2017 - Die Azoren

 

Tag 9 – Donnerstag 23.03.17
Südwestlich gen Norden und östlich gen Süden

 

Das Frühstücksbüffet lässt keine unserer Wünsche offen, die Aussicht ist einfach unbezahlbar und es gibt wieder tolle Marmeladen, die nicht in einer Verpackung stecken. Regionale Butter, Käse und Schinken, Rührei und Pilze.... Brot, Brötchen, Croissants und mehr. Die Möbel in der Lounge durch die wir zum Frühstücksraum durch müssen gefallen uns auch sehr gut. Es ist ein schönes Ambiente, wieder einmal wie aus einem alten Film.

Danach packen wir unsere Fototaschen und setzen uns südwestlich in Bewegung. Der kleine Nissan bringt uns bei wundervollem Wetter entlang der Küstenstrasse durch verschiedene Orte, wie Feteira, am Flughafen vorbei bis nach Morro de Castelo Branco, an der südwestlichsten Spitze Faials zu einem markanten Felsmassiv. Dort fahren wir von der Regionalstrasse bis zu dem ausgeschilderten Parkplatz. Nein, gewandert sind wir nicht, aber spazieren gegangen und die Aussicht genossen. Dieser Felsen ist eine richtige Vogelheimat. Hier brütet unter anderem der bedrohte Cagarro. Auf parkähnlichen Wegen, kommt man dem Felsen näher aber richtige Wanderer gehen natürlich den ausgeschilderten Wanderweg auf den Felsen hinauf.

Wir fahren zurück auf die Regionalstrasse und weiter gen Norden an der Westküste entlang bis nach Areeiro. Hier folgen wir dann einem Weg der zweiten Kategorie nach Varadouro, wo wir uns die natürlichen Meerwasserschwimmbecken ansehen und die Wellenpracht bewundern. Hier gibt's zur Abwechslung mal blaue Geländer. Auch die Landschaft drumherum gefällt uns sehr gut und heute ist es außerdem richtig warm. Herrlich! Diesem schönen roten Weg folgen wir noch ein wenig weiter, bis uns Baufahrzeuge die Weiterfahrt unmöglich machen. Wir drehen und nehmen den nächsten Abzweig nach oben zur Regionalstrasse, die uns zum Naturmahnmal Vulcao dos Capelinhos bringt. Es gibt dort ein riesiges Informationszentrum über Vulkanismus und tektonische Platten von der ganzen Welt. Die Azoren haben hier eine besondere Stellung, denn sie werden gleich von drei Seiten beeinflußt. Hier an diesem Punkt gab es 1957/1958 gewaltige Vulkanausbrüche, die ein Jahr lang nicht aufhörten. Die Höhe der Aschesäulen wird mit 4 Kilometern angegeben. Von dem Leuchtturm ragt seitdem nur noch das erste Stockwerk heraus und die Insel hat sich bei diesen Ausbrüchen um 2,4 km² vergrößert. Nicht zu fassen, wir stehen auf einem Stückchen Erde, dass es zu unserer Geburt noch nicht gab.

Wir unterhalten uns noch lange darüber und fahren währendessen nördlich durch kleinere Orte, Weiden und Waldgebiete. In Praia do Norte kehren wir in einer netten „Kneipe" am Wegesrand ein, die uns von lieben Bekannten empfohlen wurde. Hhhm – mit unserer Essensauswahl sind wir sehr zufrieden, bis uns ein Einheimischer aufklärt und meint, sowas ißt man hier nicht, sondern ..... und zeigte uns auf einer Karte drei Gerichte, die wir unbedingt probieren müssten. Er war sehr freundlich und wir haben uns höflich bedankt. Blutwurst ist jedoch überhaupt nicht unser Geschmack und den Rest müssen wir erst noch recherchieren, bevor wir das irgendwo bestellen. Nein, das soll nicht heißen, dass wir das landestypische nicht probieren wollen, das haben wir bisher immer gemacht, aber es muss bitte keine Blutwurst sein.

Die Ortschaften sind einfache Straßendörfer die sich an der Inselrundstrasse entlang ziehen. In vielen Dörfchen verwundern Ruinen und mit Rissen durchzogene Fassaden. Einige Örtchen wurden 1998 durch ein schweres Erdbeben zerstört und bis heute hat sich die Insel nicht ganz von den Folgen erholt. Viele Menschen wurden bei dem Beben obdachlos. Ganze Siedlungen fielen zusammen. Noch heute leben einige Familien in den damals aufgestellten Wohncontainern oder halb verfallenen Häusern die nur zögerlich wieder instand gesetzt werden. Da wollten wir so einen in unseren Augen „lost place" fotografieren und plötzlich kommt jemand mit Hund aus der Haustür heraus. Schnell die Kameras weg und weitergefahren, denn das sollte man dann doch nicht tun.
Das Hochland ist kaum bewohnt. Weite Teile sind dicht bewachsen. Der Osten fällt sanft zur Küste hin ab. Die Küste ist geprägt von steilen Felsabschnitten und kleinen Sandbuchten.

Unser Weg führt uns am nördlichen Küstenrand weiter über Cedros und dann wieder gen Süden über Ribeirinha und Pedro Miguel zu unserem „Heimathafen" Horta. Wir parken und schauen uns die bunten Malereien derer an, die sich hier im Hafen mit bunten Farben verewigt haben, da sie mit Boot, Schiff oder auch Segelschiff bereits hier waren. Unglaublich und wunderschön. Für Segler ist ein Besuch hier ein unbedingtes Muss bei der Überquerung des Atlantiks, es ist quasi die Zwischenstation. Jährlich rasten hier über 1.700 Segler und Kreuzfahrer im Yachthafen und verleihen so der Insel ein internationales Flair. Auch wir sind begeistert und freuen uns über diese bunte Vielfalt.

Die Hauptstadt Horta selbst bietet eine Vielzahl an historischen Gebäuden sowie auch Museen. In den schönen Gäßchen mit dem typischen schwarz weißen Pflaster findet man auch Kneipen, Restaurants, Cafes und Geschäfte. Wir nehmen noch ein Eis in einem netten Eissalon und dann ist Schluß für heute und auch mit Faial, denn morgen geht's durch die Lüfte nach Terceira.

Faial ist klein und wirklich in zwei Tagen erkundet. Länge: 20,5 km, Breite: 14,2 km, Küstenlinie: 73 km. Wenn man Museumsbesuche einplant, braucht man natürlich noch mehr Zeit, aber wir waren heute für 71 km knapp 10 Stunden unterwegs und haben viel angehalten und pausiert, gegessen und getrunken.

 

23-03-17 b