2017 - Die Azoren

 

Tag 4 – Samstag 18.03.17
Flug nach Sao Jorge und der Südosten

 

Ohhh, heute wird es aufregend, wir fliegen auf die zweite Insel unserer Reise, nach Sao Jorge. Sao Jorge ist zwar nur ca. 8 km breit, aber 56 km lang. Ihre Form gleicht einer langen Nadel, ganz anders als die Form der übrigen Azoreninseln.

Der Wecker jagt uns unbarmherzig zu fast noch nachtschlafender Zeit um 5:30 Uhr aus dem Bett, denn unser Flug geht um 8:45 Uhr und wir sollen 1,5 Stunden vorher am Flughafen sein. Wir zwei Sicherheitsfanatiker kalkulieren immer noch einen Puffer ein und verlassen dann um 6:15 Uhr das Hotel. Der Weg zum Flughafen ist nicht weit und nach 8 Minuten sind wir schon am Car-Rental-Return. Die Kaution lassen wir uns noch nicht wieder gutschreiben, sondern fragen ob wir für die anderen Inseln durchbuchen können. Klappt – kein Problem. So das Auto sind wir los, jetzt müssen wir noch den Koffer loswerden.

Der Schalter ist schon geöffnet und wir können einchecken. Reservierte Sitzplätze gibt es diesmal nicht, jeder sucht sich einen Platz aus. Das Flugzeug wird hier so benutzt wie woanders ein Taxi und jeder sitzt dort wo er es will, oder wo noch ein Platz frei ist. Wir boarden um 8:30 Uhr und unser ausgeguckter Platz in Reihe 10 (am Flügel) ist noch frei. Wir fliegen mit einer Propellermaschine Bombadier Q400 Nextgen mit 80 Plätzen.

Der Flug war super und dauerte 2x 20 Minuten, da wir auf Terceira eine Zwischenlandung hatten. Wir hatten uns vorher erkundigt, ob wir das Flugzeug verlassen müssen und es hieß: it depends on the captain. Aber der Kapitän war freundlich und ersparte uns 24 weiterfliegen wollenden Gästen das aus- und wiedereinsteigen. Es kamen noch ein paar Fluggäste dazu und dann ging es weiter. Ehe man sich versieht, ist man schon da....

Es gibt ein einziges Kofferband in einer Minihalle und freundliche Mitarbeiter von allen möglichen Autovermietungen stehen mit großen Schildern da. Kurz danach nehmen wir unseren nächsten Micra diesmal in weiß in Betrieb und befinden uns um 10:51 Uhr bereits auf der Straße in den Südosten, da unser Hotelzimmer mit großer Wahrscheinlichkeit um diese Uhrzeit sowieso noch nicht fertig ist.

Man kann nicht gerade sagen, dass die Sonne lacht, aber zumindest ist es mild und gar nicht windig. Der Blick auf die wunderschöne grüne, mit blühenden gelben Blumen durchsetzte Landschaft verzaubert uns vom ersten Moment an und wir fühlen uns sofort wohl und meinen fast wir wären in einem riesengroßen botanischen Garten. Berge und Meer, so ist es traumhaft!

Wir wenden uns nach rechts und fahren an der langgestreckten Südseite immer der Hauptstrasse entlang, an Urzelina vorbei, dann Biscoitos bis nach Calheta. Hier fahren wir auf vielen Serpentinen aber wunderbaren Straßen bis runter ans Meer, schauen hier und schauen dort, genießen die salzige Luft und kaufen uns ein wenig Obst in einem ansprechenden kleinen Obstgeschäft. Hier bekommen wir auch Auskunft wo wir das Cafe Nunez finden – es ist in Faja dos Vimes – ja sieht geschrieben gar nicht schwer aus, aber wir haben 3x gefragt wie der Ort heißt und haben ihn uns dann doch auf einen Zettel schreiben lassen um ihn auf der Karte zu finden. Portugiesisch ist nicht einfach, aber es wird nicht überall englisch, geschweige denn deutsch, gesprochen. Nicht schlimm... es geht auch ganz gut mit Mimik und Zeichen.

Von hier aus Richtung der Hauptstrasse wenden wir uns nach rechts und fahren über Ribeira Seca immer recht nah an der Küste entlang, mal hoch durch wundervolle Wälder und wieder runter an Wiesen und Weiden und Steilklippen entlang bis nach Vaja dos Vimes. Hier finden wir relativ schnell das hochgelobte Cafe. Aber es ist ja noch ganz anders wie wir dachten. Zunächst sieht es aus wie ein Bauernhof, die Inhaberin schaut oben aus dem Fenster und fragt ob wir Kaffee trinken möchten. Ja möchten wir..... er schmeckt köstlich, aber wieso das so ist sollten wir gleich erfahren. Dieser Kaffee wächst hier hinter dem Haus und wir dürfen die Pflanzen ansehen. Die Tochter kommt und erklärt uns dann auch englisch, dass hier alles noch „Handarbeit" ist. Die roten Früchte werden einzeln per Hand geerntet, denn sie reifen zu unterschiedlichen Zeiten, abgesehen davon, dass sie keine Maschinen haben würde man sonst die weitere Ernte zerstören. Dann werden diese roten Beeren auf dafür angelegte flache Betonbecken zum trocknen ausgelegt, erst wenn die Farbe ganz dunkel ist, kann man beginnen die Schale der Früchte mit einem Stein abzureiben, darunter verbirgt sich dann die Kaffeebohne, ganz hell fast durchsichtig grau/weiß. Diese Arbeit sowie die feine Verlesung der Bohnen hat die 97 Jahre alte Oma noch inne und die Röstung wird dann schon von der nächsten Generation (Mama und Papa) vorgenommen.... wie lange man röstet? Das sieht man.... und es kommt auf die Früchte drauf an.... nicht immer gleich lang, man sieht es eben.... und der Kaffee würde trotz verschiedener „Jahrgänge" immer gleich schmecken. Er hat für unseren Geschmack überhaupt keine Säure, schmeckt intensiv nach Kaffee, ist weich im Mund und rinnt wie Samt die Kehle entlang – ja – ich spreche von Kaffee, zum Rotwein kommen wir noch. Die Mama webt auch noch ganz wundervolle Wandbehänge mit traditionellen Mustern auf einem Webstuhl der mit Händen und Füßen betrieben wird. Dieses Handwerk und die Muster werden ebenfalls von Generation zu Generation vererbt.
Ach ja und ein Espresso hat 1 Euro gekostet..... und darüber könnt ihr Euch jetzt mal Gedanken machen.

