1999 - Jahrtausendwende in Florida

 

Tag 26 - Dienstag 04.01.2000
Rückflug nach Hause

 

Der Wecker klingelt, das Weckeradio schrillt und wir werden ganz schnell aus unseren schönen Träumen in die Wirklichkeit geschleudert. Duschen, Zähneputzen das Normalwaschprogramm ist angesagt und dann noch ein wenig umpacken. Die schwarze Tasche wird nur die unzerbrechlichen Sachen nach Hause transportieren. Meine Orchideen und die Tilanzien für Carsten nehme ich ins Handgepäck und eine kleine braune stabile Papiertüte leistet mir dabei gute Dienste. Die Barbie kommt in ihrem Karton in meine Jogginghose in die schwarze Tasche, ich glaube so wird sie heil zu Hause ankommen. Den Teddy aus dem Teddybärenmuseum in Naples nehme ich in meine Umhängetasche, und so starten wir erst einmal zum Frühstück.

Für amerikanische Verhältnisse ein Wahnsinnsfrühstück, den eigentlich bekamen wir sonst nur Kaffee oder manchmal einen Donut. Hier gibt es ein kleines Buffet mit Bagels und Muffins, abgepacktem Traubengelee, Margarine und so etwas ähnlichem wie Gervais. Kaffee mit und ohne Koffein, Tee, Orangensaft, Milch und sogar einen Toaster in dem man Toastscheiben, die griffbereit daliegen, toasten kann. Ist doch wirklich wunderbar und reicht uns vollkommen. Ach ja, kleine Müslipäckchen und Bananen kann man sich auch noch nehmen.

Wir frühstücken in aller Ruhe, checken dann aus und fahren auf der 4 West gen Tampa. Rolf möchte gerne in Tampa noch ein paar Trucks, die da an der Straße stehen, fotografieren, aber nachdem wir heute auf der 4 unterwegs sind, kommen wir nicht gleich auf die richtige Straße auf der wir waren, als wir G und C abgeholt haben. Wir sind schon zu nah am Flughafen, versuchen noch ein paar Kurven zu drehen, landen dann auf der richtigen Straße in der falschen Richtung und geben dann aus Zeitgründen auf.

Es ist besser etwas früher am Flughafen zu sein, damit wir noch Einfluss auf unsere Plätze nehmen können. Also los in Richtung Flughafen zur Abgabe unseres Autos bei der Rental Car Station. Wir folgen den Schildern, bis uns wieder einfällt, dass wir das Alamo-Auto nicht direkt am Flughafen bekommen haben und es dann logischerweise auch nicht hier wieder abgeben können. Wir müssen dorthin wo wir es bekommen haben. Ich bin mit dem Stadtplan im Moment leider überfordert, da Rolf schneller um die drei Ecken fährt, als ich das auf dem Plan gefunden habe, auf welcher Seite des Flughafens wir jetzt eigentlich sind. Meine Erlösung kommt, als Rolf sagt: Ok, Du brauchst nicht weiter zu suchen, ich sehe das Schild. Auto abgeben ist keine Affaire, der Bedienstete guckt nur ins Auto, lässt den Wagen an, prüft Licht und Blinker und das wars dann schon, da wir auch im Vertrag hatten, dass das Auto nicht vollgetankt wieder abgegeben werden kann. Das war in den vergangenen Jahre immer recht lästig, so kurz vor Ankuft bei dem Car-Rental noch eine Tankstelle zu finden.

Das Auto sind wir los, jetzt warten wir auf den Shuttle Bus, der uns ins Flughafengebäude bringt. Es dauert nicht lange und wir können im Flughafen unsere Koffer abgeben, bekommen einen Zweierplatz, wie gewünscht. Fenster und Gang für den langen Flug ab Chicago und vorher bis Chicago sitzen wir Fenster und Mitte, jedoch am Emergency-Ausgang, sodass wir tollen Platz für die Füße haben. Diese Maschine ist natürlich kleiner, als die in die wir dann ab Chicago steigen. Es wird wie auf dem Hinflug eine 777 sein. Hoffentlich reicht uns die Zeit zum Umsteigen, denn wir kommen wieder nicht pünktlich los und Chicagos Flughafen soll sehr groß sein.

Der Flug ist ganz in Ordnung, aber mein Bauch ist etwas in Unordnung. Das ist wahrscheinlich mein Reisefieber. Nach ca. 3 Stunden landen wir in Chicago und was sehen wir? Zuerst einmal nichts, denn es ist grau in grau, als wir durch die Wolken kommen und dann: nein, das darf doch nicht wahr sein: Es liegt Schnee. Der Himmel grau, kein Sonnenstrahl mehr und als wir aussteigen könne wir aus dem Fenster sehen, dass es tatsächlich noch schneit. Tja, das kalte schlechte Wetter hat uns schneller wieder eingeholt als wir dachten. So aber jetzt hurtig, erst mal schauen wo wir hin müssen. Naja das geht ja noch, wir kommen bei 32 an und müssen nach 8 oder umgekehrt. Wir flitzen über den Flughafen mit kurzem Zwischenstopp an den Restrooms und können dann gleich ohne zu warten in die Maschine einsteigen, denn das Boarding liegt in den letzten Zügen.

