1999 - Jahrtausendwende in Florida

 

Tag 13 - Mittwoch 22.12.1999
Sanibel und Bubble Room

 

Wir stehen heute um 8:00 Uhr früh auf, machen uns ein tolles Frühstück und fahren nach Sanibel und Captiva. Wir wollen dort Fahrräder mieten, um per Bike die Insel zu erkunden. Wir stellen uns das wesentlich ergiebiger vor, als mit dem Auto, aber weit gefehlt. Das Wetter ist ganz wunderbar, es ist herrlich warm und sonnig. Der blaue Himmel lädt zum Muschelsammeln am Stand ein. Gut gelaunt machen wir uns auf den Weg. Wir fahren noch ein Stückchen in die Inselmitte, damit wir mit dem Fahrrad nicht gar so weit strampeln müssen, um alles zu sehen. An dem zweiten Fahrradrental was uns begegnet, wollen wir dann mieten und müssen erfahren, dass die Räder nur für 3 Tage oder länger vermietet werden. Er schickt uns freundlicherweise zu einem anderen Rental, den wir aber erst nach einigem Suchen finden. Dort bekommt man jedoch nur ein Fahrrad, wenn man ein Resident ist. Schade, na dann eben nicht! Leicht angesäuert gehen wir zum Bowmans Beach und wollen Muscheln sammeln und uns sonnen.

Das Wetter ist einfach herrlich, wir sind sogar dieses Mal an einem Strandstückchen mit Toiletten und Umkleidekabinen. Ein kleiner Weg durch einen gemischten Wald über eine Brücke bringt uns an den muschelübersäten Strand. Wir schlagen unser Lager auf. Die zwei Strandstühle aus der Garage tun uns gute Dienste und in unserer Styropor-Box haben wir kalte Getränke und Sandwiches. Für die Herren legen wir die Handtücher in den Sand, setzen die Sonnenbrille auf und nehmen die Tüten in die Hand für die Muscheln.G und C sowie Rolf gehen sofort auf die Suche, aber ich möchte mich gerne erst ein wenig sonnen. Rolf kommt dann nach ca. einer Stunde alleine wieder, die beiden anderen sind noch am Strand außer Sichtweite. Ich schnappe mir jetzt ebenfalls eine Tüte und sammle ein paar schöne weiße und rosafarbene Muscheln. Irgendwann sind wir dann wieder alle beisammen und verspeisen genüsslich unsere mitgebrachten Sandwiches. Vergessen haben wir die Trinkbecher – aber da wir alle Durst haben, sehen wir das nicht so eng und trinken aus einer Flasche.

So langsam zieht von weitem Nebel auf, wir gehen im Moment noch davon aus, dass der gar nicht zu uns kommt und strecken unser Gesicht weiter der Sonne entgegen bzw. die Nase in ein Buch oder Heft. Der Nebel kommt näher und näher und es ist eine ganz eigenartige Stimmung. Regnen tut es nicht aber es ist ungewöhnlich feucht, feuchter als sonst und wir spüren ein leichtes aber angenehmes Prickeln auf der Haut. Den Horizont über dem Meer und auch rechts und links von uns kann man kaum noch sehen. Wir packen gemächlich zusammen, denn es ist sowieso gleich 15:30 Uhr und unsere Parkzeit ist zu Ende.

Dann wollen wir noch in das J.N. „Ding“ Darling National Wildlife Refuge. Auf dem Weg dorthin, denn Sanibel ist gar nicht so klein, freuen wir uns keinen Nebel mehr zu haben, aber das ändert sich sofort als wir in den Park kommen, da dort logischerweise auch viel Wasser ist. Nachdem wir uns im Visitor-Center einen kleinen Prospekt genommen haben, erklärt uns der Eintrittskartenverkäufer es wäre doch besser mit dem Auto in den Park zu fahren, da wir zu Fuß vielleicht doch nicht so weit kommen und wir hätten ja auch genug Gelegenheit überall zu halten und auszusteigen. Wir entschließen uns also 5 US$ für das Auto zu zahlen, anstatt 4 US$, wenn wir zu Fuß hineingegangen wären. Wie gut, dass wir das Auto hatten! Ich hätte ja wirklich was vermisst. Vorhin habe ich noch in dem Floridaheft darüber gelesen und jetzt fressen mich diese No-see-uhms fast auf. Ich hatte sie zwar vorhin schon zu spüren bekommen, als wir am Parkanfang unter den Bäumen auf Rolf gewartet haben, obwohl ich Abstand von den Bäumen genommen hatte. Was sich jetzt hier in dem Mangrovenwäldchen abspielt, kommt einer Attacke gleich. Die fallen über mich her, als hätte es das ganze Jahr noch keine Touristen zu verspeisen gegeben. Naja, ich flüchte ins Auto und schaue mir die seltenen Wasservögel nur von weitem an.

