1999 - Jahrtausendwende in Florida

 

Tag 02 - Samstag 11.12.1999
Die Fahrt nach Cape Coral mit Zwischenstopp im Weihnachtsgeschäft

 

Wir haben haben lange geschlafen, sind gut ausgeschlafen und ohne Wecker aufgewacht. Mit Kreislaufstörungen, die sich beim Zähne putzen einstellen, machen wir uns zum auschecken bereit und wollen nochmal nach dem AAA Rabatt fragen. So einfach wie gestern Abend lasse ich mich ja normalerweise nicht abspeisen, aber wenn man sooo müde ist, dann gibt man auch keine Widerworte mehr und schon gar nicht auf englisch. Es war ja immerhin deutsche Zeit halb vier.

An der Rezeption ist heute morgen jemand anderes, der uns jedoch erst einmal zum Kaffeetrinken schickt, weil er keine Zeit hat und die Dame gleich wieder käme. Leider ist der Kaffee nicht umsonst, weil ein Restaurant in der Nähe ist. Kostenlosen Kaffee und evtl. einen Donut bekommt man nur, wenn kein Restaurant auf dem gleichen Gelände ist. Das ist ja noch ein Grund mehr nach dem Rabatt zu fragen.

Wir beide stellen beim Kaffeetrinken fest, dass wir wohl beide unser Kopfschmerzen von gestern gerade wiederbekommen. Der Klimaunterschied ist wohl doch erheblich. Wir kommen ja schließlich aus „fast Winter“ in einen wunderbar frühlingshaften Sommer und das in nicht einmal 12 Stunden, das muss der Körper ja auch erst einmal verstehen und verkraften. Frisch gestärkt mit amerikanischem Kaffee, und den gestern noch gekauften Muffins, gingen wir zur Rezeption um erneut nach dem Rabatt zu fragen.

Wunder – ohh wir bekommen tatsächlich 10%, schön ich freue mich, bei 65$ haben wir schon den Kaffee wieder raus. Also das klingt ja wirklich nach Sparbrötchen,oder? Nein sind wir eigentlich nicht, aber preisbewusst und wenn es schon den AAA Rabatt gibt, dann möchte ich ihn auch haben. Ohne fragen gibt’s nix, also fragt man höflich nach. Komisch, mittlerweile macht es mir auch nichts mehr aus.

So, die Koffer sind wieder im Auto und ab geht’s auf der 60 West Richtung Clearwater Beach, das wollen wir uns nicht nehmen lassen, hier haben wir uns vor 10 Jahren sehr wohl gefühlt. Noch auf dem Weg dorthin gehen wir in einen Weihnachtsmarket, er hatte noch nicht auf. Öffnungszeiten wie in Frankfurt auf der Zeil erst ab 10:00 Uhr. Also warten wir noch ein paar Minuten. Wir möchten gerne ein paar Sachen kaufen, damit wir im gemieteten Haus in Cape Coral ein wenig Weihnachtstimmung zaubern können. Endlich 10:00 Uhr und der Markt öffnet. Ach Du liebe Zeit, welch eine Pracht, es sind bestimmt 10 verschiedene Tische mit unterschiedlichen Stilen von Dörfchen, kleinen Städtchen, oder auch bestimmten Handwerker-Läden aufgebaut. Es gibt einen Harley Davidson Laden, einen Bahnhof, den Dorfkrämer, das Wirtshaus, ein Straßencafé wie in Spanien, ein Alpendorf mit verschneiten Gasthöfen, und und und – wir können uns kaum sattsehen und kommen uns vor wie kleine Kinder, die das erste Mal vor einem Schaufenster stehen. An den Wänden befinden sich Glasvitrinen, aus denen uns ganz schön teure „Snow-Babies“ anlachen. Figürchen filigran gearbeitet, etwas pummelig, weil so dick angezogen, elfenbeinfarben mit ganz lieben freundlichen Gesichtern die rufen: kauf mich, kauf mich. Nein wir sind tapfer.