Außer in Tampa beim einchecken hat uns bisher niemand nach unserem Pass gefragt, ich finde das ja schon ein wenig komisch. Ich könnte doch theoretisch jemand anderen meine Bordkarte geben und per Taxi vom Flughafen verschwinden – oder? Es geht ja auch um unsere eigene Sicherheit. Naja, sie werden es ja hoffentlich wissen, wenn sie wann kontrollieren.

Wir setzen uns auf unsere reservierten Plätze und können es immer noch nicht ganz fassen, dass da draußen um uns herum die Welt ganz weiß und kalt geworden ist. Jetzt fällt so langsam der Stress von uns ab, denn alle möglichen Leute die den Chicago-Flughafen kennen haben uns „viel Spaß“ mit einem besonderen Unterton, beim Umsteigen gewünscht. Unser Kapitän ist etwas gesprächiger als der vorige und teilt uns mit, dass wir auf Kanal 9 den Funkverkehr mit dem Tower und unserem Flug 944 verfolgen können. Na das ist natürlich was für Rolf, er hört nur noch diesen Kanal und an seinem Gesicht kann man ablesen, dass in Kürze wohl ein paar Humps and Bumps auf uns warten. Es gibt sogar zwei von der Crew, die deutsch sprechen und uns sehr nett bedienen. Wir sind auf einem drei Klassen Flug und daher mit viel Personal bestückt. Erfahrene Flugbegleiter, die sicher schon 25 - 30 Jahre diesen Beruf ausüben, lesen uns jeden Wunsch von den Augen ab. Sie sind dauernd unterwegs und fragen, was man trinken möchte, bringen Tücher und wieder Getränke.

Der Flug ist nicht so ruhig wie auf dem Hinflug, jedoch nicht beängstigend. Es wackelt halt dauernd und vibriert, das ist nicht so angenehm aber wir können ja nicht aussteigen und sagen, das machen wir nicht mit. Rolf versucht zu schlafen, aber es gelingt ihm nicht wirklich. Der Funkverkehr bring Neuigkeiten und Rolf berichtet, dass eine Maschine vor uns in Turbulenzen ist, der Tower gibt neue Anweisungen und unser Pilot ändert den Kurs.

Es fällt uns auf, dass immer wenn eine Kurskorrektur oder Humps and Bumps kommen, die Crew anscheinen Anweisung hat, die Fluggäste zu beschäftigen. Sie legen dann den Film der für später angekündigt war doch eher ein, oder verteilen wieder mal Getränke oder machen auf den Bordverkauf von taxfree Produkten aufmerksam. Ich sehe mir den Film „Mickey Blue Eyes“ an und finde ihn doof. Gut, dass ich dafür kein Geld ausgeben werde, denn ich hatte vor, mir mit Rolf den Film im Kino anzuschauen.

Dieser Flug vergeht wirklich nicht gerade im Flug, aber sehr viel bequemer als auf dem Hinflug. Um kurz vor 6:00 Uhr Ortszeit landen wir wohlbehalten aber müde in Frankfurt. Vom Flieger aus, konnten wir schon die drei Riesenräder am Main stehen sehen und auch die Zahl 2 davor, was dann eine 2000 ergibt. Toll sieht das aus und wir freuen uns, diesen Anblick mal kurz genießen zu dürfen, dann sind wir schon vorbeigehuscht. Da wir von Westen eingeflogen sind, haben wir den Messeturm nicht sehen können, aber so haben wir die Riesenräder wenigstens nicht verpasst. Die gelbe Commerzbank dahinter war auch nicht zu übersehen. Denn Henninger Turm sieht man gar nicht mehr, er wurde vom Großstadt-Dschungel verschluckt, es gibt inzwischen so viel höhere Häuser, die sehr schön illuminiert sind.

Auch in Frankfurt will man nur unseren Pass sehen und dann wartet Markus treu und brav vor der entsprechenden Tür aus der wir rauskommen, auf uns. Rolfs und mein Koffer, waren doch tatsächlich die ersten auf dem Band und ich kann es kaum glauben. Noch bevor Rolf den Kofferkuli in Position gebracht hat, habe ich schon die schwarze Tasche und meinen blauen Koffer vorm Band gezerrt. Der Rote ist gleich hintendran und wir können gehen.

Markus fährt uns zur Oma, da dort unser Auto zur Bewachung steht. Wir wecken sie, obwohl es erst 7:00 Uhr ist und sie macht uns einen Kaffee. Sie war schon wach, hat nur noch ein wenig Radio gehört. Wir erzählen noch ein bisschen und fahren dann nach Hause, hier merken wir erst richtig, wie müde wir sind. Wir wollen aber den Tag über durchhalten damit wir erst abends normal schlafen, um schneller wieder in den Rhythmus zu kommen. Aber es gelingt uns nicht so ganz. Ich stelle zwar eine Waschmaschine an und setze mich dann vor den Fernseher, wo ich dann süß und selig einschlafe. Rolf hält am Computer etwas länger durch und schläft dann etwas später ein, als ich gerade eine Wachphase habe.

Ja, und so versuchen wir, uns dem deutschen Rhythmus wieder anzupassen. Am Montag 10.01.2000 müssen wir wieder arbeiten und heute ist erst Mittwoch der 5.1.2000.

Wir melden uns noch bei unseren Lieben zurück, trödeln dann noch ein wenig durch die Zeit und träumen vom nächsten Floridaurlaub, der hoffentlich nicht so schrecklich lange auf sich warten lässt.

 

Es sind Träume, die die Welt verändern..........