1999 - Jahrtausendwende in Florida

 

Tag 22 - Freitag 31.12.1999
Jahrtausendwende an Ft. Myers Beach

 

Heute wollen wir schon früh an Ft. Myers Beach sein, damit wir so richtig in den Silvesterabend hineinschlittern. Alle unsere Vorstellungen strafen uns Lügen über das, was sich hier wirklich abspielt. Wir kommen uns vor, wie in einem Film, einfach mittendrin und dabei. So ist Amerika.... aber jetzt erst mal schön der Reihe nach:

Wir hatten uns vorgenommen vor der Matanzas-Pass-Brücke zu parken, dann mit dem Beachtrolley über die Brücke zu fahren und ein wenig das Strandleben zu genießen, mit Sand, Sonne, Sonnenöl und allem was dazugehört. Ein Picknick hatten wir ebenfalls wieder eingepackt. Wundervollen selbst gemachten Reissalat nur hatten wir hierfür wieder die Löffel und Gabeln vergessen, aber man ist ja erfinderisch. Zum Sonnenuntergang wollen wir zum Lani Kai (mit Live Musik) und dort beim Sonnenuntergang einen Drink nehmen. Andere Klamotten haben wir mitgenommen, um uns nach dem Strand und Sonnenuntergang im Auto umzuziehen. Dann wollen wir wieder auf der anderen Seite der Matanzas-Pass-Brücke im „The Bridge“ (heute Doc Ford's) unser Abendessen einnehmen. Auf die „waiting list“ gegen 20:30 Uhr haben wir uns schon gestern eintragen lassen. Danach geht’s wieder zurück nach Ft. Myers Beach um rechtzeitig einen Sekt zum Jahrtausendwechsel und einen guten Standplatz für das zu erwartende Feuerwerk zu ergattern.

Unser Plan konnte fast eingehalten werden. Wir haben sofort vor der Matanzas-Pass-Brücke einen wunderbaren kostenlosen Parkplatz direkt an der Trolleyhaltestelle gefunden und sind ganz stolz darauf. Wie sich später raus stellt, brauchen wir darauf gar nicht stolz zu sein, denn dieser Parki wird kaum frequentiert. Da es jetzt doch schon etwas später ist, wie erwartet, nehmen wir unser Picknick im Auto ein, es geht auch ohne Gabeln für den Reissalat, die Sandwiches schmecken uns auch ganz hervorragend und wir genießen dies alles am Rande der Brücke. Anschließend schnappen wir unsere Handtücher und Fotoapparate, wir wollen noch einen schönen Platz am Strand ergattern und uns noch ein paar Stunden in die Sonne legen.

Also so ein Beachtrolley ist im Moment weit und breit nicht in Sicht und wir beschließen über die Brücke zu laufen, das tut auch mal ganz gut, denn so viel Bewegung wie wir uns eigentlich vorgenommen hatten, haben wir lange nicht gehabt. Die Idee über die Brücke zu laufen, war gar nicht schlecht, denn so konnte man endlich mal das fotografieren, was man sonst vom Auto aus nur so über das Mäuerchen erspähen kann. Nach gut 10 Minuten sind wir am Ft. Myers Beach und müssen feststellen, dass am Strand kaum noch ein freies Fleckchen Sand zu haben ist. Das ist ja schier unglaublich, wo kommen denn auf einmal all diese Menschen her? Ft. Myers Beach voll? Das glaubt einen niemand!

Die Luft wabert vor Hitze, Sonnenöl und Menschen die einfach fröhlich sind und wahrscheinlich bereits seit Stunden Silvester feiern. Die Amerikaner sind alle voll ausgestattet mit Kühlbox, Getränken, Radio (leise), Kind und Kegel, Sonnenschirm und Standstühlen und eine Gruppe hat eine wunderschöne Sandburg gebaut. Diese Burg ist höher und größer als wir und hat ganz viele Fensterchen, in denen überall eine Kerze steht, die wohl heute Abend, wenn es dunkel wird, angezündet wird.