Ach es gibt so viel zu sehen an Dekorationsmöglichkeiten, Schleifen und Bänder wie man sie sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellt. Glaskugeln wie wir sie kennen und ganz anders, entweder antik gearbeitet mit goldener Spitze belegt oder ganz ausgeflippt als Schneemänner, Weihnachtsengel, Nikoläuse und und und...... Es gibt Perlenketten als Kilometerware in allen Farben mit und ohne Glanz, Silber und Goldsterne, Lametta und dann einen ganzen Raum nur mit künstlichen Weihnachtsbäumen fertig in allen Stilrichtungen, fertig geschmückt mit rot und bunt oder auch weiße verschneite Bäume mit silberfarbenem Kugeln. Bäume, die elektronisch die Farbe der Nadelspitzen verändern. Weihnachtssterne, deren Blätter und Blüten mit Lämpchen und Lauflichtern bestückt sind. Rosa Weihnachtsbäume superedelkitschig aber einfach traumhaft, super so etwas zu sehen. Die Auswahl an Lichterketten, Länge und Farbe, mit und ohne Dimmer, mit und ohne Lauflichter, sogar mit und ohne Musik lässt keine Wünsche offen und ist auch preislich, obwohl der Dollar im Moment so hoch ist, wirklich attraktiv.

Wir verbringen fast zwei Stunden in diesem Market, verlassen ihn um ein paar Dollar ärmer und haben dafür ein künstliches Tannengesteck und eine selbst ausgesuchte "Garnierung", eine champagnerfarbene Perlenkette und gleichfarbige Haselnüsse, rote Lacksterne an einem Ästchen und rote Beeren sowie einen roten Vogel aus echten Federn ergattert. Schlussendlich entscheiden wir uns auch noch für eine ganz tolle rote Samtschleife mit langen Bändern und freuen uns jetzt schon auf das schmücken heute Abend. Drei kleine Federvögelchen unterschiedlicher Farbe durften es dann auch noch sein.

Dann setzen wir unseren Weg nach Clearwater-Beach fort, bis Rolf meint eigentlich waren wir ja jetzt so lange in dem Laden, so dass wir vielleicht besser doch nicht den Weg über Clearwater Beach nehmen, sondern gleich südlich auf die 19 gehen und dann noch in dieser Outlet Mall in Ellenton die am Exit 43 von der 75 South, an der 301 liegen soll, „vorbeischauen“. Außerdem wollen wir noch zu einem Fruitmarket um Orangen zu kaufen.

Da wir aber am Straßenrand dauernd Fruchthändler sehen und im Moment noch Orangenzeit ist, nehmen wir von diesem Ausflug Abstand. Vorher gehen wir jedoch noch in die Clearwater Mall, kaum zu glauben auch hier gibt es Weihnachtsdekorationsläden in Hülle und Fülle, wir kommen nicht daran vorbei, und kaufen einen wunderschönen Nikolaus mit einer Tanne im Arm und einem Sack voll Geschenke, der ganz liebevoll lächelt und von innen beleuchtet ist. Auf den bereits herabgesetzten Preis von 12,95 US$ gibt es noch einmal Rabatt und wir bezahlen nur 6.95 US$ toll, jetzt freuen wir uns noch mehr. Die Batterie von meiner Swatch kann ich auch noch wechseln lassen und bin dann voll zufrieden, dass wir in einem weiteren Geschäft noch einen weißen kleinen Nikolaus mit einem kleinen Pinguin mit hellblauen Hut bzw. Mütze kaufen. Er ist aus diesem Steingut gearbeitet, bei dem so ganz bizarr alle Winzigkeiten herausgearbeitet sind und sieht ganz zauberhaft aus, ein Päckchen mit Teelichtern die nach frisch gebackenen Cookies duften, lassen unsere Herzen einen Luftsprung machen und wir ziehen glücklich mit unserem Reichtum ab.

