2008 - San Francisco und die erste Tour durch den Westen

 

Tag 11 - 24.09.08 Mittwoch
Verschiedene Loops durch den Grand Canyon und Monument Valley am späten Nachmittag

 

Wir sind ja ein bisschen verrückt, wer es bis jetzt nicht wusste, kommt spätestens jetzt darauf. Wir sind tatsächlich um 4:00 Uhr aufgestanden, um früh genug am Yavapai Point zu sein, damit wir mit vielen anderen Menschen die Sonne sehen, wenn sie über den Tafelbergen aufgeht. Es ist noch stockfinster und ein Sternenhimmel, wie wir vorher noch keinen gesehen haben spannt sich über uns. Hinter den Felsen ist oberhalb schon ein kleiner hellgraublauer Strich zu erkennen und wir wissen, hier kommt bald die Sonne. Das Erwachen den Canyons ist in vollem Gang, langsam, ganz langsam können die Augen Felskanten, Vorsprünge, Vertiefungen und Einschnitte erfassen, für die Kamera ist es noch viel zu dunkel aber die Augen gewöhnen sich schnell an das ansteigende Licht. Es kommen mehr und mehr Menschen um an diesem Ereignis, was eigentlich ja jeden Tag wieder stattfindet, teilzuhaben. Die Menschen stehen andächtig an diesem gewaltigen Canyon und flüstern nur noch…..und sind ganz leise. Bis auf das Klicken von Kameras ist kein Ton zu hören, selbst die Natur schweigt noch….. alle warten auf die ersten Strahlen, die sich wie kleine Blitze in einem wunderschönen Orangerot über den Felskamm trauen, bis die Sonne dann, als würde sie jemand mit aller Kraft hochziehen, den Fels mit einer Hälfte überschaut, um dann in sekundenschnelle ganz über den Canyon zu schauen und das immer heller werdende Licht auf die tiefen Einschnitte zu werfen. Es ist ein sehr beeindruckendes Ereignis……Erst jetzt kann man die Größe und Weite des Canyons so halbwegs überblicken, die Schatten werden weniger, immer mehr Tiefe nimmt das Auge wahr und man wird ganz bedächtig bei diesem Anblick.

Das ganze Spektakel hat jedoch nur eine Stunde gedauert, stellen wir fest, als wir wieder im Auto sitzen und uns zurück in unser Motel Red Feather Lodge machen um dort zu frühstücken.

Nach dem Frühstück wird gepackt und erst einmal bei der Autovermietung angerufen, denn unser Gefährt ruft „maintenance required“! Wir wollen nichts riskieren, aber die Gespräche gehen so aus, wie wir es aus „Western Lady’s“ Beschreibung bereits kennen. Alamo meint erst sie können uns in Page einen anderen Wagen geben, und als Rolf feststellt, dass in Page kein Alamo ist und erneut anruft, heißt es eigentlich, dass das alles nichts zu sagen hat sondern an den Temperaturschwankungen liegt. Ein Auto aus SFO muss sich wohl erst an die Temperaturen von Nevada und Arizona gewöhnen?? So was habe ich ja noch nie gehört, aber wenn sie es nicht anders wollen……

Wir fahren nun erst einmal bei richtigem Tageslicht in den GC und wollen den Shuttlebus in die abgelegenere Gegend nehmen, die man mit dem Auto nicht befahren darf, aber: die Route ist „under construction“ und wird im Moment nicht angefahren. Pech, na gut, dann fahren wir halt die anderen beiden Routen steigen an verschiedenen Aussichtspunkten aus fahren schlussendlich selbst weiter zum Desert View, weil das auf unserer Strecke nach Bluff liegt.

Die Strecke heute zieht sich gewaltig, wir fahren über Tuba City, Cow Springs, Kayenta, Richtung Monument Valley und können beide kaum noch die Augen aufhalten. Die Landschaft ist bis auf die Gegend von Tuba City sehr eintönig, zwar begrünt aber nicht sehr abwechslungsreich, es wird erst wieder nach Kayenta besser als wir auf der 160 Richtung Mexican Water fahren. Rolf will außen herum nach Bluff, um morgen in aller Frische ins Monument Valley zu fahren. Als wir jedoch etwa die Hälfte der 160 hinter uns haben, werden die Kilomenter nach Bluff über die danach noch folgende 191 nicht weniger und wir beschließen die 45 km wieder zurück zu fahren um doch die 163 durch Gouldings, Monument Valley und Mexican Hat nach Bluff zu nehmen. Es war eine gute Entscheidung, denn erst um kurz nach 17 Uhr, und die Sonne geht ja gleich wieder unter, sind wir am / im Monument Valley.

