2017 - Die Azoren

 

Tag 10 – Freitag 24.03.17
Flug nach Terceira – Nord über West nach Süden nach Angra do Heroismo

 

Unser Flug geht um 9:45 Uhr, d. h. wir müssen uns 1 bis 1,5 Stunden vorher am Flughafen von Faial einfinden. Es sind aber nur ca. 8 km und Frühstück gibt's im Hotel schon um 6:30 Uhr. Das nehmen wir gerne wahr und fahren dann gemütlich zum Flughafen. Am Autoschalter ist noch niemand da, um den Schlüssel entgegenzunehmen. Na gut dann checken wir erst mal ein. Irgendwie hatten wir unsere Packstrategie über Bord geworfen, denn auf den Fähren wurde nichts gewogen.... Hhhm das war schlecht, denn es gab ermahnende Worte zu unserem Handgepäck. Naja – wenn man den Nachrichten glauben darf, ändert sich das ja in Zukunft sowieso mit dem Transport von PCs und Kameras. Also gehen wir mit gesenkten Köpfen zur Sicherheitskontrolle. Das einzige, was wir noch hätten entgegnen können, wäre gewesen darauf hinzuweisen, dass wir zu zweit nur einen Koffer von 23 erlaubten Kilos hatten.

Für mich war hier wieder volles Programm angesagt, Handtasche auspacken, Kamera auspacken, Tablett auspacken, Kameratasche auspacken, PC auspacken und ab durch die Schleuse, alles war ausgepackt und Rolf war mit einpacken beschäftigt, während ich noch die Schuhe ausziehen musste. Ja, Sicherheit geht vor – aber ich habe da schon ein Abonnement und weiß nicht woran das liegt. Die Menschen vor und hinter mir hatten auch Wanderschuhe an und mussten sie nicht ausziehen.

Egal wir wollen ja alle sicher reisen. Der Flug war toll und hat mich mit allem versöhnt. Man konnte die einzelnen Inseln von oben sehen es war klare Sicht, auch beim Landeanflug. Es ist schon faszinierend diese einzelnen Stückchen Land von oben zu sehen.

So – touchdown wir sind auf Terceira. Diese Insel liegt im Zentrum der Azoren und ist die zweite Hauptinsel sowie das Drehkreuz. Ihren Namen verdankt Terceira übrigens der Tatsache, dass sie als dritte Insel des Archipels entdeckt wurde. Sie ist aber auch drittgrößte Insel der Azoren. Länge: ca. 29 km, Breite: ca. 17,5 km Die Fläche beträgt 382 km².

Unser Hotel liegt in der Hauptstadt Angra do Heroismo, welche die schönste Stadt der Azoren sein soll. Sie wurde im 16. Jahrhundert gegründet und ist im Renaissancestil gebaut. Durch ein heftiges Erdbeben wurde die Stadt am 1. Januar 1980 zerstört. Größtenteils wurde sie originalgetreu wieder aufgebaut. Des histoirschen Stadtkerns wegen, wurde sie von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Sie ist ein Paradebeispiel für die Baukunst der Renaissance. Kenner sehen das an den Adelspalästen, Kirchen und Bürgerhäusern, im alten Stadtkern.

Da der Flughafen im Nordosten liegt und es noch früh am Tag ist (10:15 Uhr), fahren wir nicht auf dem kürzesten Weg ins Hotel, da das Zimmer meistens erst ab 14:30 /15:00 Uhr zur Verfügung steht. Aber zuerst bekommen wir wieder unseren vorgebuchten Mietwagen, diesmal ein silberfarbenes Fahrzeug mit Namen Punto. Wir haben vielleicht geguckt.... und erst mal gefragt, ob wir probieren dürfen ob unser gemeinsamer Koffer da überhaupt reingeht. Es ist ein Raumwunder – es ging – ok, dann ist das unser Tagesheim für die kommenden drei Tage. Die Schaltung ist komisch angebracht und erinnert an eine sogenannte Pistolenschaltung. Na, wer von Euch kennt noch solche Autos? Und die Fensterheber sind dort, wo man sie am wenigsten vermutet, nämlich unterhalb des Radios, aber immerhin elektrisch.

Die Sitze sind bequem das Tablet eingestöpselt und es geht los, ab Flughafen Lajes gen Westen aber gleich hinter Lajes über enge Gassen ab von der Hauptstrasse an die Küste. Ja, ein superschönes Wellenschauspiel hält uns in Bann.

Weiter über Vila Nova, Quatro Ribeiras, hier schauen wir uns Meerwasserschwimmbecken an und halten an einem wunderschönen Aussichtspunkt auf die Steilküste. In der Gegend von Biscoitos wird der vorzügliche Verdelho Wein zwischen hohen, schwarzen Lavamauern angebaut.

Entlang der Küste kann man an zahlreichen Sand- und Felsstränden baden. Schöne Sandsträne findet man vor Praia und in Angra. Beliebte Naturschwimmstellen sind auch in Biscoitos und Quatro Ribeiras, sowie in Silveira und Porto Martins.

