2017 - Die Azoren

 

Tag 5 – Sonntag 19.03.17
Sao Jorge Nordwest und nochmal Süden

 

Unser Tag startet mit einem schönen Frühstück, allerlei Auswahl und drei unterschiedliche Kaffeemaschinen. Leider keine frische Ananas und Birnen sondern aus der Dose, aber ganz viele Marmeladen, Kuchen und Kekse. Quiche und Rührei, kleine Bratwürstchen, Bohnen, Schinken und Wurst sowie natürlich allerlei Käse. Verschiedene Brot- und Brötchensorten und Croissants.... also verhungern kann hier so schnell niemand.

Gut gestärkt rüsten wir zu der heute geplanten West-Nord-Südroute schauen aber vorher mal im Hafen vorbei, um uns zu vergewissern, wie das morgen früh mit der Fähre aussieht, wo sie abfährt und welche unserer drei Informationen wann sie fährt, überhaupt richtig ist. In der Reisebuchung steht 10:25 Uhr, die Reiseleitung am Flughafen sagte sie führe eine Stunde später, aber wir sollten uns noch erkundigen und die Autovermietung sagte 10:45 Uhr.

Nun denn, da wir niemanden finden, der uns eine eindeutige Info geben kann, auch nicht, wo genau die Fähre abfährt, da hier im Moment eine große Baustelle ist, werden wir uns zum frühesten Zeitpunkt dort einfinden, d.h. wir sollen ja eine Stunde vor Abfahrt da sein. Auch der nette Polizist konnte uns nicht weiterhelfen, er wußte auch nicht wo die Fähre eigentlich ablegt. Wir finden jedoch einen provisorischen Durchgang durch einen Waggon oder Container und ein Schild was zum „embarken" weist. Prima – na dann ist doch alles klar, warum denken wir Deutschen eigentlich immer so kompliziert. Das Auto werden wir dann am Hafen vollgetankt übergeben.

Im Hafen liegt ein riesengroßes Schiff welches be- oder vielleicht auch entladen wird. Dafür fahren hier gigantische Krähne mit Greifern, die die Container auf den Millimeter genau und stapeln und dann auch auf einen bereit stehenden LKW laden.

Bei bedecktem Himmel, starten wir dann aber endlich auf der Südseite gen Westen der Insel. Gleich oberhalb von Velas, wo wir wohnen, parken wir an einem wunderschönen Aussichtspunkt mit Blick über den Ort und das Meer Richtung Pico. Die Landschaft hält uns einfach in Bann.

In gleicher Richtung bis Rosais geht es weiter bis wir uns dann doch entschließen zu wenden und bei S Pedro auf die Nordroute Richtung Norte Grande abzubiegen, denn der Westen ist nur dünn besiedelt. Die Straße ist gut ausgebaut und schlängelt sich ganz schön nach oben. Wir kommen an verschiedenen „Fajas" vorbei. Das sind kleine Anbauflächen an den Berghängen, die mit Mäuerchen aus Lavagestein abgegrenzt sind. Die gelben Blumen am Rand der niedrigen Mauern geben einen wundervollen Kontrast zu den sattgrünen Flächen. Außerdem sitzen hier endlose Hortensienhecken in mehreren Reihen an der Straße und an den vielen Weiden entlang. Leider ist jetzt noch keine Blütezeit, aber das alles während der Blüte zu erleben muss sehr beeindruckend sein.

Auf unserer Route haben wir dann wieder einmal ein Erlebnis mit einer Kuhherde, die uns nach einer Kurve fast im Galopp entgegenkommt und wir keine Chance haben irgendwie auszuweichen. Vorneweg fährt ein Auto, aber das muss ja an uns vorbei und wenn der noch weiter rumtrödelt, dann bilden unsere beiden Autos eine Blockade..... im letzten Moment gibt er dann doch ein wenig Gas und somit eine Gasse frei, in der dann die Herde an uns vorbei stürmt. Hinterher fährt ein Traktor, damit wohl keine Kuh zurückbleibt. Ohhh, das war Adrenalin pur, aber eigentlich hatten wir nur Sorge um das Auto. Das war evtl. schon mal ein Vorgeschmack auf unsere geplante Herbstreise nach Südafrika und dort werden es sicher keine Kühe sein, die uns möglicherweise umzingeln. Übrigens viele Menschen leben hier von der Vieh- und Milchwirtschaft.