Wir suchen uns noch auf dem gepflasterten Teil des Strands eine Bank in der Sonne, strecken unser Gesicht der Sonne entgegen und C beschließt einen Einkaufsbummel durch die lockenden kleinen Lädchen zu machen. Nicht lange und sie ist wieder da und sortiert ihre Prospekte. G telefoniert inzwischen von einem Automaten aus und Rolf und ich sind glücklich hier zu sein und diesem bunten Treiben am Strand zusehen zu können. In der gepflasterten Fußgängerzone sind bereits Buden, die gekühlte Getränke verkaufen aufgebaut. Das Polizeiaufgebot nimmt zu, wir sehen einige Sheriff-Wagen. So gegen 16:00 Uhr machen wir uns am Strand entlang auf den Weg zum Lani Kai und begegnen tausenden von Menschen, die alle jetzt schon fröhlich „Happy New Year“ rufen.

Ich wusste bisher nicht, dass dieser Strand so vielen Menschen Platz bietet. Ein bisschen Glück muss man haben, denn wir finden tatsächlich noch einen super schönen Platz auf den Holzbänken vor dem Lani Kai am Strand. Hinter uns Live-Musik und vor uns 10 bis 15 geankerte Yachten und Boote, deren Insassen wohl mal gerade zum Sonnenuntergang hier angehalten haben und so wie wir einen Drink nehmen. Wir ordern erst mal Cola, das ist am unverfänglichsten und am einfachsten. Möwen, Kinder, Boote, Sand, Meer und Sonne die sich langsam aber wirklich ganz langsam zum letzten Mal in diesem Jahrtausend dem hiesigen Horizont entgegen neigt. Die Stimmung ist einmalig, traurig, wehmütig, hoffnungsvoll und jeder denkt und empfindet dabei etwas anderes. Man ist versucht, mit allen Poren des Körpers diese Stimmung aufzunehmen und einzufangen um die Erinnerung daran zu etwas ganz besonderem werden zu lassen.

Das zweite Cola lässt dann auch nicht lange auf sich warten, wir sind richtig durstig aber wahrscheinlich wäre Wasser die bessere Entscheidung gewesen. Ab und zu sehen wir am Himmel solche Paraglider, die sich prachtvoll gegen den Abendhimmel abheben. Die Boote werden langsam weniger und man vermutet nicht, wer da alles mit hocherhobenen Stühlen in der Hand vom Strand aus zu einer Yacht durch das flache Wasser watet. Neben uns ist eine Gruppe von übermütigen Jugendlichen, die sich mit Schläuchen aus einem Bierfässchen gegenseitig das flüssige Brot in den Hals schütten. Ob die Silvester noch erleben, bezweifeln wir heftig. Aber sie stören niemanden, es geht alles fröhlich und ausgelassen von statten. Vor uns spielen andere mit einer Frisbeescheibe, ein paar Strand-Tarzane führen ihre kleinen Hündchen spazieren und und und.... wir wissen eigentlich gar nicht, was wir noch alles in uns aufnehmen sollen. This is paradise! Wenn nicht hier, wo eigentlich dann?

Wir schauen gegen den Abendhimmel und so, wie sich die Sonne im Moment präsentiert, sieht es so aus als ob sie tatsächlich rechtzeitig zur deutschen Silvesterzeit hier um 18:00 Uhr, untergeht. Wir ordern jetzt eine Rum-Runner für die Herren und wir Damen nehmen einen Strawberry-Daiquiri. Wir prosten uns zu und machen noch einmal ein paar schöne Fotos, bevor die Sonne zum letzten Mal für dieses Jahrtausend im Meer versinkt. Nachdenklich, erwartungsvoll, glücklich hier zu sein, bedauernd nicht mit allen unseren Lieben dieses Gefühl teilen zu können, sehen wir diesem täglich wiederkehrenden Naturschauspiel zu. Das muss man einfach erlebt haben, es lässt sich mit Worten kaum beschreiben, es ist als ob die Seele Flügel kriegt...

Nachdem wir uns dann von diesem Anblick erholt haben (im wahrsten Sinne des Wortes) und es inzwischen fast dunkel ist, machen wir uns über einen kleinen Umweg zu den Restrooms auf den Rückweg zum Auto, um uns umzuziehen. An der Rückseite der Häuser und Hotels entlang, die direkt am Strand stehen, begegnen uns jetzt viele gutgelaunte, fröhliche Menschen mit Hüten und Federschmuck auf dem Kopf, auf denen eine 2000 dekoriert ist. Jeder ruft und trötet „Happy New Year“! Dann gehen wir das zweite Mal über die Brücke. Nach ca. 10 Minuten sind wir wieder am Auto und freuen uns diesen Blick zum Strand von der Brücke aus, bei Laternen und Lichterschein auch noch sehen zu können. Die Weihnachtsbeleuchtung ist ja doch im großen und ganzen noch an und es blinkert und blitzt überall überall über das Wasser. Unser Auto steht einsam und verlassen noch auf dem Parkplatz und der Trolley rollt, nachdem wir fast wieder da sind, an uns vorbei. Wir sind nicht böse darüber, denn diese Bewegung tut uns gut. Wir ziehen uns in Windeseile um. Wenn die Sonne weg ist, wird es gleich ein wenig kühl, obwohl der Wind jetzt nachgelassen hat. Dieser Abend verspricht wesentlich wärmer zu werden, als die Abende in den vergangenen Wochen.

