1999 - Jahrtausendwende in Florida

 

Tag 03 - Sonntag 12.12.1999
Relaxing, Telefon und Sunset Pier

 

Heute war unser erste richtiger Relaxing-Tag, obwohl wir seit 3:00 Uhr war waren. Hellwach, mit der Zeitumstellung in diese Richtung hatten wir eigentlich bisher keine Schwierigkeiten – sollen das die ersten Alterserscheinungen sein? Kaum zu glauben, aber uns geht es wirklich gut dabei. Wahrscheinlich hat uns der Ruf der Natur aus dem Schlaf geweckt und dann haben wir halt ein wenig gelesen und Musik gehört. Um ca. 8:30 Uhr hat uns der Hunger aus dem Bett getrieben und wir haben putzmunter unser erstes Frühstück in diesem schönen Haus genossen. Toast mit Peanutbutter, amerikanischer könnte es kaum sein, Müsli für Rolf mit Milch und für mich mit diesem wundervollen Orangensaft aus den Florida Orangen, da ich keine Milch mag.

Anschließend bin ich dann mal zu unseren Nachbarn (Familie Seemann) gegangen, da wir heute morgen in der Frühe feststellen mussten, dass wir von hier aus nicht nach außerhalb telefonieren können. Ich habe gefragt, wieso es nicht geht und wieso eine Stimme sagt, dass man von diesem Apparat nicht befugt ist nach „draußen“ zu telefonieren. Shelley und Andrew waren sehr hilfsbereit und sagten man müsste eine 0 wählen und dem Operator sagen, dass man einen Creditcard-Call haben möchte, danach wird man nach seiner CC Nummer gefragt und nach der Nummer die man sprechen möchte. Ok! Verstanden und zurück und auf ein Neues. Aber leider ohne Erfolg, es meldete sich weiterhin nur diese Stimme vom Band, die wir schon kannten.Also wieder zurück und nochmal gefragt.

Shelley war so nett und hat mir ihr Telefon mitgegeben, damit (da ich ja jetzt die CC nicht dabei hatte) ich einen Call tätigen kann. Rolf hat es dann probiert aber es wurde nur nach der Nummer der Verbindung und dann nicht mehr nach der CC gefragt, somit haben wir auf Shelleys Telefonkosten zu Hause bei Mutti angerufen und gebeten allen möglichen Leuten Bescheid zu geben, dass wir nur angerufen werden können, aber nicht selbst telefonieren können. Habe dann 5US$ mit zu Shelley genommen als ich das Telefon zurückbrachte, damit sie nicht für unser Telefonat bezahlen muss. Sie wollte es nicht annehmen, aber ich habe darauf bestanden, es war uns ja schließlich eine große Hilfe.

Anschließend haben wir uns an den Pool gesetzt, der jedoch nicht so gut von der Sonne beschienen wird, wie erwartet. Der Rand um den Pool ist sehr eng und man kann seinen Stuhl, geschweige denn eine Liege, kaum drehen damit man die Sonne immer richtig von vorne erhält. Das Klima um diese Jahreszeit ist ganz wundervoll. Es ist warm aber nicht heiß, die Sonne wird auf der Haut wie ein streicheln von Sonnenstrahlen mit einer leichten Brise Wind empfunden, nicht abkühlend sondern angenehm. Das Wasser im Pool bewegt sich leicht und spiegelt die Sonnenstrahlen wieder. Wir fühlen uns rundherum wohl und freuen uns ganz dolle, wieder hier zu sein, in unserem zweiten zu Hause. Wir lesen und quatschen, sortieren Prospekte und hoffen dass C und G uns mal anrufen, damit wir ihnen noch gute Ratschläge wegen dem Flug und dem Umsteigen geben können, da es doch ein ziemlicher Stress war.

Zum Nachmittag-essen, da wir spät gefrühstückt haben, gibt es heute selbstgemachte Hamburger, die leider etwas zu stark gewürzt sind, aber wir lassen es uns trotzdem schmecken, bevor wir uns auf den Weg zur langersehnten Bootsparade machen. Den Weg hatte ich mir heute morgen noch von Andrew erklären lassen. Leider hat sich dann doch alles anders ergeben als erwartet. Wir sind gegen 15:15 Uhr losgefahren, zuerst in die del Prado Mall..... und was haben wir da schon wieder gekauft? Na klar, Weihnachtssachen, aber diesmal nicht für uns sondern als Mitbringsel für unsere Mütter und Neffen. Ganz tolle kleine Weihnachtsmänner mit ganz vielen liebevoll ausgearbeiteten Kleinigkeiten die sie in der Hand haben, die aus dem Geschenksack raus gucken, oder neben ihnen liegen. Zauberhaft, einfach zauberhaft, am liebsten würde ich alle selbst behalten, denn bei uns gibt es so etwas nicht. Naja, aber man kann ja nicht alles behalten und eigentlich soll man ja auch das verschenken, was man selbst gerne mag.

