1999 - Jahrtausendwende in Florida

 

Tag 15 - Freitag 24.12.1999
Naples und Heilig Abend

 

Heute ist Heilig Abend, kaum zu glauben, der Himmel ist blau, die Sonne scheint uns zeigen zu wollen was sie kann und nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Naples. Wir nehmen einen kleinen Umweg über den German Market, Rolf möchte Zeitungen kaufen. Die gibt es - jedoch 3 Tage alt, also bringt er mal den Spiegel mit und geht erst in ein paar Tagen wieder hin.

Wir fühlen uns hier täglich wohler und müssen aufpassen, dass wir nicht vergessen, dass wir hier nur Urlaub machen und nicht wirklich hier wohnen. Ich kann mir hier eine Zeit von einem Viertel- oder einem Halbjahr ganz wunderbar vorstellen. Aber heute steht erst einmal Naples auf unserem Fahrplan. Die Fahrt auf der 41 South geht in dichtem Verkehr recht „langsam“ voran, da jede Ampel rot ist und die Leute doch ein wenig hektischer, wie sonst fahren. Das von uns angepeilte Teddybär-Museum finden wir nahezu auf Anhieb, müssen jedoch leider feststellen, dass es um 12:00 Uhr schließt und es jetzt schon 20 vor 12:00 Uhr ist. Wir gehen trotzdem rein und freuen uns, diese vielen tausend (4.000) Teddies aus aller Herren Länder ansehen zu können. Die meisten sind hinter Glas und das wird beim fotografieren etwas schwierig wegen der Scheiben und dem Reflex, aber C und ich sind kaum zu halten. Es gibt ja sooo viele Teddies, erstmal in allen erdenklichen Farben, auch mit gemustertem Pelz und mit verschiedenen Bekleidungen, als Braut, als Tiroler, als Mermaid, als was weiß ich...….. Alles was man sich nur im entferntesten vorstellen kann, gibt es hier als Teddybär.

Ninja-Turtels oder eine Blüte einer Phantasiepflanze alles als Teddy gearbeitet. Viele der Bären sind handgemacht, sogar welche aus Deutschland. Alle haben ein Schild mit einer Nummer und ein Schild was aussagt, wer den Teddy gearbeitet hat, woher er stammt oder wer in gestiftet oder geschenkt hat, oder wo er gefunden wurde. Es ist schier unglaublich. Im Exit-Bereich steht ein Weihnachtsbaum der nur mit Teddies geschmückt ist, sowie ein Adventskranz an der Wand, ebenfalls mit vielen Teddies geschmückt. Leider ist es schon bald 12:00 Uhr und wir müssen das kleine Museum“chen“ verlassen, es war von der Grundfläche her gar nicht groß. Der Gift-Shop will zwar auch gerade schließen, aber nachdem wir höflich fragen, dürfen wir noch ein wenig stöbern und so bekommen 3 Teddybären ein neues zu Hause. Die Weihnachtsbären sind 50% off! C und ich entscheiden uns für einen ganz hellen Teddy mit einem etwas melancholischen aber wunderschönem Blick und einer Riesenschelle an einer karierten Schleife um den Hals. Mr. Naples sitzt nun hier in Florida und sieht mir beim schreiben zu. Ein kleines Bärchen mit einem roten Skipullover wird auch noch C's Eigentum und wir ziehen glücklich ab Richtung historic District, um eine Trolleytour zu machen.

Das Visitor-Center hat heute geschlossen, dort hätte man die Karten kaufen sollen und so nehmen wir an, dass auch keine Trolleytour stattfindet. Wir machen uns auf den (Fuß-)Weg, um ein paar Dinge aus der Nähe bewundern zu können, insbesondere richtig teure Läden und wunderschöne Häuser, wie man sie aus Spielfilmen von besser gestellten Familien kennt. Schnell sind 1 – 2 Filme voll geknipst. Bald erreichen wir den Strand und fangen wirklich an zu frösteln, der Wind bläst mit allen Backen, die er aufblasen kann und wirbelt uns durch die Haare, lässt uns eine Gänsehaut bekommen, obwohl die Sonne aus allen Knopflöchern scheint. Wir finden noch ein paar schöne Muscheln und gehen dann auf das Pier, um die Pelikane aus nächster Nähe zu sehen, zu fotografieren und ihre Start- und Landekünste zu bewundern. Die Möwen stehen in der Luft, sie brauchen kaum einen Flügelschlag, um in der Luft zu bleiben, der Wind tut das übrige. Wahnsinn!!

