1999 - Jahrtausendwende in Florida

 

Tag 17 - Sonntag 26.12.1999
Ringling Museum und Marie Selby Botanical Gardens

 

Heute frühstücken wir nicht ganz so früh, aber trotzdem sehr gemütlich. Wir stellen fest, dass die Temperaturen weiter gesunken sind. Die Sonne knallt zwar von strahlend blauen Himmel herab, kein Wölkchen ist zusehen, auch nicht in weiter Ferne aber der Wind bläst erbarmungslos eisig. Wir beschließen, heute nach Sarasota in das Ringling Museum zu fahren und uns die Rubenssammlung und die diversen italienischen und holländischen Meister anzusehen, sowie das dazugehörige Zirkusmuseum.

Es ist wirklich sehr beeindruckend in welchen Größenordnungen sich das alles abspielt. Die Rubensbilder passen in keinen normalen Raum rein, dazu musste erst einmal ein Gebäude gebaut werden, wo sie reinpassen. Mit 9 US$ pro Besucher wird wohl diese wundervolle Anlage erhalten und gepflegt. Nach Rubens und ähnlichen „alten“ Meistern erwartet uns ein Wandelgarten in dem wir Bronzefiguren verschiedener olympischer Disziplinen bewundern können. Filigran, wie jede kleine Muskelfaser zu erkennen ist, die Gesichter der Sportler und die Köpfe der Pferde mit Augen und Geschirr, als wäre es ein lebendes Objekt. Das Highlight ist der David in Übergröße, der über den ganzen mit Bougainvillea bepflanzten Garten hinweg schaut. Die Säulen spenden den Schatten und obendrauf befinden sich in gleichmäßigen Abständen Steinfiguren aus altertümlichen Zeiten.

Es ist weiterhin sehr kalt und wir hechten über die wunderbar gepflegte Anlage, um in das Zirkusmuseum zu gelangen. Dort erwarten uns allerlei Reklameschilder vergangener Zeiten. Die Artisten sind als Puppen dekoriert mit den Anzügen, die sie damals trugen, die Kunststücke sind beschrieben und mit alten schwarzweiß Fotografien dekoriert. Es ergibt ein richtiges Bild und die musikalische Untermalung sorgt für die entsprechende Zirkusstimmung. Menschen sind hier sowieso genug vorhanden. Wir empfinden es als sehr voll. Weiter hinten in den Räumen stehen echte alte Zirkuswagen (dabei ist das noch gar nicht so lange her) und es sind Modelle der einzelnen ineinander übergehenden Manegen aufgebaut. Als ich ein Foto von einem beweglichen Modell mache, werde ich gleich zur Ordnung gerufen, sorry – ich hatte das Schild wirklich nicht gesehen – man darf hier keine geblitzten Bilder machen, das schadet wohl den Materialien.

Anschließend besuchen wir Marie Selby Botanical Gardens insbesondere wegen der Orchideen, der ist nur ein paar Straßen entfernt. Wir frieren uns halb kaputt und wissen nicht, was wir noch anziehen sollen, so viel haben wir heute gar nicht dabei. Die Badesachen werden wir wohl in den nächsten Tage nicht brauchen. Hier gibt es auf jeden Fall ein wunderbares Orchideen- und Bromelienhaus mit entsprechend temperierter Luft und Feuchtigkeit. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus, hier kann unser Palmengarten zu Hause nicht mithalten, schon gar nicht mit dieser Größe und Vielfalt, wie hier meine geliebten Orchideen wachsen. Es gibt Cadelaya in allen erdenklichen Variationen und Farben und wie soll es anders sein auch Vandas in rot, lila purpur und auch Phaleanopsis sind in allen möglichen Farben und Formen vorhanden. Ganz seltene Arten präsentieren sich im schönsten Kleid und im Nu ist schon wieder ein Film verknipst. Wir können uns kaum sattsehen an dieser Pracht..... und außerdem ist es hier drin so schön warm.

Wieder draußen in der Kälte durchlaufen wir einen prachtvoll angelegten Garten mit unterschiedlichster Vegetation, die wir schon teilweise in Edison/Fords Winterhome gesehen haben, aber vieles ist uns trotzdem noch fremd und wir sind über die Vielfalt sehr erstaunt. Das Haus von Marie Selby ist ebenfalls zur Besichtigung freigegeben, eingerichtet von Stuck & Ruby (einer der teuersten Innenausstatter in Florida). Diese Firma hat hier ganz hervorragende Arbeit geleistet, sehr geschmackvoll und farblich aufeinander abgestimmt. Wir bestaunen die unterschiedlichen Räume, angefangen von Frühstücksraum, Essenstrakt, Living Room, bis zum Kaminzimmer.

Ganz gefangen von diesem wunderschönen Einrichtungsstil, überlegen wir doch tatsächlich, was wir zu Hause verändern könnten, um annähernd so ein Zimmer hinzukriegen. Es sieht aber auch wirklich ganz zauberhaft aus, hier stimmt alles über Möbel, Tapete und vor allen Dingen diese liebenswerten Kleinigkeiten die geschmackvoll zusammengetragen wurden und entsprechend dekoriert sind. Wir reißen uns mit Gewalt los und wollen noch den Schmetterlingsgarten sehen, der aus einem ca. 3 - 4 m² großen Stück abgegraster Sträucher, Petersilie und Veronika besteht.

Ich glaube, wir vergessen manchmal wirklich, dass es Dezember ist und meinem Gefühl nach bewegen wir uns trotz Sonnenschein im Moment nahe der 0°C Grenze. Den anderen ergeht es ähnlich und wir beschließen uns wirklich langsam auf den Heimweg zu machen. Der Plant-Shop lockt und wir nehmen eine rote Vanda und eine lila-blaßrosa-farbene Cattleya mit. Für Carsten finden wir noch zwei blühende Tirlanzien, eine wunderschöne Blaue und eine andersblütige Rote. Draußen auf dem Parkplatz angekommen tut sich ein Reichtum von normalen Tirlanzien auf und wir sammeln ein paar Kleine ein.

So langsam stellt sich doch wieder der „kleine Hunger“ ein und wir kommen ja gerade so ganz zufällig an einem Burger King vorbei. Wir nehmen alle das So-und-so-Dinner oder Meal und bekommen die Antwort, welches denn? Es gibt davon 6 …. hhm .... und wir dachten, wir wären inzwischen fit in Sachen Bestellung von Fastfood.

Mittlerweile ist es ganz schön dunkel geworden und da wir noch einkaufen müssen und erst jetzt nach fast einstündiger Fahrt fast zu Hause sind, gehen wir in den Publix anstatt zum Albertsons, entscheiden uns aber nach Preisvergleich nur die wichtigsten Sachen mitzunehmen, da der Preisunterschied doch gewaltig ist. Heute Abend gibt es die aufgetauten eingefrorenen Steaks mit Potatoes und Sourcream im Salsa Style.