2017 - Die Azoren

 

Tag 8 – Mittwoch 22.03.17
Mit der Fähre nach Faial und erste Erkundung

 

Wir haben heute noch Zeit, um gemütlich zu frühstücken, denn unsere Fähre geht erst im 11:30 Uhr nach Faial. Eine Stunde vorher sollen wir dort sein, aber wir müssen ja nur über die Straße, können das Auto auf dem Hotelparkplatz stehen lassen und den Schlüssel an der Rezeption abgeben.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg über die Straße und warten mit einigen anderen Fahrgästen auf unsere Fähre. Die Wellen, die wir hier durch die beiden riesigen Felsen reinkommen sehen machen uns nicht gerade große Lust auf eine Überfahrt, aber wie sagt man: mitgefangen, mitgehangen, wenn man dort hin will, dann gibt es nur diesen Weg. Die Fähre kommt und es ist aber ein ganz anderes Schiff, als das mit dem wir hierher nach Pico zu dem Ort Sao Roques gefahren sind. Auch nicht schlimm, die Hauptsache es shippert sicher und gut nach Faial in den Hafen von Horta.

Na, das ist ja vielleicht ein Kahn.... ganz schön „abgenutzt" aber von außen recht adrett. Also leider keine von den größeren Fähren der Atlantico Line, die so hübsch in blau, grün und weiß von einer Insel zur anderen fahren. Nur 25 Minuten und dann sind wir drüben.... Don't pay the ferryman...

Das schaukelt ganz schön, aber wir haben gelernt, wenn man hinten sitzt, dann ist es nicht so schlimm. Komischerweise macht es mir im Gegensatz zu Rolf nichts aus. Er tut mir richtig leid und als dann auch noch einer vom Personal.......uhhhaaahh.... der ist wohl noch nicht lange dabei.
Na gut Ohren zu und aus dem Fenster schauen auf einen weit entfernten Felsen oder den Horizont, den man manchmal gar nicht mehr sehen kann, weil die Wellen so hoch sind.

Nach einer Weile landen wir an, oder wie heißt das? Jetzt können wir den Pico wieder nur von Weitem sehen und werden jetzt Faial erkunden. Die Kopfschmerzen von Rolf werden schlimm und schlimmer und ich bin beim Aussteigen über diesen wackeligen Steg mit einem Geländer aus dünnem Seil leider irgenwie falsch aufgetreten und kann nur noch mit Mühe das Knie beugen. Ihr wißt welche Gedanken mir durch den Kopf gehen. Aber ich benutze das neue Knie inzwischen für meine Begriffe ganz normal und war vielleicht beim Abdrücken als der Steg sich seitlich drehte, etwas übermütig. Das kommt davon.

Nachdem wir unser Gepäck vom Kofferband, wie am Flughafen in Empfang genommen haben, bekommen wir recht schnell unser Autochen, was ist es wohl diesmal? Eigentlich wechselt ja nur die Farbe, denn ein Nissan oder Skoda ist es immer. Heute gibt's weiß im Angebot. Gestern war blau, davor weiß und davor schwarz.

Koffer hinein und erst mal ab ins Hotel, nicht weit vom Hafen, es liegt hier in Horta im Südosten der Insel. Das Wetter sieht gut aus und wir machen einen kurzen Plan, wohin es heute noch gehen soll. Unser Zimmer gefällt uns gut und wir haben sogar einen kleinen (größer als der vorherige) Balkon mit Blick über Pool und Hafen auf Pico. Wunderschon. Das Hotel war baustellenbedingt etwas schwierig zu finden, aber wenn man weiß durch welche kleine Strasse man dorthin kommt, ist alles ok.

Faial ist eine der fünf Inseln der Azoren. Sie wird auch „Blaue Insel" genannt wegen der Fülle an blauen Hortensien.

Die Insel ist fast fünfeckigig und die Hauptstadt Horta ist ein charmanter Ort mit herrschaftlichen Gebäuden. Horta zählt zu den schönsten Städtchen auf den Azoren.
Trotz Rolfs immer noch rasender Kopfschmerzen, die trotz Tablette nicht verschwinden wollen starten wir jetzt trotzdem mal nördlich an der Küste entlang. Wir halten hier und dort, um die Aussicht zu genießen. Die Blumenpracht ist jetzt schon genial, man darf sich das gar nicht vorstellen, wenn noch all diese im „Winterschlaf" liegenden Hortensien (kommen von hier) oder auch noch ganz andere Blumen blühen. Pinkfarbene Azaleen und gelbe Blumen begleiten uns auf unserem Weg, sogar weiße Lilien gehen gerade auf.
Von allen Seiten aus steigen die Straßen auf, zu einem großen Krater (Caldeira), er bildet das Zentrum der Insel. Recht fix sind wir durch Pedro Miguel bis Ribeirinha gefahren und sind dann schon im Norden angekommen. Hier geht es durch Salao, Cedros und kurz vor nach Cascalho entschließen wir uns, auf die Strecke zu diesem Krater zu wechseln. Es ist eine Straße der zweiten Kategorie und schlängelt sich in großen und kleinen Bögen, der Inselmitte entgegen. Hier ist alles grün, die Hänge nach oben mit Bäumen bewachsen und die Hänge nach unten mit Weiden in unterschiedlichen grünen Tönen. Die Kühe sind hier nur angebunden es gibt keinen Zaun. Die Straßen, Dörfchen und Wege sind alle sehr gepflegt wir kommen durch den Parque Florestal do Cabouco, wenden uns nach rechts um einen wunderschönen unbefestigten Weg zu fahren, dessen rote Farbe sehr beeindruckend ist. Toll, dass wir diesen Tipp von den Travelmäusen bekommen haben, die im Jan/Feb diesen Jahres schon hier waren. Dieser Weg zusammen mit den grünen Wiesen und Wälder rechts und links ist ein Traum.