Wir fahren jetzt aber auf dieser kleineren Straße nicht ganz zurück bis nach Calheta sondern fahren auf einer ebenfalls kleineren steilen Straße wieder hoch auf die Hauptstrasse. Es ist eine wirklich tolle Straße, die sogar einige Parklücken bietet um auf die Steilklippen zu schauen. Sao Jorge liegt mit mehr als der Hälfte oberhalb von 300 m. Die Waldgebiete stehen teilweise unter Naturschutz. Man fühlt sich als würde man durch einen riesengroßen botanischen Garten fahren, der an jeder Kurve wieder neue Überraschungen bietet. Wir sind begeistert.

Eine Käsefabrik liegt auch noch direkt auf dem Weg und wir decken uns mit dem regionalen Käse ein. Brot haben wir noch.... fehlt nur noch der Rotwein.... treffen dort auf ein sehr nettes Paar aus Lissabon, die dort eine Führung gemacht haben und jetzt auch noch Käse kaufen. Vorher darf man natürlich alles probieren.

Aber zunächst führt uns unsere Fahrt weiter Richtung Topo, das ist der südöstlichste Ort direkt am Meer mit steilen dunkelschwarzen Klippen, auf die die Wellen aufschlagen und rechts und links tatsächlich Gesteinsformen aus roter Lava. Wunderschöne Natur und keine Touristen außer uns.

Irgendwie meldet sich jetzt mal der Hunger und wir kehren in ein kleines Lokal sehr ansprechendes Lokal ein, ach und wer sitzt dort schon? Das Paar aus Lissabon, das auch englisch spricht. Diese Hilfe benötigen wir hier wirklich, dann die Einheimischen hier können kein Englisch. Wir bestellen jeder ein unterschiedliches Gericht mit Hähnchen, aber die Auswahl bietet auch Rind und Schwein und Pizza und Hamburger... dann bestellen wir noch ein vermeintlich kleines Glas Hauswein und Wasser, was sich dann als kleine Karaffe herausstellt – es sind 500 ml Wein!!!! weniger kann man hier wohl nicht bestellen, und das hat dann zum Schluß 1 Euro gekostet..... wir dachten es ist ein Fehler.... aber es stimmte tatsächlich. Wir haben uns für heute abend und morgen noch eine Flasche abfüllen lassen. Als wir die Rechnung bekamen, war diese Flasche mit 2 Euro drauf, denn es war ein Liter und vergessen wurde das Wasser und unser Nachtisch, dieser arme Mensch, wie will er denn was verdienen? Oder ist das typische deutsche Denkweise? Wir haben ihn darauf aufmerksam gemacht und durften dann noch zusätzlich zu den 20 Euro noch den Nachtisch mit 1 Euro pro Person bezahlen.

Wow, was geht es uns doch so gut und die Menschen hier sind fröhlich und aufgeschlossen, wollen wissen wo man her kommt und leben aber tief in ihrer eigenen Welt die wahrscheinlich aus mehr Arbeit als Freizeit besteht. Ein netter Gast aus ursprünglich Kanada der jetzt hier lebt, hilft uns beim übersetzen, denn auch der Wirt versteht nur portugiesisch. Wir bedanken uns sehr herzlich dafür.

Die Sonne ist inzwischen auch ein wenig mehr hervorgekommen und wir machen uns auf den Weg zurück durch Wälder und Dörfer und Weiden und am Rande der steilen Klippen entlang. Am Flughafen vorbei bis nach Velas, wo wir unser vorgebuchtes Hotel Sao Jorge Garden fast auf Anhieb finden. Hhmmm sehr schön, auch hier gefällt es uns sehr gut.

Wir machen unseren Plan für morgen, computern noch ein wenig, sortieren im Koffer herum, es wird nicht viel ausgepackt, denn übermorgen geht es ja schon mit der Fähre weiter. Alles in allem sind wir mit diesem Tag super zufrieden und glücklich ihn gehabt zu haben. Gespannt auf morgen fallen wir in einen traumlosen Schlaf...

 

Heute waren wir 118 km unterwegs mit einem höchsten angefahrenen Punkt von 744 m und einem tiefsten Punkt von 9 m. Unsere zu Fuß zurückgelegten Kilometer läppern sich auf 6,2 km.

 

18-03-17 San Jorge b