Wir fahren weiter an der Küste entlang durch Altares, Raminho, Cabuco, Faja, kurz vor Sereta erweckt ein Hinweis zu einem Leuchtturm unsere Aufmerksamkeit, aber leider kann man dort nicht halten und so erkunden wir die, auf dieser Straße zu erreichende Lavaküste mit wunderschönem Bewuchs von Sukkulenten. Oft werden sie auch Mittagsblumen genannt, da sie die Blüten erst mittags öffnen, wenn die Sonne drauf scheint.

Zurück auf der Hauptstrasse erreichen wir bald Cruzinhas, Doze Ribeiras, Santa Barbara, womit wir schon im Süden angekommen sind. Die Straße geht weiter durch Cinco Ribeiras, Sao Mateus da Calheta und dann fahren wir doch noch auf den Monte Brasil, es ist ein Vulkankrater vor den Toren von Angra do Heroismo, sonst könnte es doch noch zu früh werden mit dem einchecken.

Von hier oben blicken wir auf Angra do Heroismo hinunter und müssen erkennen, dass wir wieder voll im Leben gelandet sind. Das hatte sich schon auf der Fahrt bemerkbar gemacht. Die Straßen in den Dörfchen, Städtchen sind hier alle, auf jeder Insel, die wir jetzt besucht haben ganz ganz eng und man fragt sich nicht mehr warum hier nur kleine Autos herumfahren, ach was heißt fahren, die heizen hier durch die Gegend, hinter einem her, an einem vorbei aber hupen tut keiner. Angra von oben, zeigt uns ganz deutlich die Ausdehnung der Stadt, ja es ist eine richtige Stadt und die feuchte Luft trägt den Lärm von Autos und Menschen hinauf auf den Berg. Good bye Einsamkeit von Faial....Die Luftfeuchtigkeit beträgt hier überall so um die 80%, aber es ist nicht unangenehm, da die Luft eine Temperatur zwischen 15 und 20 Grad Celsius hat.

Wie wir bereits von der Reiseleitung, die uns am ersten Tag auf Sao Miguel in Empfang genommen hat, wußten, gibt es vor „unserem" Hotel in Angra do Heroismo KEINE Parkplätze. In der Nähe vom Hotel gibt es welche, aber gegen Gebühr – ist ja eigentlich eine Schande, aber was will man machen, den Ort gab es schon lange bevor es Autos gab und wenn eben dafür kein Platz ist, dann kann man ihn nicht herzaubern. Zum Ausladen dürfen wir kurz halten, unser Gepäck aufs Zimmer bringen und dann erklärt man uns, wo man in der Nähe parken kann, ohne Gebühren bezahlen zu müssen. Wir haben Glück und finden einen Parki auf einem dieser näheren Parkplätze und gehen nur etwa 10 Minuten zurück ins Hotel, Bewegung tut gut aber das laufen auf diesem kruckeligen Kopfsteinpflaster erfordert meine höchste Konzentration, denn stolpern ist sonst vorprogrammiert. Außerdem steht der Fuß nie flach, sondern irgendwie schräg nach oben oder nach unten oder zur Seite....

Die Fußwege sind hier auch alle wieder wunderschön mit hellen und dunklen kleineren Kopfsteinpflastersteinen belegt. Es sieht aus wie Intarsienarbeit, sehr schön und abwechslungsreich.

Aber im Moment interessiert uns nur eins, wo bekommen wir was zu Essen. Fürs Mittagessen ist es schon wieder zu spät und fürs Abendessen zu früh. Wir hatten jedoch unterwegs hierher in einem Minisupermarkt wo gerade ein Geburtstag gefeiert wurde ein paar süße Brötchen, Wasser und Äpfel und Birnen eingekauft. Also verhungern würden wir nicht, aber wir haben heute so richtig Lust gemütlich bei einem Glas Wein die bisherige Reise mal Revue passieren zu lassen und was Schönes zu essen.

Wir stromern durch die Gassen und die erste Kneipe, die uns erst einmal gefiel, war ein Reinfall – oh jeeeh – Kundschaft und dann wollen die auch noch was essen.... wir trinken jeder ein Glas Wein, schütteln den Ankunftsstress ab, nutzen kurz das Internet und ziehen fröhlich weiter. Dann finden wir ein sehr nettes Lokal wo wir endlich richtig viel köstlichen Salat zu unserem Lachs bekommen. Bei Bier und Cola lassen wir den Abend noch bei Helligkeit und 17°C um 19:00 Uhr abends ausklingen. Irgendwie sind wir ziemlich kaputt, ja das ist kein Urlaub sondern eine (Bildungs-)Reise, denn hier gibt es so viel zu sehen und in sich aufzunehmen. Viele Fragen tauchen bei uns auf, die wir aber erst beantwortet kriegen, wenn wir mal wieder gescheites I-Net haben. Hier im Hotel ist das schlicht und einfach meistens nicht vorhanden.

Heute waren wir bereits 72 Kilometer und 10 Stunden unterwegs. Der höchste Punkt lag auf 321 m und der Niedrigste bei 5 m.

Der Ausblick aus unserem Zimmer ist jedoch herrlich, man schaut in einen von mehreren Gärten hier und ein Magnolienbaum, dessen Blüten gerade aufbrechen wollen, steht direkt vor unserem Fenster mit Stehbalkon. Und was wir jetzt noch nicht wissen ist, dass das Vogelgezwitscher am nächsten Morgen den Wecker ersetzt, wunderschön wenn ein neuer Tag so herrlich beginnt.

 

24-03-17 b