Da es jetzt noch zu früh ist, um hier auf dieser Seite zu bleiben und zum Essen zu gehen, laufen wir halt noch einmal über die Brücke und schauen mal, wo wir uns später hinstellen, um den Jahreswechsel und das Feuerwerk mit einem Glas Sekt genießen zu können. Wir sind erneut überrascht, von dem bunten Treiben hier. Ja, wir wollten ja mitten ins Leben, aber das übertrifft doch gewaltig unsere allerkühnsten Vorstellungen. Die Fußgängerzone, gut gefüllt ähnlich wie eine Straße im Berufsverkehr. Fast alle Leute tragen inzwischen so ein 2000 Hütchen, eine Tröte in der Hand und die Damen tragen teilweise Haarreifen mit Federschmuck und einer 2000 drauf. Jeder ist fröhlich und gut gelaunt, überall ruft es „Happy New Year“. Wir bahnen uns den Weg zum Pier und ergattern einen schönen Platz. Ab dem Häuschen vom Pier ist schon abgesperrt und wir können in der Ferne sehen, wie dort schon ein Feuerwerk abgebrannt wird.

Die Sandburg von heute Nachmittag ist inzwischen voll illuminiert und wird sogar von Scheinwerfern angestrahlt. Sie ist ein Anziehungspunkt für viele Menschen und wir können von unsere Standplatz auf der Brücke alles wunderbar beobachten. Wir sollten versuchen, nach dem Essen hier wieder einen Platz zu bekommen, viel voller kann es nicht mehr werden und den Sekt gibt es kurz vor dem Steg. Wir haben eben gesehen, dass er schon auf Eis liegt. Wir genießen die Abendluft, die ganze Atmosphäre flirrt und flimmert, wie durch Elektrizität geladen und wir versuchen, so viel wie möglich von dieser Stimmung in unseren Erinnerungsschatz aufzunehmen. Es ist einfach irre, mitten in - dieser für unsere Generation - einmaligen Nacht dabei zu sein und mit hunderten Menschen, die sich so wie wir, diesen Platz ausgesucht haben, um die Jahrtausendwende zu begehen.

Wir laufen noch ein bisschen hier und da herum und müssen dann irgendwann die Straße hinter dem Beach überqueren. Hier steht inzwischen ein Verkehrs-Sheriff, der uns zuwinkt und ruft, wir sollen hier über die Straße gehen. Bevor ich das so richtig realisieren kann, wirft er mir seinen Hut wie eine Frisbeescheibe entgegen. Total entgeistert nach dem Hut hechtend, verpasse ich ihn und er fällt auf den Boden. Oh Gott, das wäre ja bei uns undenkbar und dann macht er noch Zeichen, dass er den Hut auf die gleiche Weise wiederhaben will und ich nehme all meinen Mut und meine Frisbeescheibenkenntnisse zusammen und schmettere ihm seinen Hut zurück, direkt in seine Hand. Der Hut war total schwer, obwohl er aussah wie dunkelgrünes Strohgewebe, schien es Metall zu sein. Prima jetzt dürfen wir auch über die Straße gehen, begutachten das kleine Einkaufszentrum und gehen noch ein wenig die Straße entlang.

Überall steht inzwischen Alkoholkontrolle und so wie wir es nur aus dem Film kennen die Biker-Polizei wie aus der Serie Pacific Blue. Sie haben ganz tolle Cannodale Fahrräder, die sogar am Lenker und hinten Blaulicht haben. Die Polizisten sehen genauso aus wie im Fernsehen. Der Helm, die Kleidung, das ganze Outfit, sogar das Funkgerät, ich bin total begeistert und werde diese Serie jetzt bestimmt kein eines Mal mehr versäumen. So langsam wird es Zeit uns wieder auf die Brücke, zurück zu unserem Autoparkplatz zu begeben, um dann gleich gegenüber im „The Bridge“ unser Silvesteressen einzunehmen. Jetzt laufen wir also das dritte Mal über die Brücke, es hat sich nichts verändert und der Trolley fährt genau wieder an uns vorbei, als wir fast drüben sind. Es begegnen uns mehr und mehr Menschen, die dort hin wollen, wo wir gerade herkommen. Mit einem fröhlichen „Happy New Year“ auf den Lippen geht’s nun ab ins Restaurant.