Jetzt sind wir schon fast in der Gegend, die uns im letzten Jahr so fasziniert hat. Die Eigenheime ! Ja, und so gucken wir halt mal, was aus „unserem“ Grundstück geworden ist: Es steht ein Haus drauf, und es könnte unseres sein – besser so, denken wir heute. Gut, dass wir es nicht gemacht haben. Wir wären mit dieser finanziellen Belastung mit Sicherheit nicht glücklich geworden. Auch die Eindrücke aus dem diesjährigen Haus lassen uns froh sein, diesen Schritt nicht getan zu haben. Wir sind ganz bewusst in dieses Haus gegangen, auch mit dem Gedanken was wäre, wenn es jetzt unseres wäre. Da kommt man ganz schnell auf den Teppich zurück, zu viele Dinge doch nicht so, wie man sie gerne hätte, wenn es einem selbst gehören würde. Nicht von der Einrichtung oder der hübschen Ausstattung her, nein von den Dingen, die vielleicht schon ramponiert wurden und man keinen Einfluss darauf hat,wie lange neu auch neu aussieht. (Bäder).

Dann haben wir uns noch unser Wunschgrundstück, was im vergangenen Jahr noch nicht zum Verkauf stand, angesehen – und es gibt es noch, sogar noch nicht bebaut, aber es ist inzwischen „zu verkaufen“. Das soll aber nicht ernsthaft heißen, dass wir uns dafür interessieren. Es hat uns halt an den Ort zurückgezogen, um sich auch ohne Reue darüber klar zu werden, unsere Entscheidung es schlussendlich doch nicht zu tun, war vollkommen richtig.

Von hier haben wir uns dann auf den Weg gemacht, um die Bootsparade zu suchen, gefunden haben wir sie auf dem von Andrew beschriebenen Weg jedoch nicht. Gelandet sind wir dann in unserem „alten“ Domizil im Dolphin Drive vom letzten Jahr. Dort haben wir dann an dem kleinen Strand gefragt und siehe da, heute oder morgen nur eine kleine Parade von ca. 25 Booten, aber kommende Woche – oder war es schon vergangene Woche, da sind es ca. 100 Boote, auf der anderen Seite (wohin uns wohl Andrew schicken wollte). Tja so war das, haben wir nun dieses Event verpasst – oder noch nicht?

Naja, jetzt geht erst einmal die Sonne unter – wir sind tatsächlich aber ganz aus Versehen rechtzeitig zum Sunset am Pier und können diese einzigartige Stimmung einfangen, ein paar Fotos machen, Pläne schmieden und uns wieder mal ganz glücklich bewusst werden, wie schön es ist wieder hier zu sein. Ja, der Dolphin Drive ist schon eine feine Gegend, der Jachthafen, die Boote, der kleine Strand, das Pier und heute auch noch Live Musik á la Tony Christie, einfach super! Außerdem ist wohl im Senioren Club heute ein Fest, es begegnen uns ganz viele ältere und gut aussehende Paare, die ganz schick angezogen sind und mit Freude und Erwartung in ihren Gesichtern in die gleiche Richtung strömen.

Wir setzen uns wieder in unser Luxusauto und wollen noch in die Coralwood Mall – einfach so. Gott sei Dank haben die meisten Geschäfte schon zu, ich weiß nicht was wir wieder gekauft hätten, etwa Weihnachtssachen? Inzwischen ist es ganz dunkel und wir machen uns jetzt wirklich auf unseren Heimweg. Unterwegs sehen wir ganz viele wunderschön geschmückte Häuser. Es ist traumhaft mit welchen tausend Lichtern die Menschen hier ihr Häuschen in Szene setzen, damit Santa Claus sie auch findet. Die Stämme der Palmen sind in orangerote Lampenketten gewickelt, die Blätter mit grünen Lämpchen nachempfunden, die Silhouette des Daches ist mit hunderten von Lichtchen geschmückt ob einfarbig oder bunt, ob mit Schabracke oder mit Zipfeln in unterschiedlichen Formen und Farben, es blinkert und blinkt.

Rehe und Hirsche stehen, aus mit Lämpchen geschmückten Drahtgestellen, vor dem Haus. Schneemänner, Weihnachtsmänner, sogar die Holy Family werden von innen beleuchtet. Die Screened Porch ist mit weihnachtlichen Motiven geschmückt und die Silhouette mit Lämpchen besetzt. Man weiß gar nicht, wo man so im vorbeifahren zuerst hinsehen soll. In unserer Straße, bei uns gegenüber, haben sie ein Karussell mit Rentieren aus Draht aufgestellt und mit Lauflichtern in bunt bestückt, dann sieht es wirklich so aus, als ob sich das Karussell dreht.

Weihnachtszeit in Florida, es ist warm, tagsüber ist der Himmel blau, kaum ein Wölkchen zu sehen und abends bei Dunkelheit ist die Weihnachtszeit schöner fast als bei uns. Wir wollen unbedingt noch Lichterketten zum mitnehmen kaufen, damit wir zu Hause davon ein klein wenig nachmachen können und etwas von diesem Feeling mit nach Deutschland nehmen. Nachdem wir dann wieder im Haus angekommen sind, stellen wir den beleuchteten Weihnachtsmann, den wir hier gefunden und dekoriert haben, vor die Haustür, damit „unser“ Häuschen nicht als einziges im Dunkeln steht.

Dann schreibe ich noch ein wenig an diesen Zeilen und mit einem Gläschen Rotwein und einem kleinen Chuck Noris Film beschließen wir den Abend.