Unsere Kopfschmerzen wachsen sich wieder aus und wir sehen zu, dass wir jetzt ohne weitere größere Unterbrechung nach Cape Coral kommen. Wir fahren (wieder einmal) über den Sunshine Skyway und es ist gerade wieder so gigantisch, wie das erste Mal. Ich dachte bisher, wenn man die Möglichkeit hat diese wunderbaren Dinge, die unser Leben so wertvoll machen und uns verändern, gestalten und reifer machen, erneut zu erleben, dann würde der Eindruck verblassen aber dem ist nicht so. Über diese Brücke zu fahren, bedeutet nicht zwischen Himmel und Erde sondern zwischen Himmel und Wasser allein mit diesem überragenden Bauwerk zu sein, diese Brücke ist ein einziges Wunder, das den Golf von Mexico von der Tampa Bay trennt. Schweigend nebeneinandersitzend genießen wir dieses Gefühl wieder hier zu sein in unserem geliebten Florida. Seit Anfang der Brücke befinden wir uns auf der 275 South, bis wir wieder auf die 19 South kommen und bis zur 301 North befahren, damit wir noch in die Outlet Mall nach Ellenton gehen können. Aber weit gefehlt, wir finden sie nicht, egal jetzt fahren wir schnurstracks auf die 75 South, damit wir noch vor Einbruch der Dunkelheit in „unser“ Haus in der SE 17th Terrasse vom Santa Barbara Blvd. kommen.

Und siehe da, von der Auffahrt aus, auf die Interstate von der es natürlich kein zurück gibt, sehen wir die Outlet Mall liegen, egal jetzt trauern wir der nicht nach, sondern fahren in unser „zu Hause“ für die nächsten knapp vier Wochen. Von unserer Zwischenlandung in Washington nicht gerade verwöhnt, müssen wir annehmen, dass es bereits so um 16:00 Uhr dunkel wird. Wir schaffen es wirklich ohne weitere Unterbrechung aber mit wachsenden Kopfschmerzen in Cape Coral anzukommen. Bei Nachbarn, Familie Seemann (nicht deutsch) holen wir den Schlüssel, bekommen eine kleine Einweisung. Nach dem ausladen der  Koffer begeben wir uns wieder schnurstracks auf den Weg zu Albertsons, damit wir für die nächsten Tage ein wenig einkaufen. Auch das braucht Zeit, ach diese herrlichen Supermärkte hier, es gibt genügend Platz in allen Gängen, der Preisvergleich wird einfach gemacht. Man kann viel sparen, wenn man ein wenig darauf achtet, was wir tun, da der Dollar im Moment bei DM 2,00 ist. Erschreckend sind die Preise für Sekt, Wein und Käse. Wir zahlen quasi 1:1 der Sekt kostet bei uns 7,99 DM und hier US$ 7,99 ähnlich ist es mit anderen Nahrungsmitteln, Nudeln kosten mehr als bei uns, es ist Importware aus Italien. Der Fleischpreis ist auch gestiegen gegenüber unserem letzten Aufenthalt: 100 g Hähnchenbrust US$ 2,50 das sind DM 5,00. Käse kann man vollkommen vergessen, der ist kaum zu bezahlen. Wir erledigen unseren Einkauf und freuen uns auf ein selbst gekochtes Essen.

Während ich so in der Küche koche, wurschtelt Rolf so rum – und was findet er? Kartonweise Weihnachtssachen, die er dann auch prompt dekoriert. Toll, aber nichts gegen das, was wir inzwischen draußen durchs Fenster bewundern können. Die Nachbarschaft hat ihre Häuschen wundervoll geschmückt mit ganz vielen bunten Lichtern, die blinken und laufen sowie mit kindshohen von innen beleuchteten Schnee- und Weihnachtsmännern, die im Vorgarten prächtig aussehen.

Glücklich mit einem selbstgemachten Kaffee freuen wir uns auf die Linguini mit Hackfleisch, die uns köstlich munden, ein Gläschen Rotwein und der Duft von frischgebackenen Cookies (von der Kerze) lässt uns unsere Urlaubszeit in Cape Coral so richtig einläuten. Die Koffer sind schnell ausgepackt, Fernseher an und die Weihnachtssachen rundherum – das „american feeling“ hat für uns nichts von seinem Zauber verloren. Aber bald gehen wir dann doch ins Bett, denn der Flug und die Hektik von gestern sitzen uns doch noch ein wenig in den Knochen. Um 3:00 Uhr war dann die Nacht zu Ende, da Rolf mit Verdauungsbeschwerden zu kämpfen hatte und ich sowieso mal raus musste. Dann waren wir hellwach, denn nach deutsche Uhrzeit, würden wir jetzt ins Büro gehen.