1999 - Jahrtausendwende in Florida

 

Tag 18 - Montag 27.12.1999
gemütlich unterwegs in Cape Coral

 

Heute haben wir uns wieder keine Wecker gestellt, damit wir schön ausschlafen können, das Wetter macht im Moment ein wenig Kapriolen – so kalt hatten wir uns das ja eigentlich nicht vorgestellt. Wir frühstücken relativ spät und als die Sonne lacht, merken wir eigentlich erst, dass es erstaunlich warm ist und wir unsere Badesachen ruhig einstecken können. Wir wollen in den Swamp, den man hier in der Nähe auf einem etwa 3 km langen Steg durchlaufen kann. G ruft noch bei seiner Mutter an und muss erfahren, dass sein Vater auf der Intensivstation liegt, da er am 24.12. ins Krankenhaus gekommen ist und operiert wurde. C und G sind verständlicherweise ziemlich traurig und niedergeschlagen, denn aus der Ferne ist man noch hilfloser als direkt dabei.

Wir entscheiden uns für einen gemütlichen, flexibel gestalteten Tag mit möglicherweise mehreren Stationen, mal sehen - was uns so begegnet. Mein Wunsch nach Sally's Beauty Supply wird von C sofort aufgenommen und die Herren wollen sich um eine Telefonkarte kümmern, damit wir endlich alle mal die Möglichkeit haben von hier aus zu telefonieren, ohne die Rechnung des Angerufenen zu belasten.

C und ich stürmen Sally's und werden auch mit allem, was ich noch so möchte, fündig. Meine Nägel haben es inzwischen bitter nötig und ich nehme mir eine kleine Packung Acryl etc. mit, um die Nägel aufzufüllen. Auch hier rümpft die Shopmanagerin wieder die Nase, als ich ihr sage, in Germany macht man die Nägel mit Gel und UV. Wir beide C und ich stromern weiter durch den Laden und haben eine gewaltige Rechnung als G und Rolf uns abholen und „auslösen“. Augencreme, Körperlotion, Nagellack und Entferner, Korrekturstifte, Feilen und Buffer, Dekostifte für die Nägel......

Rolf und G sind wirklich fündig geworden und haben Telefonkarten gekauft. Wir möchten ja alle gerne mal zu Hause anrufen. Super, dann können wir jetzt also weiter und da die Sonne inzwischen scheint, nehmen wir Ft. Myers Beach in Angriff und vertagen die Tour durch den Swamp mit seinem Steg. Auf dem Weg zum Strand kommen wir dann also eigentlich ohne, dass wir danach suchen müssten, auf der Summerlin bzw. McGregor an diesen Beachoutlets vorbei. Wir halten kurzerhand und probieren auch ein paar Sachen an. Ich finde es einfach zu teuer und lege die Sachen ohne Reue zurück. In dem zweiten Markt finden wir jedoch ein wunderschönes Schlaf-T-Shirt für meine Freundin zu Hause. Das werden wir ihr mitbringen, denn sie kümmert sich so lieb um unsere Post und Blumen. Es hat einen gestickten goldenen Flamingo auf der Vorderseite und sieht sehr edel aus.

Die Sonne lacht und wir wollen jetzt wirklich straight ahead ab nach Ft. Myers Beach. Bereits vor der Brücke zuckelt der Verkehr nur so voran, stop and go – es ist kaum zu glauben, die wollen doch wohl nicht alle zum Strand? Oh doch - so langsam kommt uns der Gedanke, dass hier viele Menschen zwischen den Jahren frei haben und die Zeit ebenfalls am Strand verbringen wollen. Kein Wunder, das Klima lädt ja gerade dazu ein. Wir kommen noch über die Brücke und müssen erkennen, dass wir keinen normalen Parkplatz mehr bekommen. Es gibt da ganz Schlaue, die verkaufen ihren Platz für sage und schreibe 4 US$ und es ist jetzt schon 15:00 Uhr. Also für 1 – 2 Stunden DM 8,00 das machen wir wirklich nicht.

