1999 - Jahrtausendwende in Florida

 

Tag 11 - Montag 20.12.1999
Edison/Ford Winterhome

 

Wir sind heute ganz super drauf und gehen joggen. C ist ebenfalls wach und macht sofort mit. Schön! Heute laufen wir schon etwas mehr, wie beim letzten Mal und sind nach 20 Minuten wieder zu Hause. Eine kurze Duschung, ein Superfrühstück mit allem drum und dran, danach ein wenig Pool-Leben und Tagebuchschreiben. Dann ruft Markus an. Super, dass er sich wieder meldet. Er beschreibt jetzt auf Rolfs e-mail von gestern genau, für welche Mützen er sich interessiert und hat sich auch nach Flügen hierher erkundigt. Leider jedoch viel zu teuer für ihn. Wir sagen wir geben etwas dazu, aber es muss sich schon rentieren wenn er kommt. Sollte er erst am 30.12. einen Flug bekommen, dann steht das in keinem Verhältnis zu dem Preis. Markus ist unser Haushüter in Deutschland und kümmert sich um die Anrufe bei unseren Müttern und Vätern. Er repariert den Rolladen, der seinen Geist aufgegeben hat und ist sehr zuverlässig.

Zurück am Pool beschließen wir, heute mal ein wenig Kultur zu machen und uns mal Edisons/Fords Winter Home vorzunehmen. Wir fahren also, leider ohne Karte, da ich sie gerade noch im letzten Moment des Hausverlassens habe liegenlassen. Ich kann nur immer wieder Rolf Orientierungssinn bewundern, das ist etwas was mir so gar nicht gegeben ist. Das Wetter ist inzwischen super. Die Sonne scheint und eine leichte Brise lässt einen vergessen, dass heute bereits der 20. Dezember ist.

Ganz entspannt schließen wir uns einer Führung durch das Winter-Domizil dieses großen Erfinders an, sind zuerst überrascht über die Botanik in diesem wunderschönen Garten. Der Kitsch, der hier um den Schnee, der nicht vorhanden ist, betrieben wird ist nicht zu beschreiben. Abends mag das vielleicht schön aussehen, wenn die entsprechenden Lichterketten eingeschaltet sind, aber tagsüber zeigt sich dem Betrachter eine „Nightmare“ of Kitsch. Wallender Tüll zwischen Palmen, wie Samt anmutender Stoff auf dem Boden, künstliche Schneeflocken und alle Bäumchen, die annähernd auch nur ein Weihnachtsbäumchen mal werden wollen, sind übersät mit Lichtern und Kugeln und anderem Kitsch.

Selbst die Räume, die man nicht betreten darf, sondern nur von außen reinschauen, sind weihnachtlich geschmückt, ob die Tafel mit Teller und Gläsern, oder der Schreibtisch, der Kamin, das Schlafzimmer und und und..... Die Porch hat ebenfalls ein weihnachtliches Outfit. Wir sind ein bisi geschockt und fragen uns, wie das eigentlich ohne Weihnachten aussieht. Dieser ganze Firlefanz hat auch nicht mehr mit meinem geliebten Edelkitsch zu tun und lenkt von dem bißchen Geschichte, die die USA hat auch noch ab. Sehr, sehr schade. Versöhnt werden wir für dies alles bei der Laborbesichtigung und der anschließenden „self guided tour“ in dem Museum in dem noch einmal die einzelnen Erfindungen von Anfang bis zur Produktion ausgestellt sind.

Wir müssen erkennen, dass sich an so vielen Dingen bis heute nichts verändert hat, außer dass die Materialien möglicherweise ausgetauscht wurden. Die Glühbirne, die Batterie, das Telegramm, die Sprechpuppe, alles funktioniert auf Basis der von Edison gemachten Erfindungen – ein Wahnsinn in welcher Weise dieser Mann unser heutiges Leben richtungsweisend beeinflusst hat. Von den Autos, die Ford entwickelt hat ganz zu schweigen. Diese Freundschaft hat wohl so manche Entwicklung schneller entstehen lassen. Es ist phantastisch was wir noch alles erfahren, von dem wir keine Ahnung hatten, dass diese oder jene Erfindung auch von diesen beiden Herren ist. Toll!

So, aber nach dieser Tour haben wir erst einmal Appetit bis Hunger. Das nächste Taco Bel soll unser sein und lässt auch nicht lange auf sich warten. Das Essen schmeckt uns ganz gut, aber das Ambiente gefällt uns weniger. Nicht schlimm, aber wieder ein neuer Eindruck. Jetzt fahren wir gen Ft. Myers Beach um dort noch ein wenig am Strand entlang zu gehen, vielleicht ein Eis zu essen und um den Sunset dort zu genießen und zu fotografieren. Leider ist dieser Sonnenuntergang heute von Wolken begleitet, so dass wir eigentlich umsonst hier auf der Bank am Wasser auf das hineinplumpsen ins Meer gewartet haben. Dafür kommen wir vielleicht in den einmaligen Genuss heute Delphine ganz nah hier am Strand zusehen. Ob die Fotos was geworden sind? Auch die Pelikane lassen sich heute ganz nah von uns fotografieren. Damit ist unser Abend jedoch noch nicht zu Ende, denn wir warten noch auf eine bestimmte Mall, an der wir auf dem Nachhauseweg vorbeikommen müssen.

Es dauert nicht lange und wir sind da, Best Buy, ToY's r us, etc. warten darauf von uns aus-gekauft zu werden. Ein Bookseller erweckt zuallererst unser Interesse und wir schlendern und schlendern und lesen und schauen. Anschließend lassen wir uns von Best Buy noch einmal weihnachtlich inspirieren, Computer, CDs, und und und.... Im nächsten Laden gibt es dann Weihnachtsschmuck in Form von Lichterketten, denen wir nicht widerstehen können, sie sind um 50% herabgesetzt und kosten „nur“ noch 1,74 US$. Wahnsinn! Der Abend hier in dem Mall wird dann doch länger, wie eigentlich geplant und G setzt sich ab, er hat recht. Er geht zurück in den Buchladen, kauft sich ein Buch und einen Kaffee, ein Brownie und genießt beides in einem gemütlichen Eckchen in einem oldfashioned Ohrensessel. Geduldig nimmt er zwischendurch unsere Einkäufe in seine Obhut, damit wir dann zum entern des nächsten Geschäftes die Hände wieder frei haben.

So jetzt haben wir aber viel gekauft, jedoch nichts zu essen für heute Abend und es ist gleich 21.00 Uhr. Den Albertsons machen wir heute im Schnelldurchgang: Hackfleisch, Nudeln, Soßen, Gewürze etc. und dann nichts wie ab nach Hause, denn unser aller Magen hängt so ziemlich in den Kniekehlen. Zu Hause bereiten wir uns ein fürstliches Mahl und der Abend wird wieder länger wie angenommen. Es ist halt immer so gemütlich und wir haben uns viel zu erzählen. Das Fernsehen läuft, wenn das Radio nicht an ist und uns mit schönen amerikanischen Schnulzen versorgt. Wir reden und reden und gehen erst um 1.00 Uhr ins Bett.

Kurz nach 4:00 Uhr klingelt das Telefon. Mutti! Sie hat vergessen, dass es bei uns mitten in der Nacht ist und wollte nur mal hören wie es uns so geht......