2012 - 50 Tage Tour durch den Westen

 

Tag 24 - Samstag 29.09.2012
Torrey - im Capitol Reef National Park unterwegs

 

Heute waren wir ein wenig später wie üblich auf der Piste, da wir gemütlich gefrühstückt und noch mit lieben Menschen telefoniert und geskyped haben. Aber schließlich haben wir ja Urlaub. Parkplan und Ausflugsziele in der Tasche, die Batterien der Fotos aufgeladen, Karten geleert, Sandwiches für unterwegs geschmiert, beginnen wir unsere Erkundungstournee.

Wir sind hier an einer gigantischen Falte in der Erdkruste, die sich über 160 km im mittleren Südutah erstreckt und vor 65 Millionen Jahren durch das Anheben des Coloradoplateaus entstanden ist. Diese eindrucksvollen Felswölbungen werden Waterpocket-Fold genannt. Um dies und unsere Fotos ein wenig mit fachmännischen Worten zu erklären, zitiere ich nachstend aus dem Infoblatt vom Capitol Reef National Park:

 

Quote:
Der CRNP enthält die Erdfalte, ein Wirrwarr an bunten Klippen, massiven Wölbungen, in den Himmel ragenden Spitzsäulen, starren Monolithen, sich windenden Schluchten und anmutigen Bögen.

Der Waterpocket-Fold besteht aus zahlreichen Schichten von Ablagerungsgestein. Diese ursprünglichen horizontalen Schichten wurden aus Sedimenten geformt, die sich über hunderttausende von Jahren in Meeren, Gezeitenniederungen, Wüsten und anderen Umgebungen ablagerten. Als sich dann die riesige Landmasse des Coloradoplateaus zu heben begann, wurden die hiesigen Gesteinsschichten zu einer gigantischen Falte aufgeworfen. Allmählich wurden viele der oberen Schichten der alten Falte vollständig weggewaschen, so daß heute nur eine Andeutung der früheren ungeheuerlichen Größe der Waterpocket-Fold bleibt. Während Wind und Wasser weiter langsam die Falte abtragen, entstehen aus dem Gestein neue Formen.
Unqote

 

Es ist nicht meine Art, einfach etwas abzuschreiben, aber da mir selbst das Hintergrundwissen fehlt und dieses Kapitel unserer Erdgeschichte für mich nie ein Thema war, habe ich mir das Zitat erlaubt.

Um den Park erst einmal zu erkunden ohne größer in die Tiefe zu gehen, sind wir den Utah Highway 24, auf dem wir gestern gekommen sind wieder ein wenig zurückgefahren. Hier gibt es einige Haltepunkte, denen wir entgegengefiebert haben, um uns dort umzuschauen, die Gewalten an Stein auf uns wirken zu lassen und ein paar Fotos zu machen. Bei den rotweißen Twin Rocks, dem roten Chimney Rock, am Castle und am Panoramapoint sowie am roten Goosenecks Overlook treffen wir immer die gleichen Leute. Lustig, ein Paar spricht uns an und wir erkennen in ihnen unsere flüchtige Frühstücksbekanntschaft aus New Mexico. Wir unterhalten uns ein wenig und dann fachsimpeln die Männer über Kamera und Linsenstärken, Vor- und Nachteile bestimmter Objektive und Belichtungszeiten. Da wir im gleichen Motel wohnen, sehen wir uns bestimmt noch und wollen bei der nächsten Begegnung die e-mail addies austauschen. Nett, sie haben uns auch von dem Ballonfestival in Albuquerque erzählt......

Es gibt für uns in diesem Land noch so viel zu sehen und zu erleben und die to-do-Liste reicht jetzt schon für eine nächste Reise, wir saugen immer noch alles auf wie ein Schwamm und begeistern uns für Farben, Formen, Höhen und Tiefen.

Wir folgen der 24 weiter und fahren an Klippen und Wölbungen des Reefs vorbei. Majestätisch ragen teilweise sogar weiße Steindome in den Himmel. Hätten diese Steinriesen eine Seele und einen Mund zum sprechen, was würden sie von unserer Spezies nur halten..... oder schweigen sie deshalb lieber?

Am Visitorcenter nehmen wir den Scenic Drive und fahren südlich in den Park hinein, hier kommen wir nach einer kleinen Historic Site (Mormonenhäuser, eine Schmiede, Äpfel zum selbst pflücken) zum Grand Wash (Schwemmland), der uns auf einer Schotterstraße in eine vom Wasser geschliffene riesengroße Schlucht mit fast senkrechten Wänden bringt. Der Wanderweg im Schotterbett ist bis zur engsten Stelle des Wash mit 2,5 Meilen angegeben.... 1 Meile ist 1,609 km...... Viele können das, ich nicht – aber wir gehen mal los soweit uns die Füße tragen und wir keinen Hitzekolapps bekommen. Überall stehen Schilder man soll diesen im Moment trockenen Weg im Schwemmbett meiden, da falls es regnet Überschwemmung droht und man hier dann nicht mehr so schnell rauskommt. Aber der Himmel ist blau und die wenigen Wolken und die hohen Felswände spenden ein klein wenig Schatten. Beim unterhalten merken wir, das es hier ein ganz eindrucksvolles Echo gibt. Nach knapp 2,5 Stunden kommen wir wieder am Parkplatz an und fahren weiter auf dem Scenic Drive bis fast zum Golden Thron.

Da gemäß Karte dort die schön zu befahrbarende Straße zu Ende ist, und Ro's Allergie auf was auch immer, wieder schlimmer wird und er merkt wie die Arme in der Sonne förmlich explodieren, Bläschen und Pusteln sich wieder füllen, treten wir den Rückweg an und machen in einer schattigen Picknick-Aera Pause mit Wasser und Cola, unseren mitgenommenen Sandwiches und Keksen zum Nachtisch. Der Himmel zieht sich langsam zu, als wollte er sagen, ihr wollt nicht mehr?? Na denn, ich auch nicht...... und schickt uns einen kleinen Schauer. So kalt es heute morgen auch war, wir hatten nur 1°C, so warm war es jetzt doch noch geworden und wir genießen die kleine Abkühlung.

In Torrey selbst, so erfahren wir an unserer Rezeption, gibt es den „Chuck Wagon Store“, wo es wirklich alles zu kaufen gibt, einen anderen Landen gibt es nämlich nicht. Wir lassen uns beraten und versorgen uns mit Medis gegen Rolfs Allergie die möglicherweise von Poison Ivy (schon auf dem Burrtrail) ausgelöst wurde, wenn wir das jetzt mal rekonstruiren.

Der Patient ist geduldig und inzwischen versorgt, es ist 18:00 Uhr und ich reserviere jetzt für heute abend einen Tisch im Rim Rock Restaurant und dann freuen wir uns auf ein wundervolles Steak.