So langsam bekommen wir auch wieder mal ein Zeichen von dem kleinen Hunger, der sich immer mal wieder einstellt und nehmen deshalb auf dem Weg zum Cape Coral Beach, irgendein Fastfood was uns begegnet. Einen Burger oder Hot-Dog oder ein Sub mit (Submarine = Sandwich was aussieht wie ein Baguette-Brötchen, das supergut belegt ist). Ein richtig amerikanisch angehauchtes Imbisshäuschen erweckt unser Interesse, wir halten an und ordern. Frisch gestärkt fahren wir weiter, Richtung Cape Coral Beach, aber den Hunger sind wir nicht losgeworden, nein das hat so richtig Appetit gemacht. (Was wir gegessen haben, hatte ich wohl damals nicht aufgeschrieben?)

Auch C ist ganz beeindruckt von dieser schönen Gegend, in der wir im vergangenen Jahr gewohnt haben. In diesem Jahr gefällt es uns ja auch ausgesprochen gut, das kann man jedoch nicht vergleichen. Jedes Eckchen von Cape Coral hat etwas für sich. Der Strand ist wie immer leer von Menschen und Muscheln, nur ein bis zwei Paare spazieren entlang oder sitzen auf einer Bank. Ein paar „alte“ Herren klönen als sie mit ihrem Boot reinkommen noch ein wenig. Man kann zwar nichts verstehen, aber die Art wie sie sich bewegen und miteinander umgehen lässt doch stark vermuten, dass es ihnen sehr gut geht und sie hier zufrieden und glücklich leben. Dabei keimt in mir immer wieder der Wunsch auf, hoffentlich mit Rolf gemeinsam, in guter Gesundheit steinalt werden zu dürfen und das Leben hier an dieser Sonnenseite so richtig mit dem von uns in Germany verdienten Geld genießen zu können. Ist das nicht herrlich, diese strahlenden sonnengebräunten Menschen zu sehen, denen es offensichtlich gut geht in diesem Land von dem wir immer wieder den Eindruck haben: hier lässt es sich leben.

Der Wind frischt auf, bzw. die Sonne hat um 16:45 Uhr nicht mehr die Kraft uns so richtig zu wärmen. Jeder schuckert und fröstelt, aber keiner sagt, kommt wir packen. Irgendwann brechen wir auf und nehmen Kurs auf Albertsons, bei dem wir heute viel Geld lassen. Sonnenmilch, Aloe Vera Gel und Aspirin für zu Hause und noch Lebensmittel für die nächsten Tage hier. Da wir vergessen hatten, heute morgen bevor wir das Haus verließen, Hackfleisch aus dem Gefrierschrank zu nehmen, kaufen wir jetzt Pizza zum aufbacken im Ofen und ein paar Golfshrimps, um die Pizza aufzuwerten.

Am Ausgang erhalten wir sogar endlich Briefmarken, damit wir unsere geschriebenen Karten frankieren und wegschicken können. Das mit dem Briefträger hier wie im vergangen Jahr, funktioniert leider nicht. Ich habe bereits am 23. an Mutti eine Karte geschrieben und das Geld für die Briefmarken mit der Karte in unseren Briefkasten gelegt. Die Fahne habe ich nach oben gestellt, mit dem Erfolg, dass der Briefträger die neue Post dazugetan hat, ohne meine Postkarte und das Geld mitzunehmen, aber jetzt haben wir ja ein paar Briefmarken. Heute haben wir jedoch Post bekommen, von unseren Vermietern, sehr sehr nett, wir sollen die Weihnachtsdeko benutzen und sie wünschen uns eine schöne Zeit, ich werde ihnen auch eine Karte schicken.

Nach unseren leckeren Pizzen gibt’s heute im Fernsehen: „der Geist und Mrs. Muir“ und „my Girl 2“. Bei dem ersten Film waren wir ja wirklich total begeistert, weil wir jedes Wort verstanden haben. Rolf und G sitzen beide mit einem Lexikon bewaffnet vor dem Fernseher und Rolf schreibt auch noch idiomatische Begriffe mit, damit man dies zu Hause auch mal anwenden kann. Aber bei dem zweiten Film werden wir ganz schnell auf den Boden der Tatsachen gebracht, denn wir verstehen kaum etwas. Gut, dass ich den Film schon in deutscher Sprache gesehen habe, sonst hätte ich auch nicht verstanden, um was es überhaupt geht. Trotzdem werden wir morgen Abend wieder vor dem TV sitzen und uns an einem schönen Film erfreuen.