Unsere Plätze hätten wir gar nicht reservieren brauchen, so wie es im Moment aussieht, hätten noch viele mit uns zusammen reinkommen können und jeder hätte sich noch locker aussuchen können wo er sitzen möchte. Wir lassen uns draußen „seaten“. Die Luft ist angenehm, aber wenn man genau am Wasser sitzt und einen Stuhl ohne Kissen hat ist es doch etwas unangenehm und ich setze mich mal besser auf meine Jacke. Wir suchen uns jeder etwas Tolles zum Essen aus, die Preise hatten wir so vermutet, etwa 14 - 16 US$ für jeden oder auch ein wenig mehr. Rolf bestellt einen Grouper, C nimmt Red Snapper blacked (scharf?), G entscheidet sich für den Lachs und ich freue mich auf meine geliebten Fried Shrimps mit Vegetable anstatt Potatoe. Wir nehmen den Weißwein, den wir vor 10 Jahren durch Lisa und Woody kennengelernt haben: Glenn Ellen, und haben damit eine gute Wahl getroffen. Es mundet uns allen ganz vortrefflich, der Salat vorneweg und das warme Baguette stimmen uns auf den besonderen Abend ein. Zuerst fehlt uns noch das Besteck, aber die Bedienung Laura bringt uns sofort welches, als ich nach „instruments“ frage, weil mir „silverware“ nicht einfällt. Eine klare Abrundung für dieses wundervolle Essen wäre jetzt ein Espresso oder ein Cappuccino. Als die Bedienung abräumt, fragt G nach einem Espresso und bekommt sofort zur Antwort: Espresso haben wir nicht und auch keinen Cappuccino – wir müssen alle schrecklich lachen und nehmen dann doch den wohlschmeckenden amerikanischen Kaffee.

Nach unserem Silvesterdinner machen wir uns zum vierten Mal auf den Weg über die Brücke und müssen erfahren, dass es wirklich so ist: „somethings never change“ - denn auch dieses Mal fährt der Trolley kurz bevor wie wieder in Ft. Myers Beach ankommen, an uns vorbei. Der Fahrer muss auch denken, dass wir nichts besseres zu tun haben, als dauernd hin und her zu laufen. Ganz gezielt laufen wir zu der Stelle, wo wir vorhin den Sekt gesehen haben und müssen feststellen, dass das vorankommen noch langsamer als vorhin geht. Der Grund wir uns auch gleich gewahr: die Brücke, bzw. der Steg, das Pier ist jetzt vollkommen gesperrt und die Leute stauen sich davor. Andere haben sich vor der Live Band mit ihren eigenen Stühlen postiert und es werden immer mehr, die einfach mit den eigenen Klappstühlen sich dem Musik- und Kunstgenuss hingeben. Wir stellen fest, dass wir hier nicht stehenbleiben können. Rolf orientiert sich mal kurz nach Sekt und kommt mit einer niederschmetternden Nachricht wieder. Der Sekt ist aus und ob vor 24:00 Uhr noch mal neu geliefert wird, ist nicht bekannt. Eis ist auf jeden Fall frisch aufgefüllt, aber das zu kühlende Nass fehlt.

