meer und Bergen, Wäldern, Pflanzen und Himmel heraustreten. Sogar die Strahlen der Sonne sehen manchmal silbern oder auch wieder golden aus.

Dem Tipp von lieben Bekannten folgend, auf deren Spuren wir uns ein wenig bewegen, haben wir heute abend gleich hier um die Ecke vom Hotel sehr gut gegessen und haben uns anschließend mal dem runterladen der Fotos und schreiben der Tagesereignisse gewidmet.

Insgesamt waren wir heute 7,5 Stunden unterwegs und sind 120 Kilometer gefahren. Die höchste Erhebung war heute 905 m und der tiefste Punkt war 8 m. Zu Fuß waren wir 6 km unterwegs.

 

16-03-17 b