Oben angekommen, ist uns das Wetter immer noch hold, es gibt zwar keinen strahlenden Sonnenschein, aber wir können durch einen Tunnel durchgehen und in die Caldeira hineinschauen. Wunderschön begrünt, nicht so karg wie auf Teneriffa unterhalb des Teide, obwohl wir das nur aus einem Aufenthalt im Januar/Februar kennen. Inzwischen ist es gut Mitte März und könnte jetzt dort auch anders aussehen. Hier auf Faial kann man vom Kraterrand die Insel in alle Richtungen überblicken und hier befindet sich auch der höchste Gipfel der Insel, der 1.043 m hohe Cabeco Gordo. Dort sind wir aber nicht hochgewandert, sondern haben uns mit dem wundervollen Blick in und über die Caldeira zufrieden gegeben. Dieses ganze Gebiet mit seinen bewaldeten Hängen steht unter Naturschutz.

Ja und da wir beide nicht weiter rumlaufen wollen, Rolfs Kopfschmerzen sind sehr stark und mein Knie annimiert mich auch nicht gerade, setzen wir uns ins Auto und fahren quer süd-östlich runter nach Horta, um dort mal Peters Cafe aufzusuchen. So kommen wir natürlich nicht auf mindestens 5km Fußmarsch täglich. Die Landschaft durch die wir fahren ist unterschiedlich begrünt und wie wir es schon kennen viele Felder größtenteils mit Hortensienbüschen oder Lavamäuerchen eingefaßt. Wir kommen auch durch einzelne zusammenhängende Waldstücke.

Schneller wie wir dachten, sind wir zurück in Horta und machen uns auf die Suche nach
Peters Cafe, da stolpere ich doofe Kuh auch noch rückwärts eine Stufe an einer Mauer zur „Strandpromenade" herunter und bin wirklich nicht glücklich darüber. Mein armes Knie wurde heute schon ganz schön gefordert. Naja der eine hats halt im Kopf und der andere im Knie.

Der Hafen hier ist ein Ankerpunkt der Weltenbummler, man trifft hier daher auf Leute aus aller Welt. Meistens wird schnell ein Bild auf die inzwischen bunt dekorierten Hafenmauern gemalt und ab gehts ins berühmte Peter Café Sport, der berühmtesten Bar des Atlantiks. Peters Cafe ist so zum legendären Seglertreff geworden und Wimpel aus aller Herren Länder schmücken die Wände und Decke. Eine wirklich nette Kneipe, aber zu essen gabs für uns jetzt gerade nix, weil es zum Mittagessen zu spät war und fürs Abendessen zu früh.... doof. Naja, wir nehmen einen Drink und richten wir uns nach den Gegebenheiten des Landes. Das heißt wir fahren erst einmal wieder ins Hotel, stellen unser Auto ab und bringen unser Fotogepäck aufs Zimmer, aber Hunger hätten wir schon ein wenig.

Dann entdecken wir einen Fußweg nach unten. Prima, dann muss man nicht mit den tausend Einbahnstraßen kämpfen. Auf Schusters Rappen, vervollständigen wir unsere tägliche Bewegungseinheit und laufen den kurzen Weg, den man so niemals hätte fahren können nach unten. Ein paar Adressen von Restaurants hatten wir uns an der Rezeption geben lassen, alle zu Fuß auf der Küstenmeile erreichbar, aaaaber wir haben nicht bedacht, dass sie alle erst um 19:00 Uhr frühestens meistens jedoch erst um 19:30 Uhr öffnen und jetzt ist es erst halb Sechs.

Da muss halt wieder mal der „Spar" herhalten und es gibt ein selfmade Abendbrot auf dem Zimmer, denn wir haben jetzt Hunger und sind eigentlich hundemüde. Der Portier schaut uns etwas komisch an, als wir schon so schnell wieder zurück waren, aber wir haben das ganz gelassen hingenommen. Die Brötchen mit dem Käse noch aus der Käserei haben uns ganz hervorragend gemundet. Leider bewegte sich der Korken vom Rotwein keinen Millimeter und mein Vorschlag: „dann drück ihn doch rein", bescherte Rolfs wundervoll gelbem Pullover ein permanentes rotes Muster.

Heute waren wir insgesamt (ohne Überfahrt mit der Fähre) 67 km unterwegs und haben einen höchsten Punkt von tatsächlich 908 m und einen niedrigsten Punkt von 2 m über dem Meeresspiegel erreicht. Dafür haben wir knapp 7 Stunden gebraucht.

Das TV hat heute leider keine guten Nachrichten aus dem Rest der Welt, sprich London, wir kommen damit gar nicht zurecht und finden es sehr traurig.

 

22-03-17 b