1999 - Jahrtausendwende in Florida

 

Tag 12 - Dienstag 21.12.1999
Waschen, Backen und Hooters

 

Wir frühstücken noch gar nicht, als B. wieder anruft, sie hatte es gestern bereits probiert aber da waren wir nicht zu Hause. Ich unterbreite ihr unseren gemeinsam erarbeiteten Vorschlag, dass wir zu ihnen fahren, vorher Naples ansehen und sie dann gegen 17:00 Uhr vom Hotel abholen, um sie mit hierher ins Schlepptau zu nehmen. Sie ist davon wenig begeistert und wir einigen uns darauf, dass die beiden so gegen 17:00 Uhr zu uns kommen und wir dann gemeinsam was essen gehen. Wir anderen wollen eigentlich heute auch in die Mall, aber da der Abend gestern so lang war, und wir heute Abend noch größer Essen gehen wollen, wird daraus ein Pooltag mit selbstgebackenen Muffins. C und ich waschen außerdem die nötigsten Sachen und trocknen die Wäsche im Trockner.

Kurz bevor B und H hier eintreffen, kommen die Männer auf die Idee doch mal lieber nachzuschauen, wie teuer eigentlich unser Ziel der „Lazy Flamingo“ ist und was dort so auf der Speisekarte geboten wird. Neee, nicht im Internet – das gibt es zwar seit 1995 für „Jedermann“ aber wir hatten das 1999 noch nicht, bzw. war das noch nicht so informativ wie heute..... Unser Männer fahren mit dem Auto dort hin! Sie sind bald wieder hier und verkünden, dass es keine Speisekarte im Aushang gibt, aber dass die Tische wunderschön mit Stofftischdecken und Stoffservietten gedeckt sind. Wir wollten gerade in unseren Rabatt-Heftchen nachsehen, da klingeln B und H. Gemeinsam kommen wir dann auf die Idee zu Hooters zu gehen. Die Männer grinsen sich an und wir Frauen sind gespannt, was sich dahinter verbirgt.

Wir fahren also zu Hooters, das ist so ein Kultlokal. Die Bedienungen sind alle blutjung und haben supersexy Figuren. Sie stecken mit ihrem Superkörper in knallengen, orangefarbenen Hotpants, die Strumpfhosen verbergen eventuelle kleine Unebenheiten an den schlanken, wohlgeformten Beinen. Für Männer muss das eine Augenweide sein.... Die sehr engen T-Shirts verbergen den Oberkörper und lassen auf mächtig „Holz vor der Hüttn“ schließen. Die Mädels sind alle sehr hübsch und von jeder Nationalität ist was dabei. Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass das Essen so gut ist, wie die Mädels aussehen. Rolf und ich teilen uns einen Teller mit Crablegs und bestellen jeder steamed Shrimps. Hhhhm, das schmeckt ganz vorzüglich. Für das Coke gibt es sogar free refill.

Eigentlich hat diese rustikale, laute Kneipe mit tausend Fernsehern an den Wänden nicht das Ambiente, was man sich für solch ein Essen vorstellt. Tische und Stühle sehr rustikal und das Publikum sehr gemischt. Die bärtigen kräftigen Männer könnten Trucker sein, dann sind Familien mit Kindern dort, ältere Paare und junge Leute. Ob das dort das normale Publikum ist oder nur Leute, die so wie wir mehr oder weniger zufällig hier sind, können wir nicht beurteilen und legen diese Erfahrung unter so etwas wie „ganz nette Hafen- Spelunke ab. Die Shrimps waren sehr gut, aber auch mit 8,95 Dollar ganz schön teuer.

Jetzt wollen wir B und H noch das super schön beleuchtete Haus am Veterans zeigen. Sie sind genauso überwältigt wie wir, als wir es das erste Mal gesehen haben. Heute steigen wir alle aus und haben sogar Gelegenheit mit dem Besitzer zu sprechen. Er findet sofort heraus, woher wir kommen und wünscht uns auf Deutsch und mit Handschlag „fröhliche Weihnachten“. Wir sind sehr erstaunt. Er nimmt von den vorbeifahrenden Autos gerne die ihm zugereichten Spenden an, fragt wie viele Kinder im Auto sind und schenkt ihnen etwas aus dem gefüllten Stoffstiefel, den er in der Hand hält. Wir geben ihm auch eine Donation und fragen, wie viele Lichter er an und um sein Haus herum angebracht hat. Es sind etwas über 51.200. Er ist sehr stolz darauf. Als wir fragen, wie lange er dafür gebraucht hat, erfahren wir 7 Wochen. Ganz schön lange, das abbauen geht dann in 5 Wochen. Kaum zu glauben! Hoffentlich werden unsere (Papier-) Fotos etwas, damit wir eine schöne Erinnerung haben. (Info: der Beginn der Digitalfotografie in Deutschland wurde offiziell mit 1994 angegeben, wobei ein Fotoapparat ca. 2000 DM kostete. Der Kundenkreis blieb daher in überschaubarem Rahmen). B und H sind auch von dem Florida-Virus befallen und wollen ein Haus kaufen, sind ganz aufgedreht und meinen, wir könnten ja dann in Zukunft bei ihnen mieten. Wir verabschieden uns bald und zeigen ihnen noch in welcher Richtung sie wieder nach Naples kommen. (nein, ein Navi hatten wir alle noch nicht).

Zu Hause angekommen, nehmen wir noch einen Rotwein und den Rest von „Backdraft“ im TV, bevor wir müde ins Bett fallen. Morgen wollen wir spätestens um 8:00 aufstehen, weil wir nach Sanibel wollen und dort mit dem Fahrrad die Gegend unsicher machen.