So langsam müssen wir jedoch schon zurückschlendern, denn wir wollen ja noch unseren Vogel für heute Abend braten und brauchen noch einen gescheiten Wein aus dem Liquor-Shop, da der Wein vom Albertsons eher wie Himbeerlimonade schmeckt.
Auf dem Weg zum Auto kommen wir an der Feuerwache vorbei, in der zwei blitze-blanke auf Hochglanz gewienerte Feuerwehrautos und ein Paramedicswagen steht. Wir schleichen so drumherum, und da wir vor ein paar Tagen im Fernsehen „Backdraft“ gesehen haben, vergleichen wir was wir aus dem Film noch so wussten. Es dauert nicht lange, es ist noch eine Familie mit zwei Kindern da, und zwei Feuerwehrmänner kommen und zeigen uns alles, was uns interessiert. Fragen werden geduldig beantwortet und wir bekommen alles vom Sauerstoffgerät über hydraulische Zange und Ersatzgeräten gezeigt. Zwischendurch piept ab und zu mal der Funk, aber sie müssen Gott sei Dank nicht ausrücken. Zu gerne hätten wir das mal gesehen.

Als wir gerade wieder am Auto angekommen sind, natürlich nicht ohne vorher noch viele schöne Bilder zu machen, da rauscht mit großem Tatü-Tata doch tatsächlich die Feuerwehr an uns vorbei. Oooch, das hatte sich doch wirklich nur um ein paar Minuten gehandelt und wir wären mittendrin gewesen. Vier Hälse recken sich und vier Stimmen sagen gleichzeitig: das sind „unsere“ Jungs.

Zu Hause nach einem kurzen Stopp am Walgreens Liquor-Shop angekommen, macht sich C gleich ans Werk und der Puter kommt gewürzt in den Ofen. Wow, toll! Er riecht von Minute zu Minute leckerer. Jetzt ist er fast 2 Stunden drin. Ich habe in dieser Zeit ein paar e-mails geschrieben und den heutigen Tag zu Papier gebracht. Sitze hier in noch bequem in einer Jogginghose und einem T-Shirt, um mich herum Weihnachtsstimmung in Form von Lichtchen und Teelichtern, die nach backed Cookies riechen. Rolf stöbert im Spiegel, G schaut fern, C wäscht ihre Muscheln, die sie gefunden hat. Mit anderen Worten, jeder macht was ihm gefällt und ist froh und glücklich dabei. Wir wollen dann in Ruhe speisen und werfen uns vorher noch in Schale, dann kommt bestimmt auch noch das Christkind vorbei, denn es hat kleine Geschenke schon unter den künstlichen Baum mit blauen Lichtern gelegt. Frohe Weihnachten!

C und ich machen uns jetzt schick und dann kommt das Christkind. Man ich bekomme ja wirklich noch eine Überraschung, daran und vor allen Dingen was es ist, hätte ich nicht zu glauben gewagt. Rolf hat es doch tatsächlich fertig gebracht und mir die Barbie gekauft, die mir vor ein paar Tagen in einer Mall so gut gefallen hat. Wie schön, jetzt habe ich wieder eine, sogar eine Millennium Edition. Meine Jugendbarbie musste ich vor einem Jahr entsorgen, da sie so einige Kellerüberflutungen nicht schadlos überstanden hat. Ich freue mich sehr darüber, denn sie ist wunderschön angezogen und sieht eigentlich aus, als wäre sie einem Südstaatenroman so wie „Charlotte“ oder „Scarlett“ entsprungen. Rolf freut sich auch sehr über die gelben Chipolinireifen für sein Fahrrad, die ich in Deutschland gekauft und mit hierher genommen habe, also nur die Schläuche ohne Felgen. Von G und C bekommen wir zwei Espressotassen passend zu unserem Service geschenkt, wow das ist ja ganz toll. Ich habe natürlich mein Geschenk von Rolf an, denn ich hatte es schon an unserer Familienweihnachtsfeier zu Hause am 2. Advent bekommen.

Jetzt verspeisen wir genüßlich unseren Truthahn, der wirklich supergut gelungen ist und läuten einen gemütlichen Abend ein.