Es gibt hier oben nur wenige Dörfer und sie liegen alle an der Hauptstrasse entlang. Unzählige Weiden liegen unterhalb der Straße bis zur Abbruchkante. Übrigens gibt es hier doppelt soviel Kühe wie Inselbewohner und diese Zahl beläuft sich auf knapp 10.000.

Wir fahren entspannt weiter und sind wieder mal erstaunt wie schnell wir doch von hier nach dort kommen, aber die Insel ist halt nicht sehr groß. In Norte Grande entschließen wir uns eine weiter unten gelegene ausgeschilderte „Faja" anzusteuern. Wir fahren aber nicht ganz runter denn etwas oberhalb dieser „Faja" gibt es hier einen herrlichen Aussichtspunkt. Hier parken wir und genießen diesen wunderbaren Blick. Die weitere Sicht ist zwar ziemlich diesig, aber wir erahnen die beiden Inseln Graciosa und Terceira.

Wir fahren wieder zurück zur „Hauptstrasse" und biegen hinter Santo Antonio nach Süden ab. Schlängelnd durchqueren wir die gut 900 m hohe langgezogene Bergkette und entdecken rechts und links am Wegesrand und bis in die Wälder hinein hunderte von Calla Pflanzen. Leider gibt es keine Möglichkeit zum Anhalten.

Relativ schnell sind wir in Manadas, fahren durch Santa Filla, Terreiros, Casteletes, alles nur kleine Pünktchen auf der Straßenkarte aber urwüchsige Dörfchen im Süden. Kurz hinter Urzelina Richtung Hotel in Velas, treffen wir auf Frauen die die Straßenmitte mit Blumen schmücken. Heute gibt es eine religiöse Prozession und dafür wird die Straße geschmückt. Wir sprechen miteinander mit Gesten und Mimik und ein paar Brocken englisch. Ich kann gerade noch die bereits ausgelegte Pracht fotografieren und die Schubkarre voller Blüten von Calla, Gardenien und Kapuzinerkresse bewundern, als ein Windstoß die mit sehr viel Liebe, kunstvoll ausgelegten Blüten durcheinander wirbelt. Ohh weija, jetzt können sie gerade nochmal anfangen.

Wir kommen noch an verschiedenen Altaren vorbei, die vor Geschäften aufgestellt wurden und über und über mit Blumen geschmückt sind, dabei haben sich die Frauen noch bei mir entschuldigt, weil es zu dieser Jahreszeit nicht genügend Blüten gibt und später würde viel mehr blühen und dann haben sie mir noch eine Knospe von einer Magnolie geschenkt. Das ganze Auto riecht inzwischen sehr angenehm danach. Toll.

Gleich kommen wir am Flughafen vorbei und gehen anschließend in der Hotellobby erst einmal etwas trinken. Espresso, Wasser, Cola – alles was das Herz begeht. Dann geben wir unserem Autochen noch etwas Benzin und beschließen den Tag mit computern, packen unsere Koffer wieder reisefertig, denn morgen geht es auf die nächste Insel.

Sao Jorge hat uns einfach wunderbar gefallen, die Flora ist rundherum wunderschön, es war ein kurzer aber entspannter Aufenthalt ohne Großstadthektik. Die Ausblicke auf Pico, der sein Gesicht dauernd ändert, hat uns fasziniert. Alle Menschen waren sehr freundlich, fröhlich und zuvorkommend. Jetzt sind wir natürlich gespannt wie unsere Reise weitergeht.

Insgesamt sind wir heute 82 km gefahren auf eine höchste Erhebung von 789 m und zu einem tiefsten Punkt von 8 m. Die zu Fuß zurück gelegten Kilometer belaufen sich auf knappe 6 km. Übrigens, was wir noch gar nicht erwähnt haben, ist die ungeheuere Luftfeuchtigkeit. Wir kennen das von Thailand und Florida, aber dort ist es viel wärmer. Luftfeuchtigkeit von über 80% bei einer Temperatur von 15 - 20°C fühlt man nicht so sehr beim atmen, aber spätestens auf dem Zimmer, wenn sich alle Kleidung klamm anfühlt.

 

19-03-17 b