Wir sollten jetzt also am besten mal sehen, dass wir Land gewinnen und einen guten Platz finden, um das Feuerwerk anzusehen. In der Straße direkt hinter dem Beach ist ein kleines Einkaufszentrum mit einer oberen Etage und einem drum herumlaufenden Balkon. Jetzt kommen wir erst mal wieder an unserem „Schupo“ vorbei, ich glaube man könnte ihn auch in einer Show auftreten lassen, er lässt uns sofort rüber und wir gehen in die erste Etage des kleinen Zentrums. Der Überblick über die Straße, die von dem Sheriff geregelt wird ist sehr gut. Die Brücke können wir auch sehen und vor und über uns freier Himmel. Von unten rechts kommt Live-Musik aus einem Lokal namens „Düsseldorfs“, dort findet ein Silvesterdinner statt und wir können sogar sehen wer dort was isst und trinkt. Hier auf diesem Balkon der kleinen Mall lässt es sich leben. Dort unten ist sogar ein Erdinger Bier Ausschank, es könnte ja sein, dass es dort auch Sekt gibt.... „Unser“ Balkon hat in der Mitte eine Ausbuchtung mit einem Tisch und zwei Bänken dran, dort hat eine lustige Gesellschaft getafelt und verlässt so um halb 12 diesen hervorragenden Platz, nicht jedoch ohne uns vorher darauf aufmerksam zu machen und zu sagen, ob wir uns nicht dort hinsetzen wollen. Wir bedanken uns und stellen mit Freude fest, dass der Ausblick von hier noch besser ist.

Wir haben noch freieren Blick auf unseren Sheriff – C geht sogar nochmal runter und fragt ihn, ob sie ihn fotografieren darf. Die Zeit vergeht wie im Flug, denn von hier gibt es einiges zu sehen. Rolf und G holen bald den Sekt (4 x Piccolo), die Dame von der Band sagt ab und zu die Uhrzeit an und schon läuft der Countdown für das neue Jahrtausend: 10, 09, 08, 07, 06, 05, 04, 03, 02, 01..... und wir haben den 01.01.2000. Ich schaue noch fassungslos auf meinen Pappbecher und/oder auf meine Uhr als G und C mit Rolf und mir anstoßen. Wir gratulieren uns gegenseitig und wünschen uns alles erdenklich Gute. Ich bin halt doch in solchen Momenten ein wenig nah am Wasser gebaut. Überwältigt von dem, was sich jetzt am Himmel abspielt, den ganzen Nachmittag in Gedanken vor Augen, die Gefühle denen man dann doch nicht mehr so richtig Herr wird, …. Tränen haben ja nicht immer was mit Traurig sein zu tun, sondern sind ein Ventil für unglaublich starke Gefühle. Jede Träne ein „ich liebe Dich“ an Rolf und ein „Dankeschön“, dass wir hier gesund und zusammen sein dürfen.

Ich möchte diesen Moment so lange wie möglich festhalten, aber schon ist das neue Jahrtausend fünf bis zehn Minuten alt und wir können ein unglaubliches Spektakel am Himmel bewundern. So schöne Raketen habe ich noch nie gesehen. Es öffnen sich Blüten nach Blüten mit blauen, roten, goldenen Strahlen, mit Glimmer und Glitter, mit grün und silber. Das Feuerwerk wird mit einer sagenhaften Präzision abgebrannt, so dass man wirklich alle Raketen nacheinander bewundern kann. Sie kommen manchmal zu dritt oder zu viert, aber ohne sich gegenseitig zu beeinträchtigen, sondern gleichen eher einem wunderschönen Ikebana-Gesteck. Das Finale wird laut und farbenprächtig, hier geht es dann Schlag auf Schlag.

Kaum ist das Feuerwerk beendet, strömen auch schon hunderte von Leuten über den Zebrastreifen bei unserem Sheriff, er hat inzwischen Unterstützung von der Biker-Polizei bekommen und kommt mit diesen, über die Straße zu schleusenden Massen, gut zurecht. Die Haltestelle von dem Trolley ist voll, voller, am vollsten und wir werden uns, wenn die Massen etwas weniger geworden sind, dann doch lieber wieder zu Fuß auf den Weg über die Brücke machen. Wenn uns dann jemand fragt, was wir Silvester gemacht haben, können wir sagen: wir sind 6 Mal über die Brücke gegangen!

- vom Auto zum Strand
- vom Strand nach dem Sunset zum Auto
- nach dem Kleidung wechseln zum Strand und auf die Pier-Brücke
- vom Pier zum Essen
- vom Essen zum mitternächtlichen Silvesterfeuerwerk
- und vom Feuerwerk wieder zum Auto

Unser Autochen wartet treu und brav auf uns und Rolf fährt uns dann auch gleich ohne Umwege nach Hause. Es ist gar nicht so voll, wie man vielleicht annimmt. Viele Leute sind im Trolley unterwegs, der uns auch beim letzten Mal über die Brücke gehend, wieder überholt. Gegen halb Zwei sind wir wieder zu Hause und lassen den Abend noch ein wenig ausklingen, bevor wir in die Betten gehen.