Hier sind die Menschen, es scheinen Indianer zu sein sehr unfreundlich. Komisch, das ist uns bisher nicht passiert. Wir müssen noch für heute den vollen Eintritt zahlen, pass is valid one day!! Als ich frage wie lange wir morgen noch reingehen können, zeigt er auf das Schild only today!!! Basta und wehe du sagst jetzt noch was, so kommt das rüber und ich traue mich auch nicht zu entgegnen: bei mir hat der Tag 24 Stunden. Das geht dann so weiter als wir nach dem Loop fragen, den man selbst fahren kann, oder mit einem gemieteten Fahrer oder so was wie einem offenen Bustrolley. Kostet pro Person 60 Dollar, ok die haben wir ja jetzt bei Bufort T. gelassen und entscheiden den Loop selbst zu fahren. Macht ja auch mehr Spaß und wir können halten wo wir wollen und das Auto soll mal zeigen was es kann! Oh weija……..das hätten wir uns beide anders (besser) vorgestellt. Das Auto hält lange nicht das, was es versprochen hat und ist in keinem Fall mit dem BMW MX zu vergleichen mit dem Rolf vor unserem Urlaub noch Rampen gefahren ist.

Wir fahren aber wegen der hereinbrechenden Dunkelheit den Loop nicht zu Ende, weil man dann keine Löcher und hochstehenden Steine erkennen kann. Die Felsen vom Monument Valley präsentieren sich uns, wie auf einer kitschigen Postkarte in einem wunderschönen lehmrot, unterschiedlichste Formen, die wie Elefanten aussehen warten förmlich darauf in ihrem Abendkleid von uns fotografiert zu werden. Manchmal braucht man schon ein wenig Phantasie, aber doch ja es sind Elefanten. Toll! Wir verlassen nach eingehender Fotosession den Loop nach mehr als der Hälfte auf dem gleichen Weg zurück und können im Nachhinein kaum glauben, das alles gefahren zu sein. Inzwischen ist es 18:30 Uhr, die Sonne hat sich gesenkt und der Himmel glüht noch nach.

Im Abendlicht was dann nicht wirklich noch lange Helligkeit spendet fahren wir weiter unserem heutigen Ziel Bluff entgegen, als wir feststellen, dass es hier bereits eine Stunde später ist, weil wir nicht mehr im Navajogebiet sind. Hier gilt nicht die Daylight savings time sondern die normale Zeit. Wir sollten bis 19:00 Uhr hiesige Zeit eingechecked haben, aber das es jetzt schon 18:30 Uhr ist – hier aber schon 19:30 Uhr sind wir sowieso zu spät. Handy hat keinen Empfang sonst könnten wir noch Bescheid sagen. Na gut, bei stockfinsterer Nacht um 20:15 hiesiger Zeit treffen wir in Bluff ein und müssen das Deckers House erst einmal suchen. Es liegt ganz versteckt abseits der Hauptstraße und ist ein historisches kleines Anwesen……..ich mit meinen nachtblinden Augen bin vollkommen aufgeschmissen, denn ich sehe nicht einmal ob ich vom Auto aus auf einem Weg, oder Gras oder Kies laufe, ich spüre es nur unter meinen Füssen………wenn Rolf jetzt meine Hand loslässt, dann bleibe ich einfach stehen, denn die Straße ist nicht mehr zu sehen, keine Laterne nur von weitem das Licht aus einem Fenster……….es erinnert irgend wie an die Rocky Horror Picture Show als Janet und Brad nachts eine Unterkunft suchen……….

Wir werden trotz Verspätung allerherzlichst empfangen. Das Zimmer ist wunderschön, ganz bezaubernd eingerichtet nur wir können vor lauter Müdigkeit alles nicht mehr so richtig aufnehmen. Morgen ist auch noch ein Tag und Frühstück ist dabei………todmüde fallen wir in das auf alt getrimmte Messingbett mit bestickter Decke und Paradekissen…………Gute Nacht!