An einer anderen Stelle können wir einen schönen Weg rein laufen, ohne gleich gebissen zu werden und haben dort gute Sicht auf die rosafarbenen Löffler, die man bei uns gar nicht sehen kann. An so einem kleinen Aussichtspunkt kann man durch ein aufgestelltes Fernglas die Reiher oder ähnliche Wasservögel ganz nah beobachten. Jetzt sind wir nur noch gespannt, ob wir ein Stück weiter trotz dem inzwischen wieder dicken Nebel auch noch das angepriesene einzige Krokodil in dieser Region zu sehen bekommen. Alles andere sind ja Alligatoren. Wir schauen enttäuscht nach rechts und links und können nichts entdecken. Die Dämmerung kommt so langsam zu dem Nebel dazu und es ist richtig gespenstisch. Wir steigen aus dem Auto, weil vor uns einer hält und erspähen doch tatsächlich einen Alligator so richtig faul am Waldesrand. Ihn und uns trennt nur ein kleines Wasser, und nach einigen Fotos mit unterschiedlichen Belichtungszeiten entschließen wir uns weiterzufahren um jetzt den Bubble-Room aufzusuchen und dort zu Abend zu essen.

Der Bubble-Room wird in allen Reiseführern über Florida genannt. Das hätten wir uns ja denken können, dass die nicht gerade nur auf uns gewartet haben und deshalb müssen wir uns hinten anstellen bzw. auf einem kleinen Bänkchen warten. Nach etwa 20 Minuten sind wir bereits dran, werden aufgerufen und zum Tisch begleitet. Der Bubble-Room sieht von innen genauso umwerfend, wie von außen aus. Bestückt mit allem möglichen, was man sich nur vorstellen kann. Alte Fotos von inzwischen verstorbenen Schauspielgrößen, Bändchen, Schleifen, Püppchen und Aquarien an den Tischseiten. Die Tische haben eine Glasplatte unter der wiederum alles mögliche zum anschauen liegt. Alte Prospekte, Kinoprogramme, kleine Figürchen, Plastikspielzeug von anno dazumal und und und....

Mit der Speisekarte und der dazugehörigen Waitress im Pfadfinderlook sind wir alle etwas überfordert, sie rasselt so schnell alles runter, dass wir kaum folgen können. Also beschäftigen wir uns erst einmal selbst mit der Speisekarte. G entscheidet sich für ein Steak mit Knoblauch, Rolf nimmt Nudeln mit Fleischsoße, C hat sich für Baked Potato und Maki Maki entschieden und ich freue mich auf Golfshrimps mit Baked Beans. Jeder noch ein Getränk und wir harren der Dinge die da auf uns zukommen. Zuerst bekommen wir Brot, so ähnlich wie Pizza mit Parmesankäse und süße Hefestückchen mit Rosinen und Zimt. Es dauert nicht lange und wir bekommen unser langersehntes Essen. Wahnsinn meine Baked Beans haben sich doch tatsächlich von der Bestellung bis zum bringen in eine Baked Potato verwandelt. Kein Problem, Rolf hilft aus, mir genügt das auch ohne Kartoffel.

Wir schlemmen nach Strich und Faden und beschließen zum Nachtisch pro Familie nur ein Stück Kuchen, für je US$ 5,95 mit nach Hause zunehmen, um ihn dort mit Kaffee zu genießen. Die nicht aufgegessenen Buns packt uns die Pfadfinderin ein und rundet auf 4 auf, damit zum Frühstück jeder eins hat. Total zufrieden und satt bis zum abwinken verlassen wir den Bubble-Room und machen uns auf den Heimweg, doch zuerst brauchen wir noch eine Tankstelle, da wir sonst nicht mehr lange weiterfahren können. Gerade noch rechtzeitig fällt uns beim vorbeifahren am Albertsons ein, dass wir für morgen früh kein Toastbrot mehr haben.

Zu Hause angekommen, machen wir uns zwar noch einen Kaffee aber den Kuchen heben wir für morgen auf. Rolf geht noch ins Internet und ich schreibe den